Geringere Brexit-Sorge hebt SMI kräftig

Steigende Hoffnung auf einen Verbleib Grossbritanniens in der Europäischen Union hat die Anleger zu Wochenbeginn nach Aktien greifen lassen.
20.06.2016 13:11

Der Schweizer Leitindex SMI legte 2,5 Prozent zu auf 7904 Punkte und stieg damit so stark an einem Tag wie seit Mitte Februar nicht mehr. Am Freitag hatte der Index bereits ein Prozent gewonnen. Der Wahlkampf in Grossbritannien ist vier Tage vor dem Brexit-Referendum wieder in vollem Gang. Am Wochenende hatte sich in Umfragen ein Zulauf für die EU-Befürworter abgezeichnet.

An der Spitze der Gewinner standen die gebeutelten Aktien von Banken und zyklischen Firmen. "Wie immer wenn der Markt zu einer so kräftigen Gegenbewegung ansetzt", sagte ein Händler.

Die Papiere von Credit Suisse kletterten um 4,0 Prozent und UBS rückten um 4,4 Prozent vor. Julius Bär waren 4,3 Prozent im Plus und Vontobel legten drei Prozent zu.

Banken könnten vom Verbleib Grossbritanniens in der EU profitieren, weil sich dann die lähmende Verunsicherung an den Märkten legen und die Geschäftsaussichten verbessern könnten, hiess es am Markt.

Die Aktien der Versicherungen gewannen rund drei Prozent. Helvetia legten 3,7 Prozent zu.

LafargeHolcim top

Bei den zyklischen Firmen stachen die Anteile von LafargeHolcim mit plus 4,8 Prozent hervor. Der Zementkonzern hatte vergangene Woche in einem Interview mit Reuters die Prognosen bestätigt.

Die Titel von Richemont kletterten um 4,3 Prozent nach oben. Rivale Swatch wurde um 2,7 Prozent höher gehandelt. Händler sagten, die Aktien der beiden Luxusgüterhersteller könnten von Käufen vor der Veröffentlichung der monatlichen Uhrenexportstatistik profitieren. Die Zahlen werden am Dienstag um 08:00 Uhr veröffentlicht. "Die Zahlen im Mai vor einem Jahr waren schwach. Daher könnte es zu einem positiven Basiseffekt kommen", sagte ein Händler.

Gegen den Trend etwas leichter waren die Anteile von Syngenta. Einem Bericht der "Schweiz am Sonntag" zufolge sind Vertreter der Regierung von Präsident Barack Obama besorgt über die Übernahme des Schweizer Agrochemiekonzerns. "Vieles spricht dafür, dass der Deal in Schwierigkeiten steckt und blockiert werden könnte", hiess es in der Zeitung mit Hinweis auf einen Insider. Ein Syngenta-Sprecher bekräftigte dagegen frühere Angaben, wonach der Deal bis Ende Jahr abgeschlossen werden dürfte.

Die Aktien von Schwergewicht Novartis legten zwei Prozent zu. Der Pharmakonzern will seinen Rivalen mit Nachahmerversionen von wichtigen Biotech-Medikamenten Milliarden-Umsätze abnehmen. Bis 2020 will der Konzern sogenannte Biosimilars von fünf wichtigen Arzneien auf den Markt bringen. Die Nachahmerversionen könnten bis zu 75 Prozent billiger als die Originalmedikamente sein, sagte Novartis-Chef Jimenez. Die Genussscheine von Roche wurden um 2,7 Prozent höher bewertet.

Die Anteile von Nestle, einem weiteren defensiven Schwergewicht zogen um zwei Prozent an. Die Aktien kleinerer Nahrungsmittelhersteller wie Bell, Hügli und Orior waren dagegen schwächer.

Deutliche Kursavancen verzeichneten am breiten Markt Technologiewerte wie Meyer Burger, AMS, Temenos und Oerlikon. Leonteq kletterten um vier Prozent nach oben. Der Titel der Derivatboutique hat im laufenden Jahr fast zwei Drittel des Werts eingebüsst.

(Reuters)