Getrübte Stimmung in der deutschen Wirtschaft

Deutschlands Unternehmen gehen einer Umfrage zufolge skeptisch ins neue Jahr. Doch es gibt eine Differenz zwischen Stimmung und tatsächlicher Lage.
26.12.2012 08:45
Die Euro-Schuldenkrise "mehr ist als nur ein kurzzeitiger Stimmungskiller" in Deutschland.

"Die deutsche Wirtschaft ist zum Jahreswechsel nicht gerade in Sektlaune", erklärte das arbeitgebernahe IW-Institut am Mittwoch zur Umfrage unter 46 Branchenverbänden. In der einen Hälfte davon ist die Stimmung der Mitgliedsfirmen schlechter als vor einem Jahr, in der anderen Hälfte immerhin unverändert.

Erstmals seit Beginn der Finanzkrise 2008/2009 habe es in keinem der Wirtschaftszweige eine bessere Stimmungslage zum Vorjahr gegeben. Dennoch rechnen 20 der 46 Lobbygruppen für 2013 mit einem leichten Plus bei Produktion, Umsatz und Geschäftsergebnis. Eine Stagnation erwarten 15 Verbände, ein Minus befürchten elf Verbände.

"Die beachtliche Differenz zwischen Stimmung und Lage macht deutlich, wie leicht die Politik durch unbedachtes Reden und Handeln Vertrauen verspielt und wie schwer es ist, dies zu korrigieren", sagte IW-Direktor Michael Hüther. Vor allem bei der Beschäftigung zeige sich, dass die Euro-Schuldenkrise "mehr ist als nur ein kurzzeitiger Stimmungskiller". Zwar geben 29 von 46 Wirtschaftsverbänden an, dass die Zahl der Mitarbeiter in den Betrieben 2013 wohl unverändert bleibe.

"Doch immerhin elf Verbände befürchten einen Personalabbau", erklärte das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Sechs Branchen erwarten Neueinstellungen - die Immobilien-, die Informationswirtschaft, das Messewesen, die Feinmechanik und Optik, der Luft- und Raumfahrtzeugbau sowie die Groß- und Außenhändler.

Schlechtere Geschäfte

Bei den Investitionen halten sich Optimisten und Pessimisten die Waage. Je neun Verbände erwarten steigende bzw. sinkende Firmenausgaben, die große Mehrheit von 28 geht von gleichbleibender Investitionsbereitschaft aus.

Die Chemie- und Pharmaindustrie rechnet laut Umfrage mit einem leichten Umsatz- bzw. Produktionsplus - wobei der Aufwärtstrend in der Chemie wahrscheinlich erst in der zweiten Jahreshälfte einsetzt. Der Maschinenbau muss demnach einen Gang zurückschalten, weil einige Absatzmärkte nicht mehr so kräftig wachsen. "Dennoch dürften die Impulse vor allem aus dem außereuropäischen Ausland immer noch stark genug sein, um die Produktion von Maschinen und Anlagen 2013 leicht steigen zu lassen." Der Branchenverband VDMA hatte jüngst ein Plus von zwei Prozent für das nächste Jahr veranschlagt.

Im Finanzsektor läuft es nicht so rund. "Banken, Sparkassen und Volksbanken erwarten wegen der krisengetrübten Konjunktur schlechtere Geschäfte." Die Mehrzahl der insgesamt sechs Finanzverbände gehe zudem von Personabbau aus.

(Reuters)