«Gewinnausweise fallen besser aus als 2012»

Die Givaudan-Aktie kündigt die Drittquartalszahlen mit einem Kurstaucher an. Im Video-Interview sagt Christian Gattiker, wieso solche Reaktionen der Anleger vor der Berichtsaison eher die Ausnahme als die Regel sind.
07.10.2013 12:28
Von Ivo Ruch
Christian Gattiker ist Chefstratege der Bank Julius Bär.
Bild: cash

Zumindest in einem Fall werfen die kommenden Quartalszahlen dunkle Schatten voraus: Die Aktie von Givaudan setzt am Montag den Krebsgang fort, der vor gut einer Woche losgetreten wurde. Seither hat der Titel 5,6 Prozent verloren, während der Gesamtmarkt knapp 2 Prozent eingebüsst hat. Auch in der Vier-Wochen-Bilanz setzt der Titel  mit einem Minus von 3 Prozent eine negative Duftmarke.

Grund für den jüngsten Kurstaucher ist laut Marktstimmen das tiefere Kursziel und die gesenkten Gewinnprognosen der Helvea-Analysten sowie die ungünstigen Wechselkurse in den Entwicklungsländern. Die Reaktion des Givaudan-Aktienkurses ist auch eine Folge der Gewinnmitnahmen. Am Donnerstag eröffnet der Duftstoffhersteller die Berichtssaison. Offenbar erwarten Anleger nicht allzu gute Zahlen. Ems-Chemie folgt mit ihren Zahlen am Freitag.

Positiver Ausblick auf Quartalszahlen

Die allgemeine Tendenz der kommenden Unternehmenszahlen sieht Christian Gattiker, Leiter Research der Bank Julius Bär, allerdings leicht positiv. "Es sollte ein passable Resultate geben, die sicher besser als die letztjährigen ausfallen werden. Wir erwarten 1 bis 2 Prozent mehr Umsatz, bei etwa 5 Prozent mehr Gewinn", sagt Gattiker im Video-Interview. Das dritte Quartal warte in der Regel mit Überraschungen und aussergewöhnlichen Effekten auf. Das sei beispielsweise auch auf den Einfluss der Sommerferien zurückzuführen.

Den Grund für den positiven Trend sieht Gattiker in der weltweiten Erholung der Wirtschaft: "Global ist das Wirtschaftstief überwunden." Negativ mache sich aber bemerkbar, dass sich die Schwellenländer bislang nicht aufrappeln konnten. Darunter leiden in erster Linie Unternehmen der Konsumgüter- oder Luxusgüterbranche, also beispielsweise Titel wie Nestlé oder Richemont.

«Grosse Trendwenden»

Skeptisch ist der Bär-Chefstratege auch gegenüber der Finanzbranche. Das anhaltende Tief der festverzinslichen Anlagen stelle die Banken zusehends vor Probleme: "Wie stark werden die Investmentbanken in Mitleidenschaft gezogen", fragt sich Gattiker.

Für das kommende Börsenjahr zeichnen sich laut Gattiker "grosse Trendwenden" ab, die allerdings noch eine Weile dauern. "Wir sehen einen Führungswechsel weg von den schwellenländergetriebenen Unternehmen hin zu den Finanzunternehmen, die erste gute Lebenszeichen zeigen." Als übergreifendes Thema sieht er die Renaissance von Pharma-, Biotech- und Gesundheitsunternehmen. Hier könne ein fünf bis zehn Jahre dauernder Trend einsetzen.