Gewinnbeteiligungen - Die unbekannten Dividendenstars im Schweizer Aktienmarkt

Nicht nur Grosskonzerne bieten ihren Aktionären hohe Dividendenrenditen. Auch weniger bekannte Firmen schütten die Gewinne grosszügig an Aktionäre aus. Ein kritischer Blick ist aber oft nötig.
26.10.2017 08:15
Von Marc Forster
Mobilezone-Laden im Seedamm-Center in Pfäffikon SZ.
Mobilezone-Laden im Seedamm-Center in Pfäffikon SZ.
Bild: iNg

Über 3 Prozent Dividendenrendite gelten als gut, wer auf über 4 oder gar 5 Prozent kommt, gilt als Dividendenkönig. Beim diesem Stichwort kommen den meisten Anlegern im Schweizer Aktienmarkt sofort Zurich, Swiss Re oder die Waadtländer Kantonalbank BCV in den Sinn. Berechnet wird die Dividendenrendite, indem man die Höhe der Dividende durch den Aktienkurs der jeweiligen Firma teilt und dann mit 100 multipliziert.

Diese drei Aktien gehören seit Jahren zum Dividenden-Hochadel: Ihre Renditen  – nach aktueller Berechung 5,7 Prozent bei Zurich, 5,3 Prozent bei der Swiss Re und 4,7 Prozent bei der BCV – sind für viele Investoren ein wesentlicher Grund für ein Engagement. Die Liste der Schweizer Unternehmen mit den höchsten Dividendenrenditen umfasst auch weniger bekannte Firmen. Eine plötzlich hohe Dividendenrendite kann aber auch bedeuten, dass der Aktienkurs in der letzten Zeit gesunken ist.

Auch aus diesem Grund finden sich in der oberen Hälfte der Schweizer Aktien mit hohen Dividendenrenditen jünst neue Namen. Von den fünf folgenden von cash ausgewählten Titeln weist in den vergangenen sechs Monaten nur DKSH einen gestiegenen Kurs auf. Trotzdem: Hinsehen lohnt sich, es ergeben sich unerwartete Gelegenheiten.

APG (Dividendenrendite: 6,1 Prozent)

Die "Allgemeine Plakatgesellschaft" beschränkt sich nach desaströsen Ausland-Abenteuern der vergangenen Jahre noch auf die Märkte Schweiz und Serbien. Geographisch gesehen kann APG nicht gross wachsen, deswegen konzentrieren sich die Wachstumsinitiativen strategisch auf Digitalwerbung. 30 Prozent der Aktien gehören dem grössten Werbeplakatkonzern der Welt, der französischen JCDecaux.

In der Schweiz läuft 70 Prozent der Plakatwerbung über APG, doch die Vormachtstellung ist durch neuere Konkurrenz bedroht, etwa durch Tamedia oder Admeira. Der über Jahre steigende Kurs (Fünf-Jahres-Performance: 120 Prozent) fällt seit April erstmals deutlich (-22 Prozent). Dies hat die Dividendenrendite etwas in die Höhe getrieben.

Fundamental kommt die Dividendenrendite aber vom stattlichen Free Cashflow, von dem wegen beschränkter Wachstumsmöglichkeiten ein ordentlicher Teil an die Aktionäre weitergereicht wird. So gesehen ist APG interessant. Tipp daher: Abwarten, wie sich APG der Konkurrenz gegenüber behauptet. Wenn das Unternehmen diesbezüglich überzeugt, ist der Titel für Dividendenanhänger keine schlechte Wahl. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV, für 2018) von 22 ist noch vertretbar.

DKSH (Dividendenrendite: 5,3 Prozent)

In seiner langen Geschichte war DKSH das wichtigste Asienhandelshaus der Schweiz, heute versteht sich der seit 2012 kotierte Konzern aber als "Marktbegleiter". DKSH vermarktet in zahlreichen Ländern in Asien von Schokoladen und Uhren über Medikamente bis zu Chemikalien und Präzisionsgeräten eine breite Palette von Produkten. DKSH berät auch Unternehmen, die in diesen Märkten Fuss fassen wollen.

DKSH verfügt in Asien über eine Expertise, die schwer einzuholen ist. Die laufend wachsende Mittelschicht im Fernen Osten fragt die Produkte nach, die über das Unternehmen nach Asien gelangen. Dennoch ist die Begeisterung über DKSH an der Börse verhalten: Den höchsten Stand hatte die Aktie ein Jahr nach der Kotierung im Frühling 2013 bei 89,50 Franken. Danach sank sie stark. Aktuell sind DKSH wieder 85 Franken wert, was seit Juli immerhin einem Anstieg um 13 Prozent entspricht. Dafür ist das KGV von 25 (2018) schon relativ hoch.

Die hohe Dividendenrendite geht auf eine Sonderdividende für 2016 zurück. Grundsätzlich kann der Konzern von seiner finanziellen Basis her auch für 2017 eine solche ausrichten, dies ist aber nicht sicher. Eine Steigerung der ordentlichen Dividende steht immerhin in Aussicht. Risiken aber bremsen DKSH im Moment: Aktuell sind dies mögliche politische Unruhen in Hauptmarkt Thailand nach dem Thronwechsel oder generell die Bedrohung Asiens durch den Nordkorea-Konflikt.

Walter Meier (Dividendenrendite: 5 Prozent)

Das Zürcher Unternehmen ist nur in der Schweiz aktiv und hat sich in letzter Zeit neu aufgestellt. Walter Meier ist heute ein Grosshändler, der Heizungen und Klimatechnologie für Häuser und Grossbauten anbietet, inklusive der Serviceleistungen. Verschiedene andere Geschäftsbereiche wurden 2014 und 2015 verkauft, dafür wurde die Firma Tobler Haustechnik zugekauft, was aber Integrationskosten mich sich brachte.

Der Kurs der Industriegruppe ist seit April um 16 Prozent gesunken. Die Geschäftszahlen, die das Unternehmen vorlegt, zeugen von einem derzeit schwierigen Geschäftsgang. Hoffnungen setzt Walter Meier auf den Markt für Gebäudesanierungen. Laut der Zürcher Kantonalbank, die Walter Meier auf dem Schirm hat und die Aktie mit "Marktgewichten" einstuft, entwickelt sich dieses Segment in nächster Zeit allerdings nicht sehr dynamisch.

Ein grosser Teil der Aktien wird im Umfeld der Gründerfamilie direkt oder indirekt kontrolliert. Der Free Float beträgt nur etwa 25 Prozent. Die Besitzer sind an einer ansehnlichen Dividende interessiert und das Unternehmen verspricht auch, die Dividendenpolitik beizubehalten. Interessant wird die Aktie aber erst, wenn die Profitabilität des Unternehmens besser wird. Das KGV von 21 (2018) ist für ein Unternehmen mit schwierigen Wachstumsaussichten schon relativ hoch.

Mobilezone (Dividendenrendite: 4,9 Prozent)

Mobilezone hat ein sehr breites Sortiment an Mobiltelefonen im Angebot und kann Kunden samt Verträgen, Festnetztelefonie, Digitalfernsehen und Internet alle Arten von Telekom-Nutzung anbieten. Ein schwieriger Schweizer Detailhandel macht es Mobilezone allerdings derzeit nicht einfach.

Der Aktienkurs büsste seit April 22 Prozent an Wert ein und der Preis der Aktie beträgt aktuell 12,20 Franken. Die Bank Vontobel, die Mobilzone analysiert, vergibt nur ein "Hold" und hat kürzlich das Kursziel von 16 auf 15 Franken gesenkt. Der Kursrückgang hatte zum Teil mit Befürchtungen zu tun, Mobilezone könnte die Dividende kürzen.

Der Grund dafür ist die Expansion nach Deutschland: Mobilezone musste sich dafür verschulden und weist deswegen im Moment ein negatives Eigenkapital aus. Aber weshalb sollten Anleger nicht zuversichtlich sein und darauf setzen, dass das Geschäft von Mobilezone wieder anzieht - und auch das Geschäft in Deutschland gut läuft, wofür es vor allem in Online-Handel für Mobiltelefone bereits Anzeichen gibt? Das Management hat jedenfalls signalisiert, dass die Ausschüttungspolitik intakt bleiben soll. Und mit einem KGV von 10 (2018) ist die Aktie sehr attraktiv bewertet.

Compagnie Financière Tradition (Dividendenrendite: 4,7 Prozent) 

Die Compagnie Financière Tradition (CFT) ist ein Broker mit Sitz in Lausanne und in einem sehr zyklischen Geschäft zuhause. Dies zeigt sich am Aktienkurs: Vor der Finanzkrise war der Titel 228 Franken wert, heute sind es noch 96,75 Franken. Die Volatilität zeigt sich auch, wenn man nur 12 Monate zurückblickt. Von Mitte Oktober 2016 bis Mitte Mai dieses Jahres stieg der Kurs um 35 Prozent, im Vergleich dazu liegt der Kurs heute wieder um knapp 9 Prozent tiefer. Der Vorteil insofern: Die Bewertung ist tief, für 2018 wird ein KGV von 11 vorausgesagt.

Im ersten Halbjahr 2017 erwies sich das Kerngeschäft zwar als stabil, aber dafür litt der Gewinn unter Währungseinflüssen. Das Kerngeschäft bei der CFT sind spezialisierte Finanzprodukte für institutionelle Kunden aus der Finanzindustrie, Unternehmen oder auch staatliche Stellen. Gehandelt wird unter anderem mit nicht-börsenkotierten Anlagen, Anleihen, Rohstoffanlagen oder Zinsderivaten, aber auch Aktien.

Wer in die CFT investieren will – es gibt namhafte Fonds, welche die Aktie langjährig halten – muss sich der Schwankungsanfälligkeit des Kurses bewusst sein. Die Dividende soll aber stabil bleiben. Noch letzten Monat war jedenfalls von Unternehmenschef Patrick Combes zu vernehmen, dass die Ausschüttungspolitik beibehalten werde.