Gewinnmitnahmen beenden Rekordjagd an US-Börsen

Nach der Rekordjagd der vergangenen Tage haben die US-Börsen am Donnerstag eine Pause eingelegt. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen. Dazu kamen mit Enttäuschung aufgenommene Quartalszahlen.
21.07.2016 22:35
Kurze Pause zum Nachdenken: Händler an der Wall Street am Donnerstag.
Kurze Pause zum Nachdenken: Händler an der Wall Street am Donnerstag.
Bild: Bloomberg

"Ein Rückgang wurde erwartet, wenn man sich ansieht, dass der Dow neun Tage in Folge zugelegt hat", sagte Art Hogan, Chefstratege bei Wunderlich Securities in New York. "Am grossen Bild hat sich nichts geändert."

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,4 Prozent schwächer bei 18'515 Punkten, nachdem er neun Tage in Folge Kursgewinne und Rekordwerte erreicht hatte. Der breiter gefasste S&P 500 gab 0,4 Prozent nach auf 2165 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq sank um 0,3 Prozent auf 5074 Stellen.

In Europa blieben die Anleger in Deckung. Auch EZB-Chef Mario Draghi schaffte es nicht, die Stimmung zu heben. Die Hüter des Euro tasteten ihre Geldpolitik nicht an. "Mario Draghi fühlt sich mit einem Wartemodus derzeit am wohlsten. Kommt es zu Störfeuern, wird der Notenbanker aber nicht lange zögern und weitere Massnahmen beschliessen", kommentierte Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank.

Intel-Aktie schmiert nach Quartalszahlen ab

In New York gehörten die Aktien des Chipherstellers Intel zu den grössten Verlieren. Sie gaben 4 Prozent nach. Der Umsatz des Konzerns legte zwar zuletzt etwas zu. Doch das bessere Geschäft mit Chips für Rechenzentren machte ausbleibende Erlöse mit PC noch nicht wett. Dazu kamen hohe Kosten für die Neuausrichtung, die den Weltmarktführer die Hälfte des Gewinns kosten.

Besser lief es beim Rivalen Qualcomm, der dank seines Lizenzgeschäfts den ersten Umsatzanstieg seit fünf Quartalen schaffte. Das stimmt Qualcomm für das laufende Vierteljahr optimistischer als am Markt erwartet wurde. Die Aktie legte 7,5 Prozent zu. Nach Börsenschluss legte der Chipkonzern AMD seine Zahlen vor. Die Aktien verloren im Vorfeld 3,5 Prozent.

Die Fluggesellschaft Southwest Airlines schraubte ihre Ziele für eine wichtige Kennzahl herunter, die Aktien fielen um 11,2 Prozent. Das Bahnunternehmen Union Pacific verdiente weniger, die Papiere sanken um 3,4 Prozent. Das drückte den Transportindex im Dow, der als wichtiger Indikator für den Zustand der Wirtschaft gilt.

Pharmawerte nach Fusionsverbot der Regierung gefragt

Die Titel des Krankenversicherers Anthem legten 2,6 Prozent, die Cigna-Papiere 5,4 Prozent, die Aetna-Anteilsscheine 1,6 Prozent und die Humana-Aktien 8,3 Prozent zu. Für Freude an der Börse sorgte hier die Entscheidung der US-Regierung, gegen beide geplanten milliardenschweren Fusionen der Firmen gerichtlich vorzugehen. Ein Zusammenschluss von Anthem und Cigna sowie von Aetna und Humana würde die Branche grundsätzlich verändern, sagte Justizministerin Loretta Lynch zur Begründung.

Die unerwartet guten Konjunkturdaten spielten dagegen kaum eine Rolle am Markt. In der abgelaufenen Woche haben so wenige Menschen einen Erstantrag auf Arbeitslosenhilfe gestellt wie seit einem Vierteljahr nicht mehr. Zugleich zog der Immobilienmarkt im Juni überraschend stark an.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 822 Millionen Aktien den Besitzer. 1253 Werte legten zu, 1724 gaben nach und 139 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,86 Milliarden Aktien 1057 Werte im Plus, 1770 im Minus und 172 unverändert.

Viele Investoren brachten angesichts des Dämpfers am Aktienmarkt ihr Geld in Sicherheit. Die zehnjährigen Papiere stiegen um 0-7/32 auf 100-20/32. Die Rendite betrug 1,56 Prozent. Beim 30-jährigen Bond betrug das Plus 0-6/32 bei einer Notierung von 104-18/32. Er rentierte mit 2,29 Prozent.

(Reuters)