Gewinnmitnahmen belasten Schweizer Börse

Der Schweizer Aktienmarkt legt zum Wochenschluss nach der zuletzt guten Kursentwicklung eine Verschnaufpause ein und büsst bis am Freitagmittag etwas an Terrain ein.
15.07.2016 13:00
Pause vor dem Wochenende: Die Schweizer Börse gibt bis Freitagmittag nach.
Pause vor dem Wochenende: Die Schweizer Börse gibt bis Freitagmittag nach.
Bild: cash

Vor allem bei Zyklikern seien nach dem Rally der Vortage Gewinnmitnahmen zu sehen, meint ein Händler. Die Stimmung am Markt sei am Tag des kleinen Optionsverfalls und nach dem Terroranschlag in der südfranzösischen Stadt Nizza von Nervosität geprägt. Terrorsorgen, aber vor allem eine Gewinnwarnung lassen derweil den Kurs der Swatch-Aktien einbrechen.

Mit Ausnahme von Swatch seien die Unternehmenszahlen in der erst vor kurzem angelaufenen Bilanzsaison bislang gut ausgefallen, was dem Markt eine gewisse Stütze biete. Und auch das BIP-Wachstum in China lag im zweiten Quartal mit 6,7% leicht über den Erwartungen. Da das Ergebnis allerdings nicht zuletzt durch eine deutliche Ausweitung der Kredite erreicht worden sei, halte sich die Zufriedenheit der Ökonomen in Grenzen, so ein Händler. Europäische Wirtschaftsdaten bewegten die Märkte kaum und auch von den am Nachmittag anstehenden US-Zahlen seien keine Überraschungen zu erwarten.

Bis Mittag verliert der SMI 0,4% auf 8139 Punkte. Damit schmilzt das Wochenplus auf aktuell noch 1,3%. Der 30 Titel umfassende SLI, in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, büsst derzeit 0,7% auf 1202 Zähler ein und der breite SPI 0,5% auf 8804 Punkte. Von den 30 Bluechips notieren nun bereits 27 im Minus und 3 im Plus bzw. unverändert.

Swatch Group tauchen nach Gewinnwarnung

Bei den Bluechips hat die Swatch Group mit der Gewinnwarnung für einen Paukenschlag gesorgt und büsst nach zunächst noch deutlicheren Abgaben nun 11% ein. Der Uhrenkonzern rechnet im Halbjahr, zu dem die definitiven Zahlen am kommenden Donnerstag vorgelegt werden, mit einem Umsatzrückgang von 12% sowie einem Gewinneinbruch von 50 bis 60%. Auch die Analystengemeinde hatte mit deutlichen Rückgängen gerechnet, allerdings nicht in diesem Ausmass. Insbesondere die Margenentwicklung sei ein "Desaster", so die Bank Vontobel.

Im Sog von Swatch verlieren Richemont 4,8%. Dabei dürfte der Anschlag in Nizza das sowieso bereits belastete Marktumfeld für Uhren- und Schmuckverkäufer zusätzlich verschlechtern. Für die Branche sind asiatische Touristen ein wichtiges Kundensegment, doch sind die Touristenströme aus Asien nach Europa bereits mit den Terroranschlägen in Paris und Brüssel stark zurückgegangen. Nun droht ein weiterer Rückschlag.

Zu den weiteren, grössten Verlierern im SMI/SLI zählen die ebenfalls in der Reisebranche tätige Dufry, deren Aktien sich um 2,3% verbilligen. Weiter geben Adecco um 1,0% und ABB um 0,7% nach. Die Titel des Technologiekonzerns wurden von Kepler Cheuvreux auf "Hold" von "Buy" abgestuft.

Rückschlag für Bankaktien

Bei den Banken halten sich UBS auf Vortagesniveau, während Credit Suisse (-0,7%) ins Minus abgeglitten sind. Zu Handelsbeginn und vor allem am Vortag hatte der Sektor noch von überraschend guten Zahlen der US-Grossbank J.P. Morgan profitiert. Am frühen Nachmittag werden auch Citigroup und Wells Fargo Quartalszahlen vorlegen. Bei den Schwergewichten gewinnen Roche 0,4%, wogegen Novartis (-0,1%) und Nestlé (-0,5%) nachgeben.

SGS verlieren 0,2%. Im Vorfeld der Halbjahreszahlen vom kommenden Montag haben die Analysten von Barclays, UBS und der Deutschen Bank ihre Kurszielschätzungen jeweils klar angehoben.

Im breiten Markt hat sich der Spezialchemiekonzern Ems (Aktie: +0,9%) von der starken Seite gezeigt. Die Gruppe ist im Halbjahr profitabel gewachsen und hat die Erwartungen der Finanzanalysten vor allem mit den operativen Ergebnissen übertroffen. Gleichzeitig wurden die Guidance und der Dividendenvorschlag erhöht.

Santhera erholen sich langsam wieder

Santhera klettern mit einer Kurszielerhöhung und nach dem Einbruch vom Vortag um rund 37% um 6,5% in die Höhe. Am Donnerstag hatte das Pharmaunternehmen Rückschlag bei einem Zulassungsantrag für sein Medikament Raxone in den USA vermeldet.

Schaffner (-0,8%) verlieren nach dem überraschenden Abgang von CEO Alexander Hagemann an Wert, während EFG gar um 2,9% sinken. Citigroup nimmt die Titel auf "Neutral" zurück. Es bestehe zu viel Unsicherheit bezüglich den Verwalteten Vermögen oder der Ertragskraft, heisst es in der Begründung.

(AWP)