Gewinnmitnahmen belasten Schweizer Börse

Die Schweizer Börse hat am Dienstag auf breiter Front Terrain eingebüsst.
16.08.2016 17:30
Lavabos von Geberit warten auf die Auslieferung: Am Dienstag fanden bereits die Aktien des Unternehmens reissenden Absatz.
Lavabos von Geberit warten auf die Auslieferung: Am Dienstag fanden bereits die Aktien des Unternehmens reissenden Absatz.
Bild: zvg/Geberit

Nachdem der Markt am Montag den höchsten Stand seit Anfang Februar erreicht hatte, strichen die Anleger Gewinne ein, sagten Händler. Der SMI notierte mit 8215 Punkten um 1,1 Prozent tiefer. Am Vortag war der Leitindex kurzzeitig bis auf 8317,94 Zähler gestiegen.

Als Auslöser für die Verkäufe nannten Händler den deutschen ZEW Index, der weniger stark als erwartet gestiegen war, sowie den schwachen Dollar. Nach höheren Inflations- und Produktionszahlen sowie Äusserungen von William Dudley, dem Chef der New Yorker Fed holte der Dollar einen Teil der jüngsten Verluste aber auf. "Ich glaube, dass es möglich ist. Wir nähern uns dem Zeitpunkt, zu dem es aus meiner Sicht angemessen ist, die Zinsen anzuheben", sagte Dudley dem Fernsehsender Fox Business Network. Aufschluss über die Entwicklung der Zinsen erhoffen sich die Marktteilnehmer von der Veröffentlichung der Fed-Protokolle der Juli-Sitzung am Mittwochabend.

Das Geschäft verlief laut Händlern in eher ruhigen Bahnen. "Die Musik spielt in den Werten, zu denen es auch etwas zu sagen gibt", sagte ein Händler. Diese Papiere wiesen auch überdurchschnittliche Umsätze auf.

Geberit als Überflieger

Bis auf die Aktien von Geberit, die nach einem unerwartet starken Halbjahresbericht um fünf Prozent stiegen, notierten sämtliche Standardwerte schwächer. Die Sanitärtechnikfirma übertraf die Ergebniserwartungen. Der Aktienkurs schoss 4,6 Prozent hoch und erreichte bei 420,20 Franken einen neuen Rekordwert. Die gute Baukonjunktur in Teilen Europas liess bei Geberit im ersten Halbjahr die Kassen klingeln. Ob die Aktionäre davon profitieren, ist noch ungewiss. Ein Aktienrückkauf sei nicht geplant, hiess es. Die Ausschüttungsquote wurde aber bestätigt.

Vor allem Kursabschläge der schwergewichtigen Pharmatitel Novartis und Roche sowie des Lebensmittelwerts Nestle lasteten auf dem Markt. Diese drei Titel, die zwischen 1,1 und 1,5 Prozent verloren, machen gut 60 Prozent der Marktkapitalisierung des SMI aus und waren zu rund zwei Drittel für den Kursrückgang verantwortlich.

An der Spitze der Verlierer waren Finanzwerte zu finden. Die Versicherer Zurich und Swiss Re verloren 1,7 und 1,4 Prozent. Die Grossbank UBS büsste 1,3 Prozent ein und Julius Bär waren 1,1 Prozent tiefer. Zykliker wie ABB, Givaudan, Sulzer und Clariant schwächten sich um ein Prozent ab. Der Zementkonzern LafargeHolcim war mit einem Minus von 0,4 Prozent etwas besser gehalten. Die Luxusgüterhersteller Swatch und Richemont gaben 0,3 und 0,2 Prozent nach.

Ein enttäuschendes Ergebnis schickte die Anteile von Schindler auf Talfahrt. Der Kurs brach um 4,4 Prozent ein. Der Lift- und Rolltreppen-Hersteller verfehlte die Analystenerwartungen und ist angesichts einer sinkenden Nachfrage in China und Lateinamerika vorsichtiger bei seiner Wachstumsprognose. Schindler stellte für das laufende Jahr währungsbereinigt ein Umsatzplus von drei bis fünf Prozent in Aussicht. Bislang ging das Unternehmen von drei bis sieben Prozent Anstieg aus. "Die Aktien sind stark gestiegen und das Ergebnis entspricht nicht den Erwartungen, also kommt es zu Gewinnmitnahmen", sagte ein Händler.

Mit steigenden Kursen quittiert wurden die Ergebnisse, die der Belag- und Klebstoffhersteller Forbo und der Laborausrüster Tecan vorlegten. Die Aktien von Forbo gewannen 1,1 Prozent und Tecan zogen 7 Prozent an. Beide erreichten kurzzeitig neue Höchstkurse. Auch die Titel der Medizintechnikfirma Coltene, der Schliesstechnikfirma Dorma Kaba und des Kabelmaschinenherstellers Komax erreichten Kursrekorde.

Dagegen rauschten die Aktien der VZ Holding um 12 Prozent in die Tiefe. Der Vermögensberater verbuchte im ersten Halbjahr einen unter den Analystenschätzungen ausgefallenen Gewinn.

(Reuters)