Gewinnt der SMI bald wieder an Fahrt?

Bislang war das Börsen-Jahr alles andere als ein Kurs-Feuerwerk. cash hat sich bei Aktienexperten umgehört, ob sich das bis Ende Jahr noch ändern könnte und was von den Drittquartalszahlen am SMI zu erwarten ist.
07.10.2015 01:02
Von Pascal Züger
Der SMI kommt dieses Jahr noch nicht so auf Hochtouren

In dieser Woche zeigt sich der Schweizer Aktienmarkt positiv. Am Montag legte der SMI um satte 2,7 Prozent zu und auch am Dienstag kam es zu einem Anstieg, wenn auch auf deutlich tieferen Niveau (+0,2 Prozent). Diese jüngste Entwicklung darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Schweizer Aktienjahr bisher doch sehr turbulent war:

Bisherige Jahresperformance 2015 des SMI, Quelle: cash.ch

Mitte Januar kam es mit 7852 Punkten zum Jahrestief am SMI, Anfang August zum Jahreshoch bei 9538 Punkten. Aktuelle notiert der SMI um die 8700 Punkte, also mehr oder weniger in der Mitte der beiden Extreme. Enttäuschend ist die bisherige SMI-Jahresperformance von minus 3 Prozent.

Gewinnt nun der Bullenmarkt an Fahrt oder geht es turbulent weiter? cash wollte es genau wissen, und hat dazu sieben Börsenprofis befragt:

Alex Hinder, unabhängiger Vermögensverwalter, Hinder Asset Management:

"Die Berichtssaison wird wohl im Rahmen der Erwartungen ausfallen. Allerdings sind diese in den letzten Wochen markant nach unten korrigiert worden. Gegenüber dem Vorquartal erwarten die Analysten ein Gewinnwachstum von ca. 1,5% und ein Umsatzwachstum von ca. 2,8%. Diese Erwartungen sind realistisch, zumal sich der Franken abgewertet hat. Risikofaktoren gibt es eine ganze Reihe. Die globale Wirtschaftsentwicklung verliert ganz deutlich an Dynamik und China steht im Moment im Fokus. Aktien sind anspruchsvoll bewertet und die aktuelle Korrektur ist noch zu wenig ausgeprägt, als dass man von einer Einstiegsgelegenheit sprechen könnte. Positiv beeinflussen könnten den SMI eine weitere Abwertung des Frankens sowie neue geldpolitische Stimuli der Zentralbanken im Ausland. Den SMI sehe ich zum Jahresende in etwa auf dem aktuellen Niveau."

Arno Endres, Leiter Finanzanalyse, Luzerner Kantonalbank: 

"In jüngster Zeit kam der SMI stark unter Druck, da er die durch die Chinakrise ausgelösten Konjunkturängsten zu spüren bekam. Im dritten Quartal rechnen wir bei den zyklischen Sektoren mit verhaltenen bis rückläufigen Gewinnen. Banktitel und der Gesundheitsbereich sind für eine positive Überraschung gut. Eine ausgeprägte Zinswende könnte zu Abschlägen bei Dividentiteln führen. Falls sich die Konjunkturentwicklung in Europa verbessert und sich dadurch der Schweizer Franken stärker abschwächt als bisher erwartet, könnten exportlastige Aktien Auftrieb erhalten. Bleibt das Konjunkturwachstum weiterhin moderat, ist bis Jahresende ein SMI-Anstieg auf 9000 Punkte möglich."

Daniel Egger, Anlagechef, Maerki Baumann & Co.:

"Die Korrektur von mehr als 10 Prozent ist eingetreten. Wir sehen in solchen Schwächephasen eine Gelegenheit, Positionen schrittweise zu erhöhen. In anderen Worten: Eine Jahresendrallye erachten wir als wahrscheinlichDie Analystenerwartungen für Schweizer Titel sind aufgrund der Aufhebung des Euro-Mindestkurses signifikant gesunken. Deshalb würde es uns nicht verwundern, wenn die Gewinne über den Erwartungen hereinkämen. Ein Fragezeichen bleibt für uns ABB, während wir bei den Luxusgüterproduzenten Positives erwarten. Die Schweiz kann sich internationalen Bewegungen nicht entziehen, d.h. sollte sich die aktuell immer noch angespannte Situation an den Märkten verbessern, werden auch die Schweizer Titel profitieren. Zudem könnte die amerikanische Berichtssaison positive Impulse geben. Belastend wäre ein erneutes Erstarken des Schweizerfrankens, beispielsweise aufgrund neuer Komplikationen in der Eurozone. Zum Jahresende sehen wir den SMI bei 9400 Punkten."

Eric Steinhauser, Anlagechef, Rahn & Bodmer:

"Roche hat dank klinischen Testdaten positives Überraschungspotenzial. Der China-Einfluss und ein schwacher Agro-Bereich aus Brasilien beeinflussen möglicherweise Clariant und Syngenta negativ. Die Euro-Schwäche macht Exporteuren wie Geberit oder Bucher nach wie vor zu schaffen. Die Flaute im Öl-, Gas- und Strombereich dürften Sulzer, ABB und Burckhardt Compression die Q3-Zahlen etwas versalzen. Und das schleppende Asien-Geschäft ist für eine SGS, Schindler oder DKSH eine Herausforderung. Positiv überraschen könnten aber Adecco, Georg Fischer oder Swatch. Auftrieb für den SMI kann sicherlich eine mögliche Endjahresrallye sein, welches nach dem deutlichen Rücksetzer durchaus an Wahrscheinlichkeit zugenommen hat. Eine Punktprognose zu machen, ist im aktuellen Umfeld sehr schwierig. Wir rechnen aber mit höheren Kursen im SMI als dies zurzeit der Fall ist. Ein Anstieg bis auf 9000 Punkte liegt im Bereich des Möglichen."

Gabriel Bartholdi, Aktienstratege, Wellershoff & Partners:

"Wir erwarten für das 3. Quartal Resultate, welche die Erwartungen erfüllen werden. Vor allem die Uhrenindustrie dürfte weiterhin den Gegenwind spüren. Positiv könnten Geschäfte aus dem Euroraum überraschen, wodurch vor allem Industrieunternehmen profitieren könnten. Auch Banken dürften den Aufwärtstrend bestätigen und ihre Ergebnisse weiter steigern. Für Schweizer Aktien spricht nach wie vor das Tiefzinsumfeld, wodurch Aktien gegenüber den meisten anderen Anlageklassen attraktiv erscheinen. Der Schweizer Aktienmarkt weist zudem überdurchschnittlich viele Unternehmen mit einer hohen Dividendenrendite auf. Viele Unternehmen zeigen zudem nach wie vor eine robuste Gewinnentwicklung, was den Aktien zusätzlich Rückenwind verleihen sollte. Eine schwache Konjunktur in den USA und Unsicherheiten rund um China könnten jedoch die Stimmung unter den Anlegern negativ belasten, wodurch sich Schweizer Aktien im 4. Quartal nicht wie erwartet erholen würden."

Peter Bänziger, Anlagechef, Belvalor Vermögensbetreuung:

"Die Unternehmensergebnisse nach 9 Monaten werden dem Markt wahrscheinlich eine Stütze geben. Die SMI-Titel dürften sich - mit Ausnahme des Krisentitels Transocean - recht homogen in die jeweils gleiche Richtung bewegen und insgesamt sehr nachrichtensensitiv und damit volatil bleiben. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Schweizer Aktienmarkt einen Abwärtstrend eingeschlagen hat,  ist deutlich gestiegen. Diesen Trend abwenden können vier Faktoren: Erstens, wenn die Zinsen noch länger als erwartet tief bleiben, zweitens der schwächere Schweizer Franken, drittens die insgesamt robuste Weltwirtschaft und viertens die nach der jüngsten Korrektur wieder faire Bewertung. Diese Szenarien abwägend halte ich eine Erholung bis etwas über 9'000 Punkte für den SMI gegen das Ende dieses Jahres für wahrscheinlich. Ich empfehle, ein gut diversifiziertes Portfolio mit überlegenen Langzeitperformern (Roche, Novartis, Nestlé) dividendenstarken Werten (Versicherungen, Cembra Money Bank, SGS, Kühne & Nagel) und einigen Small Caps (Tecan, Temenos, APG) zu halten."

Roland Kläger, Senior Economist, Raiffeisen Schweiz:

"Die Berichtsaison dürfte das Bild der Halbjahreszahlen bestätigen. Global ausgerichtete Unternehmen spüren Gegenwind vom starken Franken. Dazu kommt die weitere Konjunkturverlangsamung in den Schwellenländern. Dagegen könnten die Banken von der erhöhten Handelsaktivität in nervösen Märkten profitiert haben. Seit Juni empfehlen wir bereits eine untergewichtete Aktienquote und daran halten wir bis auf weiteres fest. Denn die Sorgen um Chinas Wachstumsmodell bleiben im Fokus. Und die US-Notenbank hat mit ihrer Zurückhaltung die Märkte nicht wie beabsichtigt beruhigt, sondern zusätzlich verunsichert. China und die US-Fed dürften tonangebend bleiben, womit wir nicht mit einer nachhaltigen Aufhellung der Marktstimmung rechnen. Den SMI erwarten wir Ende Jahr bei rund 8'300 Punkten."