Gewinnt Hedgefonds den Gategroup-Streit?

In der Auseinandersetzung mit Gategroup rechnet der Grossaktionär RBR Capital Advisors mit einem ersten Erfolg.
19.03.2016 11:26
Gategroup ist an der Börse rund eine Milliarden Franken wert.
Gategroup ist an der Börse rund eine Milliarden Franken wert.
Bild: www.gategroupmember.com

"So wie es aussieht, ist der Verwaltungsrat in sich gegangen und wird Gerard van Kesteren doch wieder zur Wahl vorschlagen", sagte RBR-Gründer Rudolf Bohli am Freitag zur Nachrichtenagentur Reuters. "Was wir so hören, sollte das am Montag publiziert werden." Der Verbleib des früheren Finanzchefs des Logistikkonzerns Kühne+Nagel in dem Gremium, gegen den sich der Rivale der Lufthansa-Tochter LSG Sky Chef bislang sträubt, ist eine Forderung von RBR und ihrem Partner Cologny Advisors. Eine Gategroup-Sprecherin wollte keine Stellung nehmen.

Die beiden Hedgefonds, die zusammen 11,3 Prozent der Anteile kontrollieren, werfen Gategroup-Präsident Andreas Schmid schlechte Ergebnisse und eine unzureichende Beaufsichtigung der Geschäftsleitung vor. Bei der Generalversammlung der Gategroup am 14. April wollen sie Schmid und zwei weitere Verwaltungsratsmitglieder nicht wiederwählen und haben den Verwaltungsrat aufgefordert, einen neuen Kandidaten für das Präsidium vorzuschlagen. Zudem peilt Bohli selbst einen Sitz in dem Gremium an und schlägt als weiteren Kandidaten Nils Engel vor.

Die Chance, dass van Kesteren im Verwaltungsrat bleibt, schätzt Bohli gut ein. "Es ist nicht nur Druck von unserer Seite, ich glaube, das kommt breit abgestützt von der Aktionärsbasis", sagte er. "Gerard van Kesteren ist ja bekannt dafür, dass er sehr hartnäckig auf der Kostenseite ist, dass er für gute Corporate Governance steht und dass er alles sehr direkt anspricht."

Schmid hält er nicht mehr für tragbar. "Wir glauben, nach acht Jahren ist es Zeit für einen Wechsel im Verwaltungsratspräsidium." Bohli zufolge erwägt Schmid, seinen Posten bei der Generalversammlung 2017 zu räumen. "Ich fände es schon schön, wenn Andreas Schmid jetzt schon abtritt." Bohli, der diese Woche in London und Zürich auf Roadshows war, sagte, dass er mit den meisten grossen Gategroup-Aktionären Kontakt hat. "Ich glaube, dass wir sehr starke Argumente haben, vor allem auf der Corporate-Governance-Seite", erklärte er. "Wir sind sehr optimistisch."

RBR und Cologny führen auch möglich Interessenskonflikte bei Schmid ins Feld. Der Manager ist unter anderem auch Verwaltungsratschef bei der Betreibergesellschaft des Flughafens Zürich und beim Zigarren-Hersteller Oettinger Davidoff sowie Verwaltungsrat in verschiedenen anderen Unternehmen.

Wenig ambitionierte Finanzziele

Gategroup schenkt Bohli zufolge Effizienz nicht genug Beachtung. Er hält mehr für möglich als die vom Unternehmen jährlich angepeilte Verbesserung der Betriebsgewinnmarge (Ebitda) um 0,25 bis 0,5 Prozentpunkte. "Wir glauben, dass acht bis zehn Prozent Ebitda-Marge bis 2018 ein realistisches Ziel ist." Im vergangenen Jahr war die Kennzahl mit 4,8 Prozent um 0,8 Prozentpunkte niedriger als 2014. "Es besteht das Risiko, dass das Management den falschen Fokus setzt. Dass nicht Kostenkontrolle, sondern Wachstum durch Akquisitionen im Vordergrund steht." Das heisse nicht, dass die Firma bei der Branchenkonsolidierung, die in Asien stattfinden werde, abseits stehen soll, sagte Bohli. "Wir sehen Opportunitäten für die Gategroup, aber zuerst müssen die Hausaufgaben gemacht werden."

Ein Ausstieg aus dem Unternehmen sei kein Thema. "Wir sind engagiert, wir sind langfristig orientiert", sagte Bohli. Der Markt habe das Potenzial von Gategroup noch nicht erkannt, zeigte er sich überzeugt. "Gategroup ist in einer starken Ausgangslage. Es ist ein attraktiver Markt und die Eintrittsbarrieren sind sehr hoch."

Gategroup, die sich mit LSG Sky Chef den Spitzenplatz in der Branche teilt, ging 2001 aus der zusammengebrochenen Schweizer Fluggesellschaft Swissair hervor. Kleinere Anbieter sind etwa STAS aus Singapur oder die österreichische Do&Co. Die Gategroup-Aktie ist seit 2009 an der Schweizer Börse notiert. Grosse Aktienpakete halten auch der Vermögensverwalter BlackRock und der Hedgefonds Wellington Management. An der Börse ist Gategroup eine Milliarde Franken (0,9 Milliarden Euro) wert.

(Reuters)