Gewinnwarnung - Panalpina bleibt eine «Baustelle» - Aktie fällt

Nach schwachen ersten drei Monaten stellte Panalpina für das zweite Quartal eine Margenbelebung in Aussicht. Nun krebst das Luftfrachtunternehmen zurück. Folglich gerät die zuletzt gefragte Aktie unter Druck.
13.06.2017 11:19
Von Lorenz Burkhalter
Panalpina wartet überraschend mit einer weiteren Gewinnwarnung auf.
Panalpina wartet überraschend mit einer weiteren Gewinnwarnung auf.
Bild: ZVG

Ende April legte Panalpina zwar durchwachsene Quartalszahlen vor. Gleichzeitig stellte der Luftfrachtspezialist aus Basel für das zweite Quartal jedoch Margenverbesserungen in Sicht. An der Börse wurden diese Neuigkeiten damals mit einer Tagesavance von über 6 Prozent gefeiert.

Doch nach Feiern dürfte den Aktionären nach der überraschenden Gewinnwarnung vom Montagabend nicht mehr zumute sein. Die anhaltende Erosion der Margen lässt das Unternehmen für das erste Halbjahr neuerdings einen Gewinnrückgang erwarten.

Konkrete Zahlen werden keine geliefert, was den Analysten die Sache nicht gerade einfacher macht. Schon heute ist aber klar, dass sie einmal mehr gezwungen sind, ihre Gewinnschätzungen mit dem Rotstift zu überarbeiten.

An der Schweizer Börse SIX wird die Panalpina-Aktie zur Stunde denn auch mit einem Minus von 3,1 Prozent auf 130,30 Franken abgestraft. Die vorläufigen Tagestiefstkurse liegen gar bei 129,60 Franken.

Wie einem Kommentar der Zürcher Kantonalbank zu entnehmen ist, macht sich trotz guter Marktdynamik Margendruck noch immer bemerkbar. Nachdem Panalpina schon im ersten Quartal einen Gewinnrückgang verbucht habe, werde man auch im ersten Halbjahr gewinnmässig keine grossen Stricke zerreissen, so schreibt der Autor weiter. Der Experte hält an seinem "Untergewichten" lautenden Anlageurteil für die Aktie fest und will seine Gewinnschätzungen reduzieren.

Ambitioniert hohe Konsensschätzungen

Der für die amerikanische Investmentbank Jefferies tätige Analyst zeigt sich überrascht vom Zeitpunkt der Gewinnwarnung. Erst vor wenigen Wochen hätten die Firmenvertreter noch mit einer Normalisierung der zuvor gedrückten Bruttomarge gerechnet.

Seinen Berechnungen zufolge lässt sich von den aktuellen Konsenserwartungen auf das Gesamtjahr betrachtet auf eine Erhöhung beim operativen Gewinn (EBIT) um 16 Prozent auf 127 Millionen Franken schliessen. Um diese Erwartungen erfüllen zu können, müsse das Unternehmen den operativen Gewinn in der zweiten Jahreshälfte nun aber um mindestens 34 Prozent steigern, so der Experte.

Er hält die diesjährigen Konsenserwartungen deshalb für zu optimistisch und erwartet prozentual zweistellige Schätzungsreduktionen. Die Panalpina-Aktie wird bei Jefferies weiterhin mit "Underperform" und einem Kursziel von gerademal 100 Franken zum Verkauf empfohlen.

Wann reicht es den beiden Grossaktionären?

Eher entspannt gibt sich sein Berufskollege von Kepler Cheuvreux. Von den Aussagen zur starken Volumenentwicklung in der Luft- und Seefracht zieht er sogar positive Rückschlüsse auf das Tagesgeschäft des Basler Transportunternehmens. Trotz Anhaltspunkten für anhaltenden Margendruck hält der Analyst an seinen diesjährigen Gewinnschätzungen fest. Auf Stufe EBIT rechnet er im laufenden Jahr sogar mit einer Verbesserung auf 140 Millionen Franken. Der Experte stuft die Aktie wie bis anhin mit "Buy" und einem Kursziel von 147 Franken ein.

Eine weitere entscheidende Frage ist auch, wie lange die beiden Grossaktionäre Cevian Capital und Artisan Partners dem nicht enden wollenden Turnaround noch tatenlos zuschauen werden. Gemeinsam sind die beiden für ihre aktive Einflussnahme bei Unternehmen bekannten Finanzinvestoren mit etwas mehr als 22 Prozent an Panalpina beteiligt. Schon seit Jahren warten die beiden Grossaktionäre auf eine grundlegende Belebung der Gewinnentwicklung.