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«Gewisse Werte haben zu stark gelitten»

Laut Roland Kläger gibt es einige zyklische SMI-Titel, die zu stark abgestraft wurden und deshalb Einstiegschancen bieten. Und der Raiffeisen-Ökonom wirft im cash-Börsen-Talk einen Blick auf das Börsenjahr 2015.
21.11.2014 01:05
Von Ivo Ruch
Roland Kläger: «SMI geht allmählich die Luft aus».
Bild: cash

Seit Tagen turnt der Swiss Market Index (SMI) um die Marke von 9000 Punkten, konnte diese aber nicht nachhaltig überspringen. Nach der Meinung von Roland Kläger wird das auch in den kommenden Wochen so bleiben. "Ich kann mir vorstellen, dass der SMI die Marke gelegentlich testen und darüber hinausschiessen wird. Aber nicht nachhaltig", sagt der Raiffeisen-Ökonom im cash-Börsen-Talk.

Denn für Kläger beherrschen derzeit noch zu viele Risikofaktoren den Markt. Er denkt dabei an die wirtschaftliche Schwäche der Eurozone oder die Zinserhöhung der amerikanischen Notenbank, die in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres erwartet wird.

Es ist Zeit für ein normales Jahr

Dementsprechend erwartet Kläger keine Jahresendrally am Schweizer Aktienmarkt, sondern prognostiziert den Leitindex per Ende Jahr höchstens bei 9000 Punkten. "Die Luft geht langsam etwas aus. Nicht nur im SMI, sondern auch an anderen europäischen Indizes."

Doch auch wenn der SMI in den kommenden Wochen an Ort und Stelle treten sollte, wird 2014 zu einem überraschend guten Börsenjahr – mit einem aktuellen Plus von rund 10 Prozent. Die Dividenden mit einbezogen, steigt die Rendite gar auf 13 Prozent.

Das dürfte sich im nächsten Jahr kaum wiederholen. Neben den erwähnten globalen Risikofaktoren sieht Kläger auch die Bewertungen langsam aber sicher auf ambitiöse Niveaus steigen. Insbesondere, wenn die bereits hoch bewerteten Unternehmen keine Gewinne nach nachliefern können. "Wir müssen uns darauf einstellen, dass es auch wieder ein normalisiertes Jahr ohne zweistellige Wachstumsrate geben kann. Nächstes Jahr könnte das eintreffen." Dabei seien durchaus heftige Schwankungen möglich, wie sie Mitte Oktober auftraten, so Kläger.

Und wer profitiert?

Doch welche Titel können von einem solchen Szenario profitieren? "Gewisse zyklische Werte haben zu stark gelitten. Gerade im Konsumgüterbereich aber auch in der Industrie", sagt Kläger, ohne dabei spezifische Namen zu nennen. Deutlich gelitten im laufenden Jahr haben zum Beispiel ABB, Adecco, Richemont oder Swatch.

Anders die überaus erfolgreichen defensiven Aktien. Sie gehören aufgrund ihrer sportlichen Performance mittlerweile zu den hoch bewerteten Teilnehmern im Schweizer Markt. Novartis, Roche und Nestlé weisen alle ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (2015) von 18 oder 19 auf. Kläger bevorzugt die Gesundheitsaktien im nächsten Jahr: "Bei Pharma sehen wir weiterhin strukturelles Wachstum, während bei den Nahrungsmitteln das zugrunde liegende Wachstum nicht mehr weit reicht."