Gibt ABB ein Gegenangebot für KUKA ab?

Schon seit Wochen wird auf eine Gegenofferte von ABB für den deutschen Roboterhersteller KUKA spekuliert. Mit einem solch gewagten Vorstoss liesse sich jedoch kaum etwas gewinnen.
15.06.2016 08:33
Von Lorenz Burkhalter
Mit einer Übernahme von KUKA könnte ABB die führende Stellung in der Robotik manifestieren.
Mit einer Übernahme von KUKA könnte ABB die führende Stellung in der Robotik manifestieren.
Bild: Bloomberg

Es vergeht kaum eine Woche, ohne dass bei einer europäischen Publikumsgesellschaft eine Übernahmeofferte aus China eingeht. Jüngstes Ziel der kaufwütigen Chinesen: Der deutsche Industrieroboter-Hersteller KUKA.

Midea, ein führender Haushaltsgerätehersteller, bietet den Aktionären 115 Euro je Aktie. Gegenüber dem Schlusskurs am Tag vor Bekanntwerden des Übernahmeangebots entspricht das einem satten Aufschlag von 35 Prozent. Dem Angebot werden gute Erfolgsaussichten nachgesagt. Nicht zuletzt auch deshalb, weil Midea schon heute mit 13,5 Prozent an KUKA beteiligt ist.

Doch der deutschen Regierung in Berlin ist der drohende Verlust dieses strategisch wichtigen Mittelstandsunternehmens offensichtlich ein Dorn im Auge. Erstmals meldeten sich führende Politiker zu Wort und riefen heimische Grosskonzerne zu einer Gegenofferte auf (siehe Kolumne des cash Insiders vom 3. Juni).

Während Siemens der Regierung in Berlin eine klare Absage erteilte, lässt man sich bei ABB bis heute nicht in die Karten blicken. Gelegenheit hätte Konzernchef Ulrich Spiesshofer mehr als genug gehabt, äusserte er sich doch erst kürzlich in einem Interview zu den Wachstumsaussichten in der Robotik.

Widerstand im Aktionariat von KUKA

Dennoch wird sein Arbeitgeber ABB an der Börse als heisser Kandidat für ein Gegenangebot gehandelt. Der Aktie des schweizerisch-schwedischen Industriekonzerns haben diese Spekulationen spürbar zugesetzt. In den letzten fünf Handelstagen hat sie gut 7 Prozent eingebüsst, was sich nicht alleine mit dem schwächeren Gesamtmarkt erklären lässt.

Nun giesst auch noch das renommierte "The Wall Street Journal" Öl ins Feuer. In einem Artikel berichtet das Blatt von Kritik an den Firmenvertretern von KUKA aus dem Aktionariat. Diese hätten sich viel zu schnell auf das von Midea unterbreitete Angebot eingelassen, so heisst es.

Schwieriges Unterfangen, Aktionärswerte zu schaffen

Wie sich dem Artikel entnehmen lässt, ist ABB nicht abgeneigt, eine Gegenofferte für den deutschen Hersteller von Industrierobotern abzugeben. Als Grundvoraussetzung wird jedoch dessen Einverständnis genannt.

Zumindest vom finanziellen Aspekt her stünde einem Gegenangebot vermutlich nichts im Wege. Der Industriekonzern aus Zürich verfügt über eine grundsolide Bilanz und könnte sich im aktuellen Umfeld günstig Kredite besorgen.

Ob sich mit einer Übernahme des deutschen Rivalen Aktionärswerte schaffen lassen, ist jedoch fraglich. So sieht der für J.P. Morgan tätige Branchenexperte zwar gewisse Kostensynergien zwischen den beiden Unternehmen. Ausserdem sieht er gewisse Vorteile darin, sollte ABB die schon heute führende Stellung in der Robotik weiter ausbauen. Allerdings hält er KUKA schon heute für stolz bewertet, insbesondere was die hohe direkte Abhängigkeit der deutschen Mittelstandsfirma vom Wirtschaftsumfeld anbetrifft. Darüber hinaus warnt er vor Doppelspurigkeiten, welche im Falle eines Zusammenschlusses Umsatz kosten könnten.

Diese Einschätzung teilen auch andere Aktienanalysten und Händler. Sie befürchten, dass ABB als sogenannter "weisser Ritter" sogar Aktionärswerte vernichten würde. Dieser Gefahr ist man sich vermutlich aber auch am Hauptsitz des Industriekonzerns in Zürich durchaus bewusst.