Gibts bei Nestlé die nächste Enttäuschung?

Der Nahrungsmittelmulti Nestlé steht derzeit gehörig unter Druck. Das sind schlechte Vorzeichen für die Halbjahreszahlen von nächster Woche. Eine Vorschau.
31.07.2014 00:59
Von Frédéric Papp
Kritische Stimmen zu den anstehenden Nestlé-Quartalszahlen mehren sich.

Nestlé legt die Geschäftszahlen für das erste Halbjahr 2014 am 7. August vor. Mit Blick auf die Gewinnausweise der Konkurrenz und Einschätzungen von Analysten lässt sich bereits jetzt sagen: Wahrscheinlich wird der Waadtländer Nahrungsmittelmulti erneut sein eigenes gesetztes Wachstumsziel verpassen.

Davon geht zumindest die UBS aus. Erstmals seit über 20 Jahren drohe dem Schweizer Lebensmittelkonzern ein zweites Jahr in Folge mit einem organischen Umsatzwachstum unter fünf Prozent, schrieb der zuständige Analyst in einer Studie vom Dienstag. Nestlé hatte sich vor rund zehn Jahren zum Ziel gesetzt, jährlich ein organisches Wachstum von fünf bis sechs Prozent zu erreichen. Nach 2013 hat Nestlé auch 2009 die Fünf-Prozent-Marke mit je gut 4,1 Prozent relativ klar verpasst.

Nestlé-Aktie hinkt Konkurrenz hinterher

Die Einschätzung des UBS-Analysten teilt auch Patrik Lang und ergänzt: "Verpasst Nestlé die Fünf-Prozent-Marke erneut, müssen die Gewinnschätzungen nach unten angepasst werden", so der Julius-Bär-Analyst. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von knapp 20 für 2014 und rund 19 für das kommende Jahr ist die Aktie laut Lang recht "sportlich" unterwegs. Allerdings gelte dies für den gesamten Nahrungsmittelsektor.

Eine Anpassung der Gewinnschätzungen würde den Aktienkurs deutlich belasten. Mit einem Plus seit Jahresbeginn von rund 5 Prozent steht die Nestlé-Aktie etwas besser da als der Gesamtmarkt. Im Vergleich zur Konkurrenz hingegen bewegt sich der Konzern im Mittelfeld.

Unternehmen Performance seit 1.1. Performance 1 Jahr
Pepsico 9% 8%
Danone 8% -5%
Kraft Foods 7% 2%
Kellogg's 6% -2%
Unilever 6% -2%
Nestlé 5% 9%
General Mills 5% 1%
Coca-Cola -2% 1%
Hershey -6% -4%

Stand: 30. Juli, 14:00 Uhr Quelle: cash.ch

Auf eine Ergebnisenttäuschung bei Nestlé deuten auch die Zahlen der Konkurrenz hin. So ist sowohl Unilever als auch Danone im zweiten Quartal hinter den Erwartungen des Marktes zurückgeblieben. Gründe hierfür waren eine Wachstumsverlangsamung in den Schwellenländern und das schleppende Europageschäft. Die meisten Marktbeobachter gingen für Anfang 2014 von einer Beschleunigung der Wirtschaft in Europa aus. Doch diese ist bislang ausgeblieben.

Nestlé hat eine starke Präsenz in den Schwellenländern und auch Europa – der Umsatzanteil beträgt je 28 Prozent. Die harzige Wirtschaftsentwicklung in beiden Wirtschaftsräumen wird somit auch an Nestlé nicht spurlos vorbeizeihen.

Dennoch dürfte Nestlé laut Thomas Della Casa besser Zahlen als die Konkurrenz abliefern und ein organisches Wachstum von 5 Prozent erreichen. "Nestlé ist stärker aufgestellt als Unilever oder Danone", sagt der Anlagechef bei der Neuen Helvetischen Bank in Zürich. Als Stolperstein könnten sich allenfalls Wechselkursverluste erweisen, so Della Casa.

Insbesondere in den USA verfügt Nestlé im Vergleich zur Konkurrenz über eine starke Marktstellung - der Umsatzbeitrag beläuft sich auf 44 Prozent oder 23,3 Milliarden Franken (Stand 2013). In Produktekategorien wie "Waters" oder "Medical Food" ist das Unternehmen gar marktführend. Und da die Wirtschaft in den USA nun seit einigen Monaten an Fahrt gewinnt, ist mit erfreulichen Umsätzen zu rechnen.

Kaffeekapsel-Geschäft unter Druck

Verstärkt unter Druck gerät hingegen das hochprofitable Geschäft mit den Nespresso-Kapseln. Lange genoss der Erfinder der Kaffee-Kapseln eine führende Marktstellung. Doch nun dringen vermehrt preisgünstigere Konkurrenzprodukte in den Markt. Zwar versuchte Nestlé die Konkurrenzen mit Klagen vom Leibe zu halten, war dabei aber nur bedingt erfolgreich.

Gleichzeitig wird das Feld der Anbieter von Klonkapseln für Nespresso-Maschinen stetig breiter. Coop und Migros stiegen vor zwei Jahren ein. Spar und Volg bieten mittlerweile ebenfalls Kapseln an. Für weiteren Druck auf Nespresso sorgte im letzten Jahr der Einstieg des Kaffeeriesen Mondelez, zu dem die Marke Jacobs gehört. All diese Kapseln passen in die Nespresso-Maschinen.

Die Nestlé-Aktie hat seinen Aktionären seit 2009 schöne Kursgewinne beschert und die Dividende in den letzten 18 Jahren stetig erhöht. Anleger, die schon länger in Nestlé investiert und verunsichert sind, sollten daher die Gewinne mitnehmen und ein Neu-Engagement erst nach den Halbjahreszahlen wieder in Betracht ziehen.