Givaudan kann Margenängste nicht zerstreuen

Gerade im margenstarken Geschäft mit Riechstoffen hat sich das Umsatzwachstum bei Givaudan verlangsamt. Einige Beobachter zeigen sich besorgt. Die Aktie fängt sich im Handelsverlauf jedoch.
10.10.2016 11:17
Von Lorenz Burkhalter
Kann die Angst vor einem Margenrückgang nicht dämpfen: Givaudan-Chef Gilles Andrier.
Kann die Angst vor einem Margenrückgang nicht dämpfen: Givaudan-Chef Gilles Andrier.
Bild: ZVG

Schon seit Wochen bietet sich den Aktionären von Givaudan ein ungewohntes Bild: Die Aktie des Genfer Herstellers von Aromen und Riechstoffen fristet an der Börse ein Mauerblümchen-Dasein. Der Grund: Von den zuletzt gestiegenen Rohstoffpreisen geht Druck auf die Margen aus.

Dazu kommt eine deutliche Wachstumsverlangsamung im margenstarken Geschäft mit Riechstoffen, wie die am Montag früh veröffentlichten Neunmonatszahlen zeigen. Anstatt den erhofften 5,2 Prozent erzielte Givaudan in diesem Bereich im dritten Quartal "nur" ein organisches Wachstum von 3,4 Prozent.

Das verstärkt die Angst vor einem Margenrückgang und kommt bei Anlegern gar nicht gut an. Nachdem die Aktie bereits am Freitag gelitten hat, verliert sie an der Schweizer Börse SIX zur Stunde noch 1 Prozent auf 1957 Franken. Im frühen Handel wurden noch Kurse von bis zu 1942 Franken bezahlt.

Der für die Zürcher Kantonalbank tätige Analyst räumt zwar ein, dass die Neunmonatsumsatzzahlen leicht unter den Erwartungen ausgefallen sind. Im dritten Quartal habe die erwartete Verlangsamung eingesetzt, insbesondere bei den Riechstoffen. Allerdings gibt er zu bedenken, dass das erzielte organische Wachstum im aktuellen Umfeld noch immer sehr gut sei. Er empfiehlt die Aktie deshalb unverändert mit "Übergewichten" zum Kauf.

Verschlechterung der Umsatzzusammensetzung

Auch sein Berufskollege der Bank Vontobel zeigt sich nicht allzu besorgt. Er rät davon ab, zu viel in ein einziges Quartal hineinzuinterpretieren. Allerdings rechnet der Experte damit, dass sich die jüngsten Firmenakquisitionen in der zweiten Jahreshälfte negativ in der Rentabilität niederschlagen werden. Er hält deshalb sowohl am "Hold" lautenden Anlageurteil als auch am Kursziel von 1900 Franken fest.

Bisheriger Kursverlauf der Givaudan-Aktie von heute, Quelle: www.cash.ch

Deutlich vorsichtiger gibt sich der Analyst von Bernstein Research. Er macht Anhaltspunkte für eine Verschlechterung der Umsatzzusammensetzung aus und befürchtet negative Folgen für die Margenentwicklung. Die Aktie wird bei der amerikanischen Investmentbank daher mit "Underperform" und einem Kursziel von gerademal 1750 Franken zum Verkauf empfohlen.

Angelsächsische Analysten mit verteidigenden Kommentaren

Die für J.P. Morgan tätige Analystin findet hingegen Gefallen an den Marktanteilsgewinnen in der Region Asien/Pazifik. Von der im dritten Quartal beobachteten Wachstumsverlangsamung zeigt sie sich wenig überrascht und rechnet bei den Konsensschätzungen nicht mit grösseren Anpassungen. Sie stuft die Aktie wie bis anhin mit "Overweight" und einem Kursziel von 2100 Franken ein.

Zurückhaltender ist da schon ihr Berufskollege von der Citigroup. Er bleibt bei seinem "Neutral" lautenden Anlageurteil und einem Kursziel von 1850 Franken. In einer Stellungnahme an seine Kundschaft bezeichnet der Experte die Umsatzentwicklung im dritten Quartal als solide. Das Geschäftsmomentum bleibe, so lautet seine Einschätzung.