Globalisierung - Ausländische Firmen schaffen Arbeitsplätze in USA

US-Präsident Donald Trump wettert gerne gegen ausländische Firmen, die im Wettbewerb mit Amerikanern unfaire Mittel anwenden würden. Doch es sind gerade sie, die hoch qualifizierte Industriejobs in die USA zurückbringen.
30.06.2017 20:05
Autokonzerne haben in den USA viele neue Jobs geschaffen - etwa auch BMW.
Autokonzerne haben in den USA viele neue Jobs geschaffen - etwa auch BMW.
Bild: ZVG

Von den 656'000 neuen Arbeitsplätzen, die zwischen 2010 und 2014 im Verarbeitenden Gewerbe in den USA geschaffen wurden, gehen nach Reuters-Berechnungen zwei Drittel auf das Konto von Firmen aus dem Ausland. Neuere Daten liegen noch nicht vor.

Doch auch in den Jahren seither dürfte sich das Blatt nicht gewendet haben, darauf lassen die Geldströme schliessen: Binnen zwei Jahren flossen 700 Milliarden Dollar an Investitionen in die USA. Insgesamt investierten Ausländer Ende 2016 mit 3,7 Billionen Dollar so viel in den USA wie nie.

Jahrzehntelang haben vor allem die Staaten im Süden der USA hart dafür gearbeitet, zum Industriestandort zu werden und für ausländische Unternehmen attraktiv zu sein. Sie bauten ihre Häfen aus, damit grosse Schiffe Teile für die Fertigung aus Mexiko und China liefern können. Sie brachten ihre Infrastruktur auf Vordermann und köderten Investoren mit flexiblen Arbeitsgesetzen und Finanzhilfen. Viele grosse Konzerne aus Europa haben sich deshalb in den Südstaaten angesiedelt, darunter BMW, Airbus, Daimler und Volvo.

Seit Trump auf die Globalisierung schimpft und einen protektionistischeren Kurs einschlägt, steigt bei den Firmen die Nervosität. Denn sie verlassen sich bei ihrer Produktion den USA auf die weltweiten Lieferketten. Diese sind aber in Gefahr, wenn Trump sein Land aus dem Freihandel zurückzieht und neue Zölle einführt. Zwar hat die neue Regierung erklärt, sie begrüsse ausländische Investitionen. Zugleich will sie aber das Freihandelsabkommen Nafta mit Kanada und Mexiko neu verhandeln. Und Ländern wie China oder Deutschland drohte Trump mit höheren Zöllen, weil sie mehr in die USA verkaufen als sie von dort importieren.

Aushängeschild und Sündenbock

Als Sündenböcke mussten sogar die Unternehmen herhalten, die eigentlich als Aushängeschilder für eine gelungene Industriepolitik gelten - etwa der Autobauer BMW. Die Münchner fertigen in Spartanburg in South Carolina alle grösseren Geländewagen, 70 Prozent der Produktion geht in den Export. Damit ist das Werk mit derzeit 9000 Mitarbeitern der grösste US-Autoexporteur - und Wachstum ist geplant. Für die kommenden vier Jahre hat BMW-Chef Harald Krüger Investitionen im Volumen von weiteren 600 Millionen Dollar angekündigt, 1000 Stellen sollen entstehen. Doch die Bedeutung des Werks hielt Trump im Januar nicht davon ab, BMW wegen Investitionsplänen in Mexiko zu geisseln. "Ich würde BMW sagen, wenn sie eine Fabrik in Mexiko bauen und Autos in die USA verkaufen wollen ohne eine 35-Prozent-Steuer, dann können sie das vergessen", wetterte er im Januar.

Ausserhalb des Rampenlichts arbeitet BMW schon länger daran, unabhängiger von dem US-Werk zu werden. So sollen die Produktionsstätten in Südafrika und China dafür ausgerüstet werden, dass auch Geländewagen gefertigt werden können. "Wenn irgendwas auf der politischen Ebene passiert - was wir jetzt nicht wissen können - sind wir in der Lage, flexibel reagieren zu können", sagte Produktionsvorstand Oliver Zipse.

Nicht nur die Unternehmen sind nervös: Auch die Politiker der betroffenen Bundesstaaten haben Sorgenfalten auf der Stirn. Sollte die Regierung in Washington auf Protektionismus setzen, wären Errungenschaften der Industriepolitik in Gefahr, sagte der republikanische Abgeordnete und Trump-Kritiker Lindsay Graham. "Verhandelt ein Handelsabkommen mit Europa, modernisiert Nafta, zerstört es nicht", sagte er. "Wir gehen in die falsche Richtung. Wir brauchen mehr Handelsvereinbarungen, nicht weniger."

(Reuters)