«Gold hat nur bei Systemkrise weiteres Potenzial»

Gold und Silber legten in den letzten Monaten stark zu. Doch laut Edelmetall-Spezialist Carsten Menke ist der Aufstieg bald zu Ende, wie er im Video-Interview sagt. Bei zwei anderen Metallen sieht er aber Luft nach oben.
12.07.2016 12:10
Carsten Menke, Rohstoff-Analyst bei der Bank Julius Bär.
Bild: cash

Noch im Dezember letzten Jahres sprach wenig für Edelmetalle. Damals fiel die Gold-Unze bei 1046 Dollar vorübergehend auf den tiefsten Stand seit dem Frühjahr 2010. In diesem Jahr kam aber die Trendwende: Seit Jahresbeginn hat sich Gold um ein Fünftel verteuert. Am Montag stieg der Goldpreis gar auf 1375 Dollar und damit auf den höchsten Stand seit März 2014. Folgende Grafik zeigt die Preisentwicklung in diesem Jahr:

Entwicklung Goldpreis im aktuellen Jahr, in Dollar per Unze. Quelle: cash.ch

Wieso ist Gold plötzlich wieder beliebt? "Der jüngste Anstieg in den letzten zwei bis drei Wochen hat mit dem Brexit zu tun", sagt Rohstoff-Analyst Carsten Menke von Julius Bär im Video-Interview. Auch schon die Unsicherheit vor dem Referendum habe den Goldpreis nach oben gedrückt. Zuvor seien es die Aussicht auf weniger Zinsanstiege in den USA, einen schwächeren Dollar und zum Jahresbeginn die globale Wirtschaft gewesen, die zur zwischenzeitlichen Gold-Rallye geführt hätten.

Ob dieser Aufwärtstrend weiter anhält, wird vom Menke indes stark bezweifelt: "Weiteres Potenzial sehe ich nur bei einer weitreichenden, systemischen Krise, wie es etwa 2010 und 2011 bei der Euro-Schuldenkrise der Fall war", so der Rohstoff-Experte. Er sieht sieht die Barriere nach oben bei 1400 Dollar pro Feinunze - ein Wert, der beim aktuellen Goldpreis von 1357 Dollar doch schon sehr nahe ist.

«Silberpreis ist spekulationsgetrieben»

Als Alternative zum Gold böte sich dessen "kleiner Bruder", das Silber an. Der Silberpreis hat in diesem Jahr schon 48 Prozent an Wert zugelegt – also nochmals einiges mehr als der Goldpreis. Doch im Unterschied zum Gold gilt Silber nicht als sicherer Hafen, da es mehrheitlich industriell verwendet wird. Kommt es zu einer Abschwächung der Wirtschaftsdynamik, dann leidet meist auch der Silberpreis.

Ein Problem des Silbermarktes ist dessen Grösse: "Silber ist ein kleiner, illiquider Markt, wo Spekulanten einen deutlich grösseren Einfluss haben als bei Gold", so Menke. Und aktuell sei der Silberpreis denn auch spekulationsgetrieben, sowohl am Terminmarkt in den USA, als auch in China.

Menke sieht also derzeit weder beim Gold, noch beim Silberpreis viel Luft nach oben. Anders sei es hingegen bei Palladium und Platin. Die beiden Industriemetalle, die für Auto-Katalysatoren verwendet werden, konnten sich zuletzt erholen. "Deren Preise sind nun mehr in die Richtung gelaufen, die wir für fundamental gerechtfertig anschauen", so Menke. Die Nachfrage sei hier solide, so dass Potenzial in der mittleren bis längeren Frist bestehe.

Im Video-Interview sagt Carsten Menke ausserdem, ob für Anleger Gold-Fonds, Gold-ETF oder Goldminen-Aktien am interessantesten sind.

(cash/AWP)