Gold und Silber vor weiteren Höhenflügen?

Mit der Bank of America Merrill Lynch erhöht nach der UBS eine weitere Grossbank ihre Annahmen für den Goldpreis. Das Silber sieht sie sogar um weitere 50 Prozent steigen.
11.07.2016 08:24
Von Lorenz Burkhalter
Anleger haben in den letzten Monaten Gold und Silber wiederentdeckt.
Anleger haben in den letzten Monaten Gold und Silber wiederentdeckt.
Bild: Pixabay

Schon seit Wochen erfahren die Edelmetalle einen regelrechten Höhenflug. Für eine Unze Gold sind Anleger derzeit bereit, fast 30 Prozent mehr als noch zu Jahresbeginn zu bezahlen. Die Unze Silber kostet sogar knapp 44 Prozent mehr als damals.

Bei immer mehr Rohstoffstrategen weckt dieser Höhenflug den Appetit nach den beiden Edelmetallen. Oder wie die Franzosen sagen: L’Appetit vient en mangeant.

Nur so lässt sich erklären, weshalb nur wenige Tage nach den UBS-Experten auch die Berufskollegen der Bank of America Merrill Lynch ihre Gold- und Silberprognosen deutlich nach oben revidieren. Neu sehen sie die Unze Gold ins kommende Jahr hinein auf 1475 (1325) Dollar steigen. Beim Silber sei sogar ein Unzenpreis von bis zu 30 Dollar möglich, so die Rohstoffstrategen der mächtigen amerikanischen Grossbank. Das entspräche aus heutiger Sicht noch einmal einem stattlichen Plus von 50 Prozent.

Die Welt schlitterte von einer Krise in die nächste

Erst letzte Woche hatte schon die UBS ihr kurzfristiges Ziel für den Goldpreis auf 1400 (1250) Dollar je Unze erhöht. Die Experten begründen ihre optimistischere Haltung mit den tiefen, wenn nicht gar negativen Zinsen sowie mit makroökonomischen Risiken. Darüber hinaus erwarten sie einen in Zukunft wieder schwächeren Dollar. Schon seit Jahren besteht eine Wechselwirkung zwischen dem Greenback und den Edelmetallpreisen. Steigt der Dollar, fällt das Gold - und umgekehrt. Folglich spräche ein schwächerer Greenback für höhere Edelmetallpreise.

Geringeres Potenzialwachstum in den USA stützt den Goldpreis, Quelle: BofA

Noch deutlicher als die Rohstoffstrategen der UBS werden jene der Bank of America Merrill Lynch, wenn es um die Gründe für einen weiteren Anstieg beim Gold und Silber geht. Die Welt schlittere von einer Krise in die nächste. Daran werde sich auf absehbare Zeit nichts ändern, so schreiben sie. Ihres Erachtens ist die wirtschaftliche Wachstumsflaute auf strukturelle Probleme zurückzuführen. Das wiederum spreche den Experten zufolge gegen einen baldigen Anstieg bei den Zinsen, was wiederum die Attraktivität von nicht-verzinsten Anlagen wie den Edelmetallen steigert.

Noch im Dezember letzten Jahres wollten die Banken und ihre Rohstoffstrategen nichts von Edelmetallen wissen. Damals fiel die Gold-Unze bei 1046 Dollar sogar vorübergehend auf den tiefsten Stand seit dem Frühjahr 2010. Mächtige Investmentbanken wie Goldman Sachs sagten dem Edelmetall noch im Dezember einen Rückschlag auf unter 1000 Dollar je Unze vorher. Davon ist das Gold nach dem Höhenflug der vergangenen Monate mittlerweile aber weit entfernt.