Goldman Sachs checkt Stimmung bei Chefs

Goldman Sachs sucht das Gespräch mit den CEOs europäischer Unternehmen, um sich ein Stimmungsbild zu machen. Fünf Aktien empfiehlt die Grossbank jetzt erst recht zum Kauf.
19.11.2014 08:26
Von Lorenz Burkhalter
Nach einem Treffen mit CEO Severin Schwan eine der Schlüsselempfehlungen von Goldman Sachs: Die Bons von Roche.

Keine andere Grossbank gilt als derart gut vernetzt wie Goldman Sachs. Nicht nur in der Politik, auch bei den Zentralbanken und in der Wirtschaft sitzen ehemalige Kadermitarbeiter in wichtigen Schlüsselpositionen. Dieser Umstand brachte den Amerikanern in der Vergangenheit mehrfach den Vergleich mit einem geldhungrigen Kraken ein.

Jedoch nur dank den guten Kontakten in die Wirtschaft war es den Analysten von Goldman Sachs über die letzten Monate möglich, den CEOs führender europäischer Unternehmen auf den Zahn zu fühlen und sich so ein Stimmungsbild zu machen.

In diesem Zusammenhang wartet die Grossbank nun sogar mit konkreten Kaufempfehlungen auf, unter anderem mit einer für die Genussscheine des Basler Pharmakonzerns Roche. Darüber hinaus setzt sich die Empfehlungsliste aus den Aktien von Anheuser-Busch InBev, L'Oréal, Siemens und Daimler zusammen.

Firmen rüsten sich für ein anspruchsvolleres Umfeld

Alle diese Valoren haben eines gemeinsam: Sie stehen schon eine ganze Weile auf der viel beachteten "European Conviction Buy List", der Liste mit den Schlüsselempfehlungen für die europäischen Aktienmärkte.

Die Strategen von Goldman Sachs haben das nur von einem geringen Wachstum geprägte Wirtschaftsumfeld und die deflationären Tendenzen in Europa zum Anlass genommen, um sich im Laufe des dritten Quartals mit 30 CEOs grosser europäischer Unternehmen zu treffen.

Den Experten zufolge teilen auch die meisten Firmenchefs die Meinung, dass die heimische Wirtschaft nicht oder nur sehr gering wachsen wird. Gleichzeitig unterliege das Geschäftsumfeld einem raschen und breiten Wandel. Die Folgen der Globalisierung und der technologische Fortschritt verlange sowohl den Gesetzgebern als auch den Unternehmen einiges ab, so heisst es weiter.

Solide Bilanzen von Vorteil

Bei Goldman Sachs folgert man, dass vor allem für den intensiveren Wettbewerb gerüstete Firmen ihren Umsatz in Zukunft noch steigern und die Margen verbessern können. Die Amerikaner setzen in Europa deshalb auf Unternehmen mit einer starken Marktstellung gegenüber Mitbewerbern aus anderen Weltregionen.

Auch eine starke Bilanz scheint von Vorteil. Nach dem Schuldenabbau und den Effizienzverbesserungen in den Jahren nach der Finanzkrise stehen viele börsenkotierte europäische Firmen finanziell auf soliden Beinen.

Selbst eine leichte Normalisierung des Wirtschaftsumfelds habe deshalb grundlegend positive Auswirkungen auf die Barmittelgenerierung und die zukünftige Dividendenpolitik der Unternehmen, so die Strategen. Als weitere positive Faktoren nennen sie den rückläufigen Ölpreis, die tiefen Zinskosten sowie den schwachen Euro.

Goldman Sachs bleibt deshalb unverändert zuversichtlich für Aktien, das gilt trotz schwieriger Rahmenbedingungen auch für die europäischen Börsen. Damit befinden sich die Amerikaner allerdings in bester Gesellschaft. Erst vor wenigen Tagen sprach mit JP Morgan Chase eine weitere amerikanische Grossbank eine Kaufempfehlung für europäische Aktien aus und auch die beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse sehen Raum für eine Aufholjagd auf die amerikanische Leitbörse.