Goldman Sachs ist vorsichtig bei Aktien und Rohstoffen

Goldman Sachs, eine der führenden Investmentbanken, will weder etwas von Aktien noch von Rohstoffen wissen. Auf der Suche nach Rendite setzt sie kurzfristig auf Unternehmensanleihen.
12.07.2016 08:37
Von Lorenz Burkhalter
Goldman Sachs erwartet weiterhin eine Achterbahnfahrt an den Aktienmärkten.
Goldman Sachs erwartet weiterhin eine Achterbahnfahrt an den Aktienmärkten.
Bild: Pixabay

Die Aktienmärkte rund um den Globus haben sich nach dem überraschenden Ausgang des EU-Referendums in Grossbritannien vom ersten Schock erholt. Am S&P-500-Index gemessen, kletterte die Leitbörse in New York vergangene Nacht sogar über das bisherige Rekordhoch vom Mai letzten Jahres. Doch auch in der Schweiz notiert der Swiss Market Index seit Freitag wieder über der Marke von 8000 Punkten.

Gerade bei Goldman Sachs, der womöglich mächtigsten Investmentbank der Welt, will man der Erholung an den Aktienmärkten allerdings nicht so recht trauen. Die Bewertung sei hoch und die Stimmung vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Wachstumsflaute überraschend ausgelassen, so schreiben die Goldman-Sachs-Strategen.

Auf Gold und amerikanische Ramschanleihen setzen

Zwar stufen die Experten Aktien sowohl auf einen Anlagehorizont von 3 als auch von 12 Monaten mit "Neutral" ein. Sie lassen allerdings keinen Zweifel daran, dass sie die Empfehlung auf "Underweight" zurücknehmen, sollten die Aktienkurse noch weiter steigen. Beim amerikanischen S&P-500-Index rechnen die Strategen über die nächsten 3 Monate mit einer Negativrendite von 6,5 Prozent, den europäischen Stoxx Europe 600 Index sehen sie über diesen Zeitraum immerhin um 5,9 Prozent fallen.

Die Zuversicht der letzten Wochen werde schon bald wieder nachlassen, so ist man sich bei der amerikanischen Investmentbank sicher. Seit Jahresbeginn haben der S&P-500-Index um 5 Prozent zugelegt und der Stoxx Europe 600 Index rund 9 Prozent verloren.

Auf einen Anlagehorizont von 3 Monaten setzen die Experten auf Unternehmensanleihen mit einer Laufzeit von 5 Jahren. Diese werden von "Neutral" auf "Overweight" heraufgestuft. Insbesondere amerikanische Ramschanleihen, Goldman Sachs spricht etwas gesitteter von "hochverzinsten Unternehmensanleihen", haben es den Strategen sichtlich angetan. Darüber hinaus raten sie ihrer Anlagekundschaft zu eine hohen Barmittelquote und dazu, die Risiken in den Wertschriftenportfolios über den Kauf von Gold zu reduzieren.

Eine nicht alltägliche Empfehlung

Dass den Anlegern zum Kauf von Gold empfohlen wird, überrascht. Noch im Dezember, rund um die erste Leitzinserhöhung durch die US-Notenbank, sah Goldman Sachs den Unzenpreis auf unter 1000 Dollar tauchen. Von dieser düsteren Prognose kehrte die amerikanische Investmentbank jedoch schon vor einigen Monaten ab. Rohstoffe als Anlageklasse werden derzeit sowohl auf 3 als auch auf 12 Monate nur mit "Neutral" eingestuft.

Risiken sollten wenn schon, dann bei Aktien und nicht bei Anleihen mit geringer Schuldnerqualität eingegangen werden, so besagt eine Faustregel unter Anlagestrategen. Dieser Regel widersprechen die Experten von Goldman Sachs mit ihrer Empfehlung für amerikanische Ramschanleihen nun vehement. Ob sich dieses nicht alltägliche Vorgehen für die Kundschaft ausbezahlt macht, wird sich zeigen.