Goldman sieht dieses Jahr Schockpotenzial bei US- und Europa-Aktien

US-amerikanischen und europäischen Aktien könnte bis zum Jahresende ein holpriger Ritt drohen. Diese Einschätzung vertritt Goldman Sachs Group und verweist zur Begründung auf politische Risiken. 
11.10.2016 20:00
Blick in die Börse in Frankfurt.
Blick in die Börse in Frankfurt.
Bild: Bloomberg

Eine schwache Wirtschaft in Europa und hohe Aktienkurse in den Vereinigten Staaten machen die Märkte dieser Regionen in den kommenden drei Monaten anfällig, erwartet die Investmentbank. Sowohl für den S&P 500 Index als auch den Stoxx Europe 600 sagt sie einen Rückgang von etwa zwei Prozent bis Dezember voraus.

"Wir haben derzeit mehr Potenzial für Schocks", sagte Christian Müller-Glissmann, Managing Director für Portfoliostrategie und Anlageallokation bei Goldman Sachs, am 6. Oktober telefonisch aus London. "Wir neigen etwas dazu, leicht defensiver zu sein, und neigen mehr zu Asien und Schwellenländern als zu entwickelteren Märkten. Wir setzten bei Europa und den USA bis zum Jahresende eher auf eine fallende Tendenz."

Goldman Sachs pessimistischer

Die Prognose von Goldman Sachs für Europa ist pessimistischer als die der meisten Strategen, deren zehn Schätzungen im Schnitt von einer Erholung um 1,3 Prozent gegenüber dem Schlussstand vom Freitag ausgehen, zeigen von Bloomberg zusammengestellte Daten. Der Index hat in diesem Jahr bereits 7,2 Prozent eingebüßt. Zudem zogen Investoren innerhalb einer Rekordserie von 35 Wochen mit Abflüssen fast 93 Mrd. Dollar (83 Mrd. Euro) aus Fonds ab, die europäische Aktien abbilden, erklärte Bank of America in einem Bericht unter Berufung auf Zahlen von EPFR Global. Auf den Aktien lasten die Anlegerzweifel, ob die Lockerungsschritte der Europäischen Zentralbank das Wachstum beleben können, sowie Sorgen um die Solidität der Banken in der Region.

In den USA sorgt sich Müller-Glissmann wegen der hohen Bewertungen. Das gegenwärtige Niveau kann seiner Aussage nach im Falle eines Schocks beträchtliche Kursverluste herbeiführen. Das gelte besonders dann, wenn die Kurse nicht von einem nachhaltigen Gewinnwachstum untermauert werden. Der S&P 500 wird zum mehr als 18-Fachen der erwarteten Gewinne gehandelt, verglichen mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von durchschnittlich 15,6 in den vergangenen fünf Jahren. Die Präsidentschaftswahl im November und eine mögliche Zinserhöhung der Federal Reserve könnten Kursrückgänge auslösen, sagte er.

Goldman-Aktienstratege David Kostin, der vergangenes Jahr zu den treffsichersten Prognostikern gehört hatte, rechnet für den S&P 500 zum Jahresende 2016 mit einem Stand von 2100 Punkten, von 2153,74 Zählern beim Handelsschluss am Freitag. Im restlichen Jahresverlauf favorisiert die Investmentbank den MSCI Asia ex-Japan Index sowie Schwellenmärkte wie China. Vergangenen Monat nahm Goldman Sachs das Anlageurteil für US- und europäische Aktien auf Sicht von drei Monaten auf das Äquivalent einer Verkaufsempfehlung zurück.

"Aktien sind ohne klare, positive Wachstumstrends eine schwierige Anlage" im Portfolio, sagte Müller-Glissmann. "Es ist schwer, mit diesen Abflüssen aus Aktien umzugehen, weil es abgesehen von Cash nur wenige Schlupfwinkel gibt."

(Bloomberg)