Google und Co. geben Takt in Techbranche vor

Google, Amazon und Facebook dominieren immer mehr das Geschäft im Internet. An der Wall Street sorgten ihre jüngsten Quartalszahlen für regelrechte Begeisterung.
31.07.2016 11:55
Facebook verdient vor allem mit Werbung viel Geld.
Facebook verdient vor allem mit Werbung viel Geld.
Bild: Bloomberg

Während der Suchmaschinen-Betreiber und das Online-Netzwerk zusehends Profit aus ihrer Vorherrschaft bei Werbung auf Smartphones und Tablets schlagen, füllt bei Amazon die Omnipräsenz im Online-Einzelhandel die Kasse des US-Konzerns. Amazon verzehnfachte seinen Gewinn von April bis Juni auch dank eines florierenden Cloud-Geschäfts. Googles Mutterkonzern Alphabet steigerte seinen Überschuss um rund ein Viertel auf 4,88 Milliarden Dollar.

An der Wall Street sorgten die jüngsten Quartalszahlen für regelrechte Begeisterung: Die Facebook-Aktie markierte diese Woche ein Rekordhoch und war am Markt erstmals mehr wert als das Beteiligungsimperium Berkshire Hathaway von Warren Buffett. Wie Google profitierte das weltgrösste Internet-Netzwerk mit 1,7 Milliarden aktiven Mitgliedern von der Fokussierung auf Videos. Dank der höheren Verweildauer und grösseren Aufmerksamkeit der Nutzer sind Werbekunden bereit, für Videoanzeigen deutlich mehr zu zahlen. Auch Amazon-Aktien dürften am Freitag ein neues Rekordhoch erreichen. Google-Papiere legten nach den Zahlen ausserbörslich um fünf Prozent zu.

Die Lage der Tech-Grössen hat sich zuletzt deutlich verbessert. Während Amazon zwar stetig wuchs und immer neue Kunden fand, schaffte es der Konzern aus Seattle lange Zeit wegen hoher Investitionen nicht in die schwarzen Zahlen und verschreckte damit Anleger an der Börse. Bei Facebook und Google war fraglich, ob sich für sie der Trend zu Smartphones und Tablets und damit weg von herkömmlichen Computern finanziell auszahlen würde. Das jüngste Quartal scheint diese Bedenken nun endgültig zerstreut zu haben.

Googles Werbemaschine läuft rund

Der Umsatz von Alphabet kletterte um etwa ein Fünftel auf 21,5 Milliarden Dollar. In der Vergangenheit haben Werbekunden in der Regel weniger Geld für die kleinformatigen Anzeigenflächen auf Smartphones ausgegeben. Laut Analyst Colin Gillis vom Wertpapierhändler BGC Partners scheint sich dies nun langsam zu ändern. Zugleich zahlt sich die Konzentration auf die Video-Tochter YouTube aus. "Video macht einen Grossteil der digitalen Welt aus und YouTube strahlt in diesem Bereich", sagte Google-Chef Sundar Pichai. Google und Facebook gelingt es immer mehr, den grossen Fernsehsendern Werbekunden abspenstig zu machen.

Bei Amazon schob die steigende Nachfrage nach Speicherplatz im Internet das Wachstum kräftig an. Die Geschäfte in der Datenwolke kletterten von April bis Juni um rund 58 Prozent auf fast 2,9 Milliarden Dollar. Der Gesamtumsatz steigerte sich um 31 Prozent, der Gewinn legte auf 857 Millionen Dollar von zuvor 92 Millionen zu.

Während bei Google das Cloud-Geschäft nur einen kleinen Teil ausmacht, ist Amazon hier zum Marktführer aufgestiegen. "Sie haben alle Erwartungen deutlich übertroffen", sagte Analyst Michael Pachter vom Finanzdienstleister Wedbush Securities. Neben den Erfolgen in der Cloud-Sparte und dem herkömmlichen Geschäft im Online-Handel punktete Amazon auch mit seinem Streaming-Angebot a la Netflix, das dem Abo-Dienst Prime stetig neue Kunden beschert.

Der Gewinn von Facebook, das auch das Messaging-Angebot Whatsapp sowie die Foto- und Video-App Instagram betreibt, schnellte im zweiten Quartal dank florierender Werbeeinnahmen auf 2,05 Milliarden Dollar von 715 Millionen hoch. Analysten begrüssten, dass der Konzern auf Smartphones und Tablets immer mehr Geld verdient und zudem bisher nicht alle Möglichkeiten bei WhatsApp, Instagram und der Datenbrille Oculus finanziell ausreizt. WhatsApp ist beispielsweise immer noch kostenlos.

(Reuters)