kommentar

Google wird endlich moderner

Google gibt sich eine Holding-Struktur und wird zum Konglomerat à la Berkshire Hathaway. Das sind kurz- und mittelfristig gute Nachrichten für Aktionäre. Langfristig stellen sich Fragezeichen.
11.08.2015 17:14
Von Daniel Hügli, Chefredaktor cash
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
Bild: Geri Born

Natürlich ist Google modern, die Firma ist wohl eine der innovativsten der Welt. In Sachen Konzernstruktur und Aktionärsfreundlichkeit war Google aber im Steinzeitalter steckengeblieben. Zu wenig agil für Unternehmenstransaktionen; zu unübersichtlich und "messy" für Aktionäre.

Damit ist nun Schluss. Google stülpt sich eine Holding-Struktur über, aus Google wird die Dachgesellschaft Alphabet. Eigentlich darf der Schritt nicht überraschen. Im letzten Jahr war Google-Mitgründer und der künftige Alphabet-CEO Larry Page in einem Interview voll des Lobes über eine Konzernstruktur wie diejenige von Berkshire Hathaway. Es war wie eine Vorankündigung.

Kurz- und mittelfristig ist der Wandel eine gute Nachricht für Google-Aktionäre. Die Holding-Struktur bringt Ordnung unter das Firmendach. Youtube-Videos, Google-Suchmaschine, Android-Betriebssysteme, fahrerlose Autos, Computerbrillen, Drohnen, aber auch die geheimnisumwitterte Biotech-Firma Calico werden in Teilbereiche gegliedert. Aktionäre erhoffen sich damit mehr Transparenz. Es erleichtert aber auch M&A-Aktivitäten wie Fusionen, Zu- und Verkäufe oder Joint-Ventures. 

Angereichert werden die Fantasien der Google-Aktionäre durch eine Aussage von Page, warum der Name Alphabet gewählt wurde. "alpha-bet" könnte auf englisch auch "Wette auf Alpha" bedeuten. Das ist für Investoren ein Ausdruck für die Rendite, die höher ausfällt als ein Vergleichswert. "Danach streben wir", schreibt Page.

Langfristig drohen für Aktionäre auch Gefahren. Page und Google-Mitgründer Sergey Brin, der in Zukunft als Alphabet-VR-Präsident agieren wird, sind im Grunde genommen Technologie-Nerds geblieben. Sie wollten nie eine konventionelle Firma führen. Jetzt haben sie eine normale, langweilige Holding mit allen Zwängen und Pflichten. Ob sich Page und Brin, welche die beiden wichtigsten Positionen der Firma behalten, in der neuen Rolle zurechtfinden?

Dazu kommt, dass Google sich in letzter Zeit auffallend oft zu Kostenkontrolle äusserte. In der neuen Holding-Struktur wird das Ausgabenmonitoring sicher nicht nachlassen. Wie und ob sich das auf die Innovationskultur von Google auswirken wird, wird sich weisen.