Greift Israel in die Trickkiste der SNB?

Seit Monaten versucht die israelische Zentralbank der starken Heimwährung Herr zu werden, bisher jedoch mit mässigem Erfolg. Was die Verantwortlichen von den Kollegen der SNB lernen können.
12.09.2014 08:44
Von Lorenz Burkhalter
Der Euro-Mindestkurs der SNB könnte auch in Israel Schule machen.
Der Euro-Mindestkurs der SNB könnte auch in Israel Schule machen.
Bild: cash

Gut drei Jahre ist es her, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) in einer Nacht-und-Nebel-Aktion Massnahmen zur Eindämmung der aus dem Ruder laufenden Frankenstärke traf. Der Euro-Mindestkurs ward geboren. Seither mussten sich die Entscheidungsträger nicht nur Lob, sondern auch eine ganze Menge Kritik gefallen lassen.

Davon scheinen sich die Kollegen bei der Israelischen Zentralbank allerdings nicht abschrecken zu lassen. Sie befinden sich mit ihrer Heimwährung in einer sehr ähnlichen Situation. Seit dem Spätsommer 2012 hat der israelische Schekel gegenüber dem Dollar knapp 20 Prozent gewonnen. Nach einer überraschenden Leitzinssenkung hat sich die Situation zwar etwas entspannt – die Verantwortlichen bleiben dennoch gefordert.

Den Währungsstrategen der Commerzbank zufolge steht bei der Israelischen Zentralbank derzeit eine permanente Lösung des Problems zur Diskussion, unter anderem die Einführung eines Mindestkurses nach Schweizerischem Vorbild.

Israel ansatzweise mit ähnlicher Ausgangslage

Die Experten machen Markterwartungen hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung der Ertragsbilanz Israels für das starke Abschneiden des Schekels verantwortlich. Da das ans Mittelmeer grenzende Land im grossen Stil Naturgas exportiere, werde ein immer grösserer Ertragsbilanzüberschuss erwartet. Damit deckt sich die Situation zumindest Ansatzweise mit jener der Schweiz.

Dasselbe gilt für die Israelische Zentralbank, welche nach Offenmarktinterventionen mittlerweile Fremdwährungsreserven im Gegenwert von knapp 90 Milliarden Dollar in den Büchern hat.

In Erwartung, dass sich die Währungshüter entweder zu einem Mindestkurs zum Dollar oder einer anderen Form einer quantitativen geldpolitischen Lockerung durchringen werden, rechnen die Strategen der Commerzbank mit einem in Zukunft schwächeren Schekel.