Griechisches Drama - IWF dämpft Hoffnungen auf schnelle Lösung

IWF-Chefin Christine Lagarde hat Hoffnungen auf eine rasche Lösung des Streits über Schuldenerleichterungen für Griechenland einen Dämpfer versetzt.
12.05.2017 14:04
Christine Lagarde, IWF-Chefin.
Christine Lagarde, IWF-Chefin.
Bild: Bloomberg

"Es gibt noch nicht genug Klarheit", sagte sie am Rande des G7-Finanzministertreffens im italienischen Bari. Die europäischen Partner müssten in Hinblick auf die zwingend notwendigen Schuldenerleichterungen noch konkreter werden. Dafür brauche es noch Zeit. Das Mittelmeerland steht mit mehr als 300 Milliarden Euro oder rund 180 Prozent seiner jährlichen Wirtschaftsleistung in der Kreide. Eine Einigung bis zur Eurogruppen-Sitzung am 22. Mai, wie sie Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras anstrebt, erscheint nach den Lagarde-Äusserungen wieder unwahrscheinlicher.

Die internationalen Geldgeber wollen Griechenland mit Einsparungen und Reformen wettbewerbsfähiger machen. Allerdings gibt es immer wieder Streit, so auch zu weiteren Schuldenerleichterungen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) macht sich für solche stark und will sich nur dann am laufenden, bis zu 86 Milliarden Euro schweren Hellas-Hilfspaket beteiligen. Deutschland und andere nordeuropäische Staaten halten dies aber nicht für notwendig, weil Griechenland bereits zahlreiche Erleichterungen im Schuldendienst zugestanden wurden.

Schäuble optimistischer als Lagarde

Befürworter von Schuldenerleichterungen wollen Griechenland damit den Weg ebnen, sich wieder selbst am Kapitalmarkt zu refinanzieren. Laut Euro-Krisenfonds ESM kann es der schuldengeplagte Staat deutlich vor dem Ende des laufenden Hilfsprogramms Mitte 2018 zurück an die Märkte schaffen, sollten die vereinbarten Reformen weiter umgesetzt werden.

Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble äusserte sich in Bari optimistischer als Lagarde. Er habe die Hoffnung, dass es bis zur nächsten Sitzung der Eurogruppe zumindest eine politische Lösung gebe - also eine allgemeine Verständigung unter den Beteiligten. Der CDU-Politiker verwies allerdings auf Vereinbarungen vom Mai 2016. Danach soll über die Notwendigkeit von Schuldenentlastungen und gegebenenfalls ihre konkrete Form erst 2018 entschieden werden.

Der IWF, den Deutschland unbedingt an Bord haben möchte, will ab er nicht so lange warten. "Wir arbeiten weiter an dem Paket für Schuldenentlastungen", so Lagarde. Die grundsätzliche Bereitschaft genügt dem Fonds nicht.

(Reuters)