Grossaktionär stellt Forderungen - Aktivistischer GAM-Aktionär stösst mit seinem Plan auf Gehör

Der neue GAM-Grossaktionär RBR setzt den Schweizer Vermögensverwalter mit einem Plan gehörig unter Druck. Das kommt bei Anlegern gut an, bei Analysten schimmert aber auch Skepsis durch.
31.03.2017 10:26
Von Lorenz Burkhalter
Im Zürcher Prime Tower ist der Vermögensverwalter GAM zu Hause.
Im Zürcher Prime Tower ist der Vermögensverwalter GAM zu Hause.
Bild: Roland Fischer/Wikimedia/CC-BY-SA-3.0 Unported

Für gewöhnlich lassen sich Hedgefonds nicht in die Karten schauen. Die Branche gilt als sehr verschwiegen. Am Donnerstagnachmittag suchte der RBR Strategic Fund als neuer Grossaktionär des in Zürich beheimateten Vermögensverwalters GAM allerdings bewusst die Öffentlichkeit. Denn mit einem Stimmenanteil von gerademal 3,05 Prozent ist der für seine aktive Einflussnahme bei Unternehmen bekannte Hedgefonds nämlich auf die Unterstützung anderer namhafter Investoren angewiesen.

Die Vertreter des RBR Strategic Fund unter der Leitung des Schweizers Rudolf Bohli hielten sich in einem Webcast nicht mit Kritik zurück. Die bereits eingeleiteten Sparmassnahmen seien ungenügend und der erfolgsarme Konzernchef Alexander Friedman gehöre ersetzt. Und selbst für die in Analystenkreisen gelobte Übernahme der britischen Cantab hatte RBR keine guten Worte übrig.

Die Forderung nach einem Wechsel an der Konzernspitze sowie sehr viel umfassenderen Einschnitten auf der Kostenseite kommen an der Börse gut an. Nachdem die GAM-Aktie schon am Donnerstag um 3,3 Prozent zulegen konnte (die Pläne von RBR wurden schon am Mittwochabend publik), kann sie diese Kursgewinne am Freitag an der Schweizer Börse SIX zumindest verteidigen. Angeblich decken ausländische Leerverkäufer vermehrt ihre Wetten gegen die Aktie ein.

Reaktion der Analysten

In einem Kommentar bezeichnet der für RBC Capital Markets tätige Analyst den Vorschlag des neuen Grossaktionärs als gut durchdacht und verlockend zugleich. Dennoch lässt er durchblicken, dass die Wahrheit seines Erachtens irgendwo zwischen den Forderungen von RBR und den bereits eingeleiteten Massnahmen des Unternehmens selber liege.

Gleichzeitig wird die bisherige Konzernleitung im Kommentar in Schutz genommen und die schwierigen Marktverhältnisse sowie die verhaltene Renditeentwicklung der wichtigsten Fondsprodukte für die enttäuschende Geschäftsentwicklung verantwortlich gemacht.

Der Analyst von RBC Capital Markets hält vorerst sowohl an der "Underperform" lautenden Verkaufsempfehlung als auch am Kursziel von 10,50 Franken fest. Er will das Anlageurteil erst im Anschluss an den Zwischenbericht für das erste Quartal von Ende April überdenken.

Müssen pessimistische Analysten über die Bücher?

Etwas zurückhaltender beurteilt der für die Bank Vontobel tätige Berufskollege die vom Grossaktionär geforderten Sparmassnahmen (rund 100 Millionen Franken). Er bezeichnet letztere als unrealistisch hoch und nicht ohne Folgen für das Unternehmen umsetzbar. Die Aktie von GAM wird bei der traditionsreichen Zürcher Bank wie bis anhin mit "Hold" und einem Kursziel von 9,60 Franken eingestuft.

Bei der Zürcher Kantonalbank werden die Vorschläge von RBR in Bezug auf das Ausmass und der Geschwindigkeit der geforderten Kostensenkungen als "recht sportlich" bezeichnet. Die Kostenbasis innerhalb von zwei Jahren um fast 30 Prozent zu senken erscheine nur schwer realisierbar, so heisst es. Nach den kursseitigen Vorschusslorbeeren der letzten Wochen wird das "Marktgewichten" lautende Anlageurteil unverändert beibehalten.

Wie Erhebungen der Nachrichtenagentur AWP verraten, haben noch immer drei von acht Analysten eine Verkaufsempfehlung für die GAM-Aktie ausstehend. Nur jener der Citigroup sah sich nach dem Einstieg des RBR Strategic Fund beim Vermögensverwalter aus Zürich dazu gezwungen, über die Bücher zu gehen. Er und vier weitere Experten schätzen die Aktie neutral ein.