Grossbank-Abschluss erkärt - Alles Wichtige zum Credit-Suisse-Ergebnis

Trotz Milliardenverlusts steigt die Credit-Suisse-Aktie - und will die zweitgrösste Schweizer Bank wirklich jede zehnte Stelle streichen? cash erklärt wichtige Punkte zum heutigen Quartals- und Jahresergebnis.
14.02.2017 13:00
Von Marc Forster
Am New Yorker Sitz der Credit Suisse.
Am New Yorker Sitz der Credit Suisse.
Bild: cash

Sieht es nach dem Milliardenverlust wirklich so schlecht aus um die CS?

Der Verlust von 2,35 Milliarden Franken ergibt sich durch einen Rechtsstreit mit den USA: Einmal mehr musste eine internationale Grossbank eine Milliardenbusse bezahlen. Diesmal setzte es für die CS 2,5 Milliarden Dollar für Vergehen im Zusammenhang mit verbrieften Hypotheken. Zudem tätigte die Bank weitere Rückstellungen.

Warum steigt der Aktienkurs um 3 Prozent?

Abgesehen von den Rechtskosten sieht das Resultat gar nicht so schlecht aus - wenn man die 15 Seiten lange Medienmitteilung und die umfangreichen Zahlensätze der Bank durchackert. Der Vorsteuergewinn der Schweizer Universalbank, dem solidesten Teil der Bank, steigt von 1,68 auf gut 2 Milliarden Franken, während die Vermögensverwaltung in Asien ihren Vorsteuergewinn um fast die Hälfte auf 725 Millionen Franken steigerte. Auch die beiden Investmentbank-Teile der CS - Global Markets sowie Investmentbanking & Capital Markets - verbesserten sich bei der Kennzahl Vorsteuergewinn.

Welche Aspekte des Ergebnisses sind für die CS unangenehm?

Der Neugeldszufluss beträgt 27,8 Milliarden Franken, das sind 40 Prozent weniger als 2015. Zudem floss im vierten Quartal netto Geld ab.

Soll man CS-Aktien kaufen?

Eine beachtliche Zahl von Analysten rät zum Kauf. Im vergangenen Juli fiel die Aktie unter den Wert von 10 Franken, aktuell ist sie 15,20 Franken wert: Einer Aktie, die so weit gefallen ist wie die CS-Aktie, traut man Aufwärtspotential zu. Zudem zeigen die Umbau- und Kostenmassnahmen, die der seit Mitte 2015 amtierende Konzernchef Thiam eingeleitet hat, gewisse positive Auswirkungen. Dem gegenüber stehen die aufgelisteten Risiken: Summa summarum kann man bei der CS derzeit aber wohl von einem halbvollen und nicht halbleeren Glas sprechen. Wünschenswert wäre aber noch mehr Klarheit zum Börsengang des Schweiz-Geschäfts.

Was bedeutet der Stellenabbau der CS?

Die Rede ist von einem neuerlichen Abbau von 5500 Stellen, was nicht zuletzt die Börse freut. Das wären über 10 Prozent der ganzen Belegschaft, denn Ende 2016 zählte die Bank weltweit 47'100 Mitarbeiter. Offenbar treffen die Jobverluste aber vor allem externe Mitarbeiter: So wie etwa auch die UBS beschäftigt die CS zahlreiche Arbeitskräfte, die offiziell bei einer anderen Firma angestellt sind und die von der CS mit Aufgaben betraut werden. Diese Mitarbeiter unterstehen dann beispielsweise bei der Pensionskasse oder bei den Kündigungsbedingungen nicht den Regeln der CS, sondern jenen des externen Dienstleisters. Im Klartext heisst das: Die CS wird diese Angestellten bei Bedarf "billiger" und schneller los.

Welche Grossbank steht besser da, die CS oder die UBS?

Eine ewige Frage, die von Quartal zu Quartal neu gestellt wird. Die Antwort darauf ist erschwert durch dem Umstand, dass sich die Banken in allen Belangen nicht 1:1 vergleichen lassen. Bei der operativen Leistung und dem Kostenmanagement in der Vermögensverwaltung scheint die CS diesmal aber die Nase vorn zu haben. Dass die UBS für 2016 eine Cost-Income-Ratio von 85,1 aufweist und die CS von 83,2 gibt einen Hinweis darauf, dass das Kostenmanagement der kleineren der beiden Banken etwas effizienter war. Analysten weisen auch darauf hin, dass die Verwaltung der anvertrauten Vermögen bei der CS etwas profitabler ausgefallen ist als bei der UBS.

Gibt es Neuigkeiten zum geplanten Börsengang der Schweizer Einheit?

Gemäss Konzernchef Tidjane Thiam wird das IPO des Konzernteils weiter auf die zweite Jahreshälfte hin vorbereitet. Gleichzeitig aber wies er darauf hin, dass dieser Börsengang aktuell als weniger zwingend gesehen werde als 2015. Der CS geht es bei dem IPO auch um eine Aufbesserung ihrer Kapitaldecken, und die Einschätzungen des Managements dazu ändern sich. Die CS wil ihre Entscheidung letztlich auch vom Marktumfeld abhängig machen.

Was sollen Aktionäre mit diesen Aussagen anfangen?

CS-Aktionäre hätten sich wohl mehr Klarheit gewünscht, denn einer eigenen Kotierung des profitablen in der Schweiz betriebenen Geschäfts sind bisher positive Auswirkungen auf den Aktienkurs nachgesagt worden.

Wo liegen noch Leichen im Keller?

2,35 Milliarden Verlust wegen Busse und Rückstellung zeigen, dass das Thema Rechtstreitigkeiten vor allem in den USA immer noch virulent ist für die Liga der weltumspannenden Grossbanken, zu denen man auch die CS zählen kann. Darauf zu setzen, dass unter dem vordergründig bankenfreundlichen neuen US-Präsidenten Donald Trump mehr Milde bei Strafvergaben herrschen wird, ist spekulativ.

Auch das etwas durchzogene Geschäft in der Vermögensverwaltung, wo Asien-Pazifik die besseren Resulate aufwies als der Bereich International Wealth Management, weist auf kommende Risiken hin. Aufgrund volatiler Finanzmärkte und einer sich rasch verschiebenden geopolitisichen Lage sind künftige Erfolge in der Investmentbank alles andere als sicher.