Grossbank gibt Entwarnung für die Märkte

Die Strategen einer Schweizer Grossbank halten an ihrer Kaufempfehlung für Aktien fest. Sie sehen vom Krisenherd Ukraine weder eine Gefahr für die Weltwirtschaft noch für die Aktienmärkte ausgehen.
06.03.2014 08:35
Von Lorenz Burkhalter
Geht es nach den Strategen der CS, dann behalten die Bullen an den Märkten die Oberhand.

Medienberichte über russische Truppen, die strategisch wichtige Objekte auf der Krim besetzen, traten an den Aktienmärkten zu Wochenbeginn einen Ausverkauf los. Seit sich Russlands Präsident Wladimir Putin öffentlich zu Wort meldete, haben sich die Wogen zwar etwas gelegt. Die Stimmung unter den Marktteilnehmern darf jedoch weiterhin als angespannt umschrieben werden.

Dennoch geben die Strategen der Credit Suisse nun Entwarnung. Und das nicht nur in Bezug auf die Aktienmärkte, sondern auch auf das Wirtschaftsumfeld. Auf Basis der Schätzungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) werde Russland nur 2,9 Prozent zum weltweiten Bruttoinlandprodukt beitragen. Weitere 0,4 Prozent seien von der Ukraine zu erwarten. Vom Konflikt auf der Krim gehe deshalb weder für die Weltwirtschaft, noch für die Aktienmärkte eine signifikante Gefahr aus.

Entsprechend unmissverständlich fällt die Botschaft der Grossbank an die eigenen Anlagekunden aus: Aktienanlagen sollten weiterhin übergewichtet werden, trauen die Strategen dem amerikanischen S&P-500-Index bis Ende Jahr doch einen Anstieg bis auf 1‘960 Punkten zu.

Deutschland hat am meisten zu verlieren

Der Credit Suisse zufolge ist Deutschland das vermutlich am stärksten beeinträchtigte Land ausserhalb der Krisenregion. Zwar würden gerademal 3 Prozent der deutschen Exporte nach Russland gehen, was 1,3 Prozent des gesamten Bruttoinlandprodukts entspreche. Die Internationale Energieagentur (IEA) schätze allerdings, dass 50 Prozent der Öl- und 39 Prozent der Naturgasimporte Deutschlands aus Russland stammen.

Aufgrund der hohen Abhängigkeit von den Öl- und Naturgasexporten werde Russland dem Handelspartner den Hahn wohl kaum zudrehen. Dennoch seien aufgrund der Krise vorläufige Unterbrechungen möglich.

Droht ein Ölpreisschock?

Die Strategen der Credit Suisse sehen beim Ölpreis kaum Gründe für einen starken Anstieg. Russland sei im Januar für 11 Prozent des weltweiten Angebots verantwortlich gewesen. Beim Naturgas seien es 19 Prozent.

Russland habe zuletzt mit einem Rückgang beim Leistungsbilanzüberschuss auf 1,6 Prozent des Bruttoinlandprodukts zu kämpfen gehabt. Gleichzeitig sei der öffentliche Haushalt im letzten Jahr in die roten Zahlen gerutscht. Da rund die Hälfte der Staatseinnahmen aus dem Energiesektor stamme, habe Russland einiges zu verlieren. Eine drohende Sperrung von Vermögenswerten im Ausland könne die Abhängigkeit sogar noch verstärken. Ein Ölpreisschock sei daher wenig wahrscheinlich.