Grossbank zerstreut ÄngsteCredit Suisse kann es besser als die UBS - Kurs steigt

Der milliardenschwere Vergleich in den USA reisst ein tiefes Loch ins Quartalsergebnis der Credit Suisse. Diesen ausgeklammert, schneidet sie dennoch besser ab als die UBS. Anschlusskäufe erfassen die Aktie.
14.02.2017 11:42
Von Lorenz Burkhalter
Im Wealth Management schneidet die Credit Suisse besser als die UBS ab.
Im Wealth Management schneidet die Credit Suisse besser als die UBS ab.
Bild: cash

Der kostspielige Vergleich mit dem US-Justizministeriums hinterlässt bei der Credit Suisse (CS) tiefe Spuren in der Geschäftsentwicklung. Aufgrund zusätzlicher Rückstellungen schliesst die Schweizer Grossbank das vierte Quartal mit einem Verlust von 2,35 Milliarden Franken ab. Analysten waren von einem Minus von 2,13 Milliarden Franken ausgegangen.

Allen Unkenrufen zum Trotz weiss der Zahlenkranz unter Ausklammerung dieser Rückstellungen allerdings besser zu gefallen als jener der Erzrivalin UBS. Dank einem starken Beitrag der Universalbank Schweiz und des Internationalen Wealth Managements fällt der Vorsteuergewinn besser als erwartet aus.

Die Kernkapitalquote (Tier-1) fällt per Ende Dezember auf 11,6 Prozent und damit weniger stark als befürchtet. Die pessimistischsten Annahmen lagen gar bei einer Kernkapitalquote von 11,1 Prozent.

Folglich spürt die CS-Aktie an der Schweizer Börse SIX im frühen Handel kräftig Aufwind. Von Anschlusskäufen erfasst, gewinnt sie zur Stunde noch 3 Prozent auf 15,20 Franken. Zwischenzeitlich wurden sogar Kurse von bis zu 15,38 Franken bezahlt.

Wie der für die Zürcher Kantonalbank (ZKB) tätige Analyst schreibt, bietet das Ergebnis sowohl den Bullen als auch den Bären Argumente. Positiv beurteilt er etwa die höher als erwartet ausgefallenen Erträge oder die Fortschritte auf der Kostenseite, negativ hingegen die Nettoneugeldentwicklung.

Ängste erweisen sich rückblickend als übertrieben

Sichtlich Gefallen findet der ZKB-Experte auch an der Eigenkapitalentwicklung. Seines Erachtens konnte die Schweizer Grossbank sowohl bei der Kernkapitalquote als auch beim Leverage Ratio überzeugen. Die Aktie wird bei der Zürcher Kantonalbank wie bis anhin nur mit "Marktgewichten" eingestuft.

Auch sein Berufskollege von der Deutschen Bank bezeichnet den vorliegenden Zahlenkranz als "durchwachsen". Über die drei Kernbereiche Universalbank Schweiz, International Wealth Management und Asia-Pacific (APAC) hinweg betrachtet liege der bereinigte Vorsteuergewinn gerademal ein Prozent über den Konsensschätzungen, so rechnet er vor. Gerade vom eher dürftigen Gewinnbeitrag aus APAC zeigt sich der Experte sichtlich enttäuscht. Und auch die Nettoneugeldentwicklung im Wealth Management überzeugt ihn nicht, weshalb er mit einem Kursziel von 16,50 Franken an seinem "Hold" lautenden Anlageurteil für die Aktie festhält.

Wie der Analyst von Mirabaud & Cie. ergänzt, erweist sich die Angst vor einer Ergebnisenttäuschung allerdings als übertrieben. Seinen Berechnungen zufolge liegt der bereinigte Vorsteuergewinn auf Gruppenebene sogar rund 10 Prozent über den Konsensschätzungen. Dass um die milliardenschweren Rechtsrückstellungen bereinigt dennoch ein Verlust resultiert, führt er auf eine höher als erwartet ausgefallene Steuerbelastung zurück.

Zahlenkranz der CS überzeugender als jener der UBS

Auch bei der Bank Vontobel wird auf die besser als befürchtet ausgefallenen Kapitalquoten verwiesen. Da diese die Erwartungen klar übertreffen, nimmt der für die Zürcher Traditionsbank tätige Experte das 13,20 Franken lautende Kursziel in positive Überprüfung. Er stuft die Aktie allerdings weiterhin nur mit "Hold" ein. Sein Kollege von Julius Bär tendiert ebenfalls dazu, das Kursziel von 14 Franken zu erhöhen.

Im Handel wird insbesondere das überraschend starke Abschneiden im Wealth Management hervorgehoben. Gerade bei der sequenziell sogar etwas höheren Bruttomarge hebe sich die CS wohlwollend von der Erzrivalin UBS ab, so heisst es. Auch bei Kepler Cheuvreux vertritt man die Meinung, dass sich die Margenentwicklung im Wealth Management sehen lassen kann.