Grossbanken - Deutsche Bank vor Quartalsbilanz - Der Druck im Kessel steigt

Wenn die Deutsche Bank am kommenden Donnerstag ihre Zwischenbilanz für das dritte Quartal veröffentlicht, dann sind die blanken Zahlen wieder einmal nur Nebensache.
22.10.2017 11:40
Deutsche-Bank-CEO John Cryan: Wie viel Zeit geben ihm die Grossaktionäre noch?
Deutsche-Bank-CEO John Cryan: Wie viel Zeit geben ihm die Grossaktionäre noch?
Bild: Bloomberg

Zwar werden Investoren, Analysten und der gesamte Finanzplatz Frankfurt genau hinschauen, ob es dem deutschen Marktführer in den Sommermonaten gelungen ist, wieder mehr Wasser unter den Kiel zu bekommen. Doch in Wirklichkeit geht es um die Frage, wie lange die grossen Anteilseigner dem seit 2015 amtierenden Vorstandschef John Cryan noch Zeit lassen, den schlingernden Tanker in den Griff zu bekommen.

Denn trotz massiver Umbauarbeiten bleiben die Erträge weit hinter denen der grossen US-Banken zurück - mit denen sich die Frankfurter vor allem im prestigeträchtigen Investmentbanking messen wollen. Die Kritik an Cryan reisst nicht ab. Manche der Anteilseigner halten ihn zwar immer noch für den richtigen Steuermann, andere sähen ihn aber lieber früher als später von Bord gehen. "Es geht nur sehr zäh voran", heisst es im Umfeld eines der fünf grössten Anteilseigner. "Irgendetwas scheint da falsch zu laufen."

Dass die Führungsriege um Cryan das anders sieht, wundert nicht: Das neue Team habe die meisten Baustellen von seinen Vorgängern geerbt, heisst es dort. "Man muss Geduld haben", versucht deshalb ein hochrangiger Bankmanager zu beruhigen. Doch ob ungeduldige Grossaktionäre wie die Kataris oder der chinesische HNA-Konzern sich damit zufrieden geben? Selbst erklärte Cryan-Fans wie Fondsmanager Ingo Speich von Union Investment, einem der zwanzig grössten Anteilseigner, glauben, dass Cryan nur noch wenig Zeit bleibt: "Wenn in den nächsten zwei Quartalen keine Fortschritte sichtbar werden, dann wird der Druck auf den Vorstand wachsen."

Heisser Herbst

Nach dem Hin und Her um eine Milliardenstrafe in den USA im vergangenen Jahr droht der Bank nun ein weiterer heisser Herbst. Die Aufsichtsratssitzung und die Vorlage der Quartalsbilanz in der kommenden Woche dürfte ein wichtiger Stimmungstest werden, wie Öffentlichkeit und Grossaktionäre Lage und Perspektiven einschätzen.

Dass die Erträge zurückgehen, gilt als ausgemacht. Analysten prognostizieren im Schnitt, dass das Institut im Sommer 6,8 Milliarden Euro eingenommen hat - ein Jahr zuvor waren es noch 7,5 Milliarden Euro gewesen. Damit dürfte sich ein Trend fortsetzen, der sich auch im Frühjahr gezeigt hatte: Zwischen Anfang April und Ende Juni lagen die Erträge mit 6,6 Milliarden Euro um zehn Prozent unter dem Vorjahr. Einer der wichtigsten Gründe dieser Entwicklung war wieder einmal der schwächelnde Handel, vor allem mit Anleihen - lange Jahre eine sichere Bank für das Institut.

Rückgang im Handelsgeschäft

Schon bei Goldman Sachs, Morgan Stanley und anderen zeigten sich kürzlich wegen der Zurückhaltung der Kunden und geringerer Schwankungen an den Finanzmärkten tiefe Bremsspuren im Handelsbuch. Das dürfte bei den Frankfurtern nicht anders sein. Allerdings klingelt bei der Konkurrenz wenigstens in anderen Sparten die Kasse, während die Deutsche Bank mit einem Konzerngewinn vor Steuern von einer halben Milliarde Euro die Erwartungen ihrer Aktionäre enttäuschen dürfte. Das jedenfalls prognostizieren Analysten, wie eine auf der Internetseite der Bank veröffentlichte Aufstellung zeigt. Filialschliessungen und der Personalabbau im Privatkundengeschäft drücken das Ergebnis.

Lichtblicke gibt es wenige, zumal strategische Grossprojekte wie der Börsengang der Vermögensverwaltung und die Integration der Postbank nicht so schnell vorangehen wie erhofft. Und auch Schlagzeilen, dass Cryan bis dato keine Zeit gefunden habe, bei seinem jüngsten Grossaktionär HNA wenigstens zum Antrittsbesuch vorbeizuschauen, dürften nicht für gute Stimmung sorgen - vor allem nicht beim mächtigen Aufsichtsratschef Paul Achleitner.

Auf Seiten einflussreicher Investoren wird die Kritik an Cryans Amtsführung aber auch mit Blick auf die Zahlen immer lauter: "Wenn der Vorstandschef der Deutschen Bank, wie er selbst sagt, mehr als die Hälfte seiner Zeit mit Kunden verbringt, dann muss sich das im Geschäft niederschlagen."

(Reuters)