Grossbanken stützen den SMI

Der Schweizer Aktienmarkt ist am Freitag mit festeren Notierungen in den Handel gestartet und erholt sich damit von den zuletzt erlittenen Einbussen.
17.06.2016 10:28
Nach dem Absturz der letzten Tage kann sich die Aktie der Credit Suisse am Freitag etwas erholen.
Nach dem Absturz der letzten Tage kann sich die Aktie der Credit Suisse am Freitag etwas erholen.
Bild: Bloomberg

Gute Vorgaben aus den USA und Asien zeichnen den Weg für die europäischen Märkte vor. Unterstützung bieten dabei die aktuell steigenden Ölpreise, auch wenn der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent noch ein gutes Stück von der wichtigen 50 USD-Marke weg ist. Im Fokus bleibt aber das "Brexit"-Referendum in Grossbritannien, wo etwas Hoffnung zum Verbleib der Briten in der EU aufgekommen ist. Vorausgegangen war der tödliche Angriff auf die britische Labour-Abgeordnete Jo Cox, eine "Brexit"-Gegnerin. Die Kampagnen dafür und dagegen waren daraufhin gestoppt worden.

Die Ausgangslage vor der Abstimmung in Grossbritannien bleibe unsicher und die Nervosität an den internationalen Börsen weiterhin gross, meinen Händler. Das lässt sich auch an der stark gestiegenen Volatilität ablesen. Allerdings vertreten einige Experten die Meinung, dass die "Brexit"-Ängste übertrieben sind. "Eine saubere Scheidung ist wahrscheinlicher als eine schmutzige", heisst es in einem Händlerkommentar. Schliesslich habe die EU ein Interesse an einer gütlichen Einigung mit Grossbritannien, sollte es denn soweit kommen. Gleichzeitig gelte es die zweiten Regierungswahlen in Spanien vom 26. Juni nicht aus den Augen zu verlieren, so ein weiterer Marktteilnehmer. Am Freitag könnten derweil Konjunkturzahlen aus der EU und später US-Häuserdaten Impulse bringen.

SMI steigt wieder über 7700 Punkte

Der Swiss Market Index (SMI) gewinnt bis 09.30 Uhr 1,72% auf 7'765,89 Punkte, auf Wochensicht verliert der Leitindex damit nur noch knapp 2%. Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, steigt um 1,86% auf 1'171,74 und der breite Swiss Performance Index (SPI) um 1,60% auf 8'406,17 Punkte. Alle 30 Blue Chips notieren in der Gewinnzone.

Im Handel dürften am Freitag nicht nur die politischen und konjunkturellen Unsicherheiten die Kurse bewegen. An den Terminmärkten findet heute nämlich der grosse Verfall bzw. der sogenannte "Hexensabbat" statt an dem traditionell mit grösseren Ausschlägen zu rechnen ist. Dagegen fehlen von Seiten der Blue Chips-Firmen börsenrelevante News.

Vor diesem Hintergrund klettern in erster Linie jene Aktien in die Höhe, welche zuletzt besonders an Wert eingebüsst haben. In vorderster Front stehen denn auch die Grossbankentitel der UBS (+3,2%) und der Credit Suisse (+3,6% auf 11,86 CHF). Vor allem Credit Suisse sind in den vergangenen Tagen stark unter die Räder gekommen.

Aber auch bei den Versicherungen Zurich Insurance (+3,0%), Swiss Life (+3,0%), Bâloise (+2,4%) und Swiss Re (+2,1%) sind mit der etwas besseren Börsenstimmung die Kurse auf den Erholungskurs eingeschwenkt. Kommt hinzu, dass die Auswirkungen der Überschwemmungen in Europa nach heutigem Stand wohl nur gering ausfallen dürften, wie die ZKB schreibt. So rechnen etwa Bâloise oder Helvetia (Aktie: +1,6%) wegen der Stürme in Deutschland lediglich mit Kosten in einstelliger Millionenhöhe.

Zykliker sind ebenfalls gefragt: LafargeHolcim gewinnen 2,7%, Schindler 2,3% oder Adecco 2,2%. Kursgewinne verzeichnen auch die Schwergewichte Novartis (+2,0%), Roche (+1,6%) und Nestlé (+1,2%). Sonova steigen am Tag nach dem Dividendenabgang um 2,1% in die Höhe. HSBC hat im Rahmen einer Branchenstudie das Rating und das Kursziel für die Sonova-Aktien erhöht. Nur leichte Avancen sind etwa bei Syngenta (+0,2%) oder Dufry (+0,4%) zu sehen.

Dorma+Kaba legen zu

Im breiten Markt stehen die Aktien des Sicherheitstechnik-Konzerns Dorma+Kaba (+3,0%) im Fokus. Das Unternehmen restrukturiert den Standort Deutschland und verlagert gewisse Aktivitäten in den Fernen Osten. Damit verbunden ist ein Abbau von rund 440 Stellen in Deutschland. Die Meldung zeige, dass die Integration langsam Formen annehmen, so ein Analyst.

Rieter gewinnen 1,9% nachdem der Vermögensverwalter Blackrock seinen auf über 5% von zuvor 4,5% erhöht hat. Goldbach Media (+2,1%) erhalten von der Verlängerung des wichtigen Werbevertrags mit RTL Deutschland Unterstützung.

Grössere Einbussen verzeichnen Kuros (-3,2%) oder Dottikon ES (-2,1%).

(AWP)