Grossbanken - Unicredit droht in Russland hoher Verlust - BNP sieht Risiko begrenzt

Ein Totalausfall milliardenschwerer Kredite und Vermögenswerte in Russland würde bei der italienischen Grossbank Unicredit ein deutliches Loch ins Kapitalpolster reissen.
09.03.2022 14:23
Filiale der französischen Grossbank BNP Paribas.
Filiale der französischen Grossbank BNP Paribas.
Bild: imago images / Hans Lucas

Im Extremfall würde die harte Kernkapitalquote um etwa zwei Prozentpunkte auf gut 13 Prozent sinken, teilte Unicredit am Dienstagabend in Mailand mit. Das entspräche immer noch dem oberen Ende der vom Management gesetzten Zielmarke. Allerdings geht die Unicredit-Führung nicht von diesem Extremszenario aus. Sie hält an der Dividende für 2021 fest und will allenfalls beim Aktienrückkauf Abstriche machen. Unterdessen schätzt die französische Grossbank BNP ihr direktes Risiko in Russland und der Ukraine als begrenzt ein, wie sie am Mittwoch in Paris mitteilte.

An der Börse wurden die Neuigkeiten mit Kurssprüngen belohnt. Die Unicredit-Aktie legte bis zur Mittagszeit um etwa acht Prozent auf rund 9,74 Euro zu. Das BNP-Papier gewann knapp acht Prozent auf 50,41 Euro. Allerdings hatte der Angriff Russlands auf die Ukraine den Unicredit-Kurs zuvor deutlich stärker in den Keller gedrückt. So wird das Papier immer noch rund 30 Prozent billiger gehandelt als am 23. Februar - dem Tag vor der Invasion. Bei der BNP-Aktie beträgt das Minus lediglich rund 15 Prozent.

Unicredit gehört in Europa zu den Instituten mit einem besonders starken Engagement in Russland - neben der österreichischen Raiffeisen Bank International und der französischen Societe Generale . Sie betreibt in dem Land 70 Filialen und beschäftigt etwa 4000 Mitarbeiter.

Die Russland-Tochter des Konzerns hatte Ende Dezember Kredite in Höhe von umgerechnet 7,8 Milliarden Euro in ihren Büchern. Dank Währungssicherungsgeschäften sei das Risiko der Unicredit aber auf 1,9 Milliarden begrenzt. Die grenzüberschreitende Engagements bei russischen Kunden summiert sich nach Angaben der Unicredit auf 4,5 Milliarden Euro. Dabei seien staatliche Exportgarantien bereits abgezogen.

Dennoch hält die Unicredit an dem Plan fest, für das abgelaufene Jahr insgesamt 1,2 Milliarden Euro als Dividende an ihre Aktionäre auszuschütten. Allerdings steht der geplante Aktienrückkauf in Höhe von 2,58 Milliarden Euro zumindest teilweise infrage - je nachdem, wie hoch die Belastung aus dem Russland-Geschäft ausfällt.

Unterdessen verschob die BNP Paribas in Reaktion auf den Ukraine-Krieg ihre Analystenkonferenz zu den Details ihrer mittelfristigen Ziele. Angesichts der russischen Invasion in die Ukraine und der humanitären Katastrophe sei es nicht angemessen, an der für kommenden Montag geplanten Veranstaltung festzuhalten, teilte die Bank am Mittwoch in Paris mit. Die Konferenz soll im Sommer nachgeholt werden.

Zugleich bestätigte das Management die Anfang Februar vorgestellten Eckpfeiler der neuen Strategie und die Ziele für 2025. Das direkte Engagement der Bank in der Ukraine und Russland sei mit rund drei Milliarden Euro vergleichsweise gering. Dies entspreche lediglich 0,16 Prozent des Gesamtgeschäfts der Bank. Dank Garantien und Sicherheiten liege das Nettorisiko der BNP in beiden Ländern sogar nur bei rund 500 Millionen Euro.

Wegen der Furcht vor den wirtschaftlichen Folgen des Kriegs in der Ukraine und einer im Raum stehenden Staatspleite Russlands gehören Bank-Aktien seit der russischen Invasion am 24. Februar zu den grössten Verlierern am Finanzmarkt.

Noch im Dezember hatte die Unicredit ihrem Osteuropa-Geschäft die höchste Profitabilität aller Geschäftsregionen vorhergesagt. Die Bank vefügt über Vermögenswerte in Höhe von etwa 12 Milliarden Euro in Russland. Zudem hatte sie die Übernahme der russischen Otikritie Bank ins Auge gefasst. Doch der Ukraine-Krieg kam dazwischen.

Nach Angaben der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich hatten italienische und österreichische Kreditinstitute ihr Russland-Geschäft seit Anfang 2015 ausgeweitet, während sich andere europäische Geldhäuser von dort zurückzogen. So hat auch die Deutsche Bank ihr Geschäft mit Russland in den vergangenen Jahren zurückgefahren.

Andere Staaten haben Russland nach dem Angriff auf die Ukraine in den vergangenen Tagen mit schwerwiegenden Wirtschaftssanktionen belegt. Mehrere Banken des Landes wurden von Teilen des globalen Finanzsystems abgeschnitten. Russland reagierte darauf mit Beschränkungen des Devisenhandels und Kapitalkontrollen. Ausländische Investoren können ihre Wertpapiere vor Ort nicht mehr verkaufen. Die Ratingagenturen Fitch und Moody's haben die Bonität Russlands auf Ramschniveau herabgestuft. Die Börse in Moskau ist seit Tagen geschlossen.

(AWP)

 
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