Grosse Akquisition - ABB übernimmt österreichische Automationsfirma

Mit der grössten Übernahme seiner Amtszeit baut ABB-CEO Ulrich Spiesshofer das Automationsgeschäft des Konzerns aus. Die österreichische Bernecker & Rainer Industrie-Elektronik dürfte rund zwei Milliarden kosten.
04.04.2017 09:25
Ulrich Spiesshofer, CEO von ABB.
Ulrich Spiesshofer, CEO von ABB.
Bild: cash

ABB kauft den österreichischen B&R-Konzern zu einem nicht genannten Preis. Damit wird laut dem Management der Bereich Industrieautomation gestärkt und eine bedeutende Lücke im Produktportfolio geschlossen. Die Rentabilität der gekauften Firma ist laut den Angaben vergleichbar mit jener von ABB.

ABB-CEO Ulrich Spiesshofer sieht in B&R nicht weniger als das "Microsoft der Industrieautomation". Er verweist dabei auf die Wachstumsstory des österreichischen Anbieters. In den letzten zwei Jahrzehnten sei die Gesellschaft um jährlich 11% gewachsen, habe inzwischen mehr als 4'000 Kunden und weise einen Umsatz von 600 Mio USD aus, sagte er am Dienstag an einer Telefonkonferenz. Erzielt wird dieser mit 3'000 Mitarbeitern, wovon ein Drittel Ingenieure seien. Zum Vergleich: Die ABB-Sparte Industrieautomation erzielte im letzten Geschäftsjahr einen Umsatz von rund 8 Mrd USD.

Mit der Übernahme schliesst ABB laut dem CEO eine "historische Lücke" in der Produktpalette. Die Transaktion bringe das Knowhow von B&R im Bereich der Maschinen- und Fabrikautomation mit dem Knowhow von ABB in den Bereichen Robotik, Prozessautomation, Digitalisierung und Elektrifizierung zusammen, heisst es in der Medienmitteilung. Es entstehe dadurch "eines der weltweit umfassendsten Angebote in der Industrieautomation". B&R ist demnach der "grösste unabhängige Anbieter" in seinem Marktsegment, das auf 20 Mrd USD beziffert wird.

Branchenüblicher Kaufpreis

Der Kaufpreis, den ABB an die beiden Firmengründer und alleinigen Besitzer entrichtet, wird nicht bekannt gegeben. Es handle sich jedoch um eine "branchenübliche Bewertung" heisst es. Die Transaktion werde aus Barmitteln finanziert. Sie soll bereits im kommenden Sommer abgeschlossen werden. CEO Spiesshofer erwartet keine regulatorischen Probleme, weil die Firmen komplementär seien.

"Mittelfristig" sollen die Verkäufe von B&R nun auf über 1 Mrd USD gesteigert werden, heisst es weiter. Laut Spiesshofer soll dieses Ziel innert maximal fünf Jahren erreicht werden, wie er an der Telefonkonferenz konkretisierte.

Denn mit der Übernahme sei ABB nun ideal positioniert, um die Wachstumschancen der Vierten Industriellen Revolution zu nutzen, heisst es weiter. Der Hauptsitz von B&R im oberösterreichischen Eggelsberg soll dabei zu ABBs globalem Zentrum für Maschinen- und Fabrikautomation werden, teilt die Gesellschaft weiter mit. B&R-Geschäftsführer Hans Wimmer werde diese leiten.

Positiv für Rentabilität

Schon ab dem ersten Jahr soll die Übernahme sich positiv auf den operativen Gewinn je Aktie auswirken, wird betont. In Sachen Profitabilität bewegt sich B&R laut Spiesshofer auf ähnlichem Niveau wie ABB. Er bezifferte die operative Marge auf 12%. Die erwarteten Synergien lägen bei rund 8% des B&R-Umsatzes und sollen im vierten Jahr nach Abschluss des Deals erzielt werden.

Die Grossaktionäre von ABB, Investor AB und Cevian sind laut dem Konzernchef über den Zukauf "sehr glücklich", betonte er weiter. Sie hätten ihm ein entsprechendes Feedback gegeben.

Die Firma B&R (Bernecker + Rainer Industrie-Elektronik GmbH) wurde 1979 von Erwin Bernecker und Josef Rainer gegründet. Die beiden Gründer bleiben dem Unternehmen während der Integrationsphase in beratender Funktion erhalten.

(AWP/Reuters)