Grösster Rückversicherer hofft auf Abschwächen des Preiskampfs

Der weltgrösste Rückversicherer Münchener Rück, Konkurrent der Zürcher Swiss Re, spürt weiterhin einen starken Wettbewerb.
11.09.2016 17:37
Hauptsitz der Münchener Rück, dem grössten Rückversicherer der Welt.
Hauptsitz der Münchener Rück, dem grössten Rückversicherer der Welt.
Bild: cash

"Wir sehen Preisrückgänge in den meisten Regionen und Geschäftsbereichen", sagte der für die Rückversicherung zuständige Top-Manager Torsten Jeworrek am Sonntag in Monte Carlo. Allerdings habe in den letzten Runden zur Erneuerung von Versicherungsverträgen der Druck auf Preise und Bedingungen etwas nachgelassen. Durch neue Produkte wie Cyberdeckungen oder der Versicherung von Epidemierisiken will die Münchener Rück neue profitable Wachstumsmöglichkeiten erschließen.

In Monte Carlo treffen Rückversicherer, Makler und Kunden zusammen, um die Konditionen für die Erneuerung eines großen Teils der Rückversicherungsverträge im traditionellen Schadens- und Unfallgeschäft zum Jahreswechsel vorzubesprechen. Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) erwartet für 2017 einen Rückgang der Prämien um bis zu fünf Prozent, der Konkurrent Fitch rechnet mit einem Minus im "niedrigen einstelligen" Prozentbereich.

Die Branche leidet seit Jahren unter einer Preiserosion. Zum einen drängt neue Konkurrenz in den Markt: Hedgefonds und andere finanzkräftige Kapitalgeber, die sich im Niedrigzinsumfeld mit niedrigeren Renditen zufriedengeben als die auf ihr Risiko bedachten Rückversicherer. Zum anderen gab es länger keine für die Branche kostspieligen Naturkatastrophen mehr, so dass viele Erstversicherer glauben, mehr Risiko selbst tragen zu können.

Die großen Rückversicherer verzichten lieber auf Geschäft als sich voll auf den Preiskampf einzulassen. Hoffnung macht der Münchener Rück die zunehmende Nachfrage nach individueller Rückversicherung für komplexe Anforderungen. Bereits heute erziele der Konzern mit innovativen Produkten Prämieneinnahmen von rund 500 Millionen Euro.

"Wir möchten dem wachsenden Bedarf unserer Kunden entsprechen. Daher bauen wir unsere Fähigkeiten bei der Beurteilung der verschiedenen Cyberrisiken systematisch aus", sagte Vorstandsmitglied Thomas Blunck. Die weltweiten Prämien für Cyberversicherungen beispielsweise gegen Hackerangriffe würden von aktuell rund drei Milliarden Dollar bis 2020 auf acht bis zehn Milliarden Dollar steigen.

(Reuters)