Gründer von Vanguard - Die fünf Prognosen der Investoren-Legende Jack Bogle

Vanguard-Gründer und Börsenveteran Jack Bogle äussert seine Ansichten zu den Finanzmärkten gern sehr direkt. Im US-Fernsehen hat er fünf Prognosen für die nächsten zehn Jahre abgegeben. Unverblümt, aber bedenkenswert.
21.11.2017 14:29
Von Marc Forster
John C. Bogle, der Gründer der Vanguard Group.
John C. Bogle, der Gründer der Vanguard Group.
Bild: Bloomberg

John Clifton oder eben "Jack" Bogle mag mit seinen 88 Jahren ein bisschen aussehen wie eine Figur aus der Fantasyroman-Verfilmung "Herr der Ringe" - bekannt ist der knorrige Gründer von Vanguard, einem der grössten Vermögensverwalter der Welt, aber für etwas anderes: Dass er sich mit deutlichen und eindeutigen Aussagen zu den Finanzmärkten nicht zurückhält.

Bogle gründete 1974 das Unternehmen, das indexbasierte Investmentfonds (ETF) vertreibt. Für aktiv gemanagte Fonds hat er wenig übrig, und dies sagt er auch regelmässig in der Öffentlichkeit. "Stars" sowohl bei Aktien als auch bei Fondsspezialisten sind ihm suspekt. Beratungskosten hält er oft für überrissen. Er plädiert unter anderem für tiefe Fondsgebühren, fokussiertes Investieren und rät dazu, Fonds zu kaufen und dann zu halten. Dabei vertraut er dem US-Markt einiges mehr als den übrigen Finanzmärkten der Welt.

Im Herbst veröffentlichte Bogle die mittlerweile zehnte Ausgabe seines Buchs "Little Book of Common Sense Investing", wo er seine Erkenntnisse und Ansichten zum Finanzmarkt ausführt. In einem Interview, das er kürzlich dem amerikanischen Sender CNBC gegeben hat, stellte Bogle nun fünf Prognosen auf. Wie für ihn typisch, sind sie dezidiert und ein bisschen gewagt. Aber auch wohlüberlegt:

1. Der US-Markt ist sicherer als die übrigen Märkte

Der US-Aktienmarkt sei ein Stellvertreter für die übrigen Märkte, sagt Bogle. Aber die USA bleiben seiner Ansicht nach der beste Ort zum Investieren: "US-Unternehmen sind innovativ und denken unternehmerisch", sagt er. Langfristig brächten ausländische Märkte nicht mehr Rendite.

In der Langfrist-Retrospektive hat Bogle Recht: Der S&P 500 hat im Zehn-Jahres-Schnitt mit 8 Prozent rentiert, der Index MSCI EM für Schwellenländer mit nur 1,7 Prozent. Der MSCI EAFE für Märkte ausserhalb der USA und Kanada hat 2 Prozent Rendite ermöglicht. Seit Jahresanfang haben die internationalen Indices aber den US-Markt übertrumpft: S&P 500 mit 17,5 Prozent Kursanstieg steht gegen Schwellenländer mit 33,2 Prozent und die Märkte ohne USA und Kanada mit 21,4 Prozent.

2. Aktien-Renditen gehen in den nächsten zehn Jahren zurück

Trotz seines grossen Vertrauens in den US-Markt glaubt Bogle, dass die Aktien-Renditen in den nächsten Jahren in den USA zurückgehen werden. Er leitet dies unter anderem daraus ab, dass Dividendenrenditen von ihrem historischen Mittelwert bei 4,4 Prozent auf 2 Prozent zurückgekommen sind. Das Gewinnwachstum wiederum ist von 6 auf 4 Prozent zurückgefallen.

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis im Markt dürfte laut Bogle von aktuell 24 auf etwa 20 am Ende des Jahrzehnts zurückgehen. Dies drücke die Rendite des Aktienmarkts um 2 Prozentpunkte, wodurch 4 Prozent Rendite für die nächsten zehn Jahre blieben. Historisch lag der Wert bei 10 Prozent.

3. Ein Anleihen-Portefeuille bringt 3,1 Prozent Rendite jährlich

Bogle errechnet seine Prognose für den Anleihenmarkt in den nächsten zehn Jahren aus zwei Werten: 2,2 Prozent Rendite auf zehnjährigen US-Regierungsanleihen und 3,9 Prozent Langfrist-Rendite von Unternehmen mit anlagewürdiger Bonität (investment grade). Im Schnitt sind dies 3,1 Prozent.

Bogle sagt, die Bondrenditen seien deutlich von den Zinsen abhängig, wie sie beim Kauf der Anleihe bestünden. Historisch gesehen gebe es eine sehr enge Verbindung zwischen ursprünglicher Rendite und der Zehn-Jahres-Rendite, wenn die Anleihen bis zum Verfall gehalten würden.

4. ETF werden Grosskonzerne unter Druck setzen

"Die Index-Revolution wird Anlegen revolutionieren", sagt Bogle. 41 Prozent aller Aktienanlagen lägen in passiven Fonds, mit steigender Tendenz. ETF haben bekanntlich tiefere Gebühren als aktiv gemanagte Fonds und andere Finanzprodukte.

Diese Erkenntnis gewinne an Bedeutung: Es werde immer mehr Anlegern klar, dass die Finanzindustrie sie über hohe Gebühren schröpfe, und dass die Branche zudem gut darin sei, solche Extrakosten gut zu verstecken. Bogles Standpunkt ist: "Es wird immer klarer, wie wichtig es ist, an die Rendite zu kommen, bevor die Geier sich daran bedienen."

5. Mit «Impact Investing» wird man weniger verdienen als erhofft

"Nachhaltiges" Investieren ist zwar eine Nische, aber dennoch ein 70-Milliarden-Dollar-Markt, wo auch Grössen wie Blackrock und Goldman Sachs präsent sind. Aber Engagements in Umweltschutz- oder Sozial-Themen sind laut Bogle auch eine Form aktiven Managements.

In der Tat hat der Sustainability-Index MSCI ACWI in den vergangenen zehn Jahren im Schnitt null Rendite erzielt. Wer sich zugunsten der Natur oder gesellschaftlicher Themen engagieren wolle, solle lieber als Konsument Unternehmen boykottieren, rät Bogle: "Das ist viel effektiver."