Gut gewappnet für den nächsten Crash

Es mehren sich die Stimmen, die vor einem Ende der aktuellen Börsen-Party warnen. Drei Möglichkeiten, wie man seine Aktien vor dem nächsten Absturz schützt.
27.04.2015 01:01
Von Ivo Ruch
Wenn die Kurse auf breiter Front purzeln, sollte man bereit sein.
Wenn die Kurse auf breiter Front purzeln, sollte man bereit sein.
Bild: Bloomberg

Die Börsen-Hausse, in der wir uns zurzeit befinden, ist historisch eine der längsten. Ein paar Zahlen dazu: In den letzten sechs Jahren hat sich der Wert des S&P 500 verdreifacht, der Swiss Market Index notiert nahe am Allzeithoch, genauso wie der deutsche Dax. Auch der japanische Aktienmarkt ist seit dem Höhepunkt der Finanzkrise um 280 Prozent angestiegen.

Nur selten in der Vergangenheit hielt eine Börsen-Rallye derart lange an. Kein Wunder, werden die Stimmen von Crash-Propheten wie Marc Faber, Nouriel Roubini oder Albert Edwards wieder lauter, die den Börsen heftige Abstürze voraussagen. Ihre Argumente: Die Aktienmärkte haben sich von der Realwirtschaft abgekoppelt. Die fundamentalen Verhältnisse haben sich seit der Finanzkrise kaum verbessert, die weltweite Verschuldung ist heute deutlich grösser als 2007. "Die Aktienhausse wird in einer Katastrophe enden", schrieb beispielsweise Aktienstratege Edwards unlängst in einem Kommentar.

Doch das Verflixte an Börsenschwankungen ist, dass sie sich selten ankündigen. Rumpelt es also das nächste Mal an den Börsen, sollten Aktienbesitzer bereits vorbereitet sein. Dafür gibt es einige Instrumente, mit denen man sich zumindest teilweise absichern kann.

ETF auf Volatilitätsindizes

Kursschwankungen an den Märkten sind ein Zeichen von Nervosität. Es gibt Indizes, die diese Nervosität abbilden und zwar mittels gehandelter Aktienoptionen. Die Entwicklung dieser Indizes wird wiederum von Indexfonds abgebildet, die sich eignen, um an Kursschwankungen mitzuverdienen. Das bekannteste Angstbarometer ist der "Chicago Board Options Exchange SPX Volatility Index", besser bekannt als VIX. Für die Schweiz gibt es den Volatilitätsindex des Swiss Market Index (VSMI). Beide Indizes sind in diesem Jahr rückläufig. Um an Kursschwankungen mitzuverdienen eignen sich Indexfonds (ETF). Hier eine Auswahl:

Name Valor Basis-Index Währung TER
Source J.P. Morgan Macro Hedge 14447830 S&P 500 und Euro STOXX50 EUR 0,25%
Source Nomura Voltage Mid-Term 12883876 S&P 500 USD 0,30%
Lyxor Daily Double Short SMI 11202645 SMI CHF 0,60%

Quelle: cash.ch, Stand 23. April 2015

Put-Optionen

Eine weitere Alternative ist, die fallenden Kurse mit sogenannten Puts abzusichern. Das sind Verkaufsoptionsscheine, die dem Besitzer das Recht geben, einen Basiswert zu einem festgelegten Preis abzustossen. Und zwar während eines vordefinierten Zeitrahmens. Tritt der Rückschlag dann wie erwartet ein, gleichen die Puts einen Teil der Aktienverluste wieder aus. Steigen die Kurse dennoch, geht zwar das Geld für die Puts verloren. Doch dank den Aktien partizipieren Anleger trotzdem am Aufschwung.

So funktioniert eine Put-Option im Detail: 1. Der Put muss sich auf die Aktie oder den Index beziehen, den es abzusichern gilt. 2. Die Laufzeit des Puts sollte der Zeitspanne entsprechen, während der ein Absturz erwartet wird. 3. Die benötigte Menge Puts berechnet sich wie folgt: Der abzusichernde Betrag wird geteilt durch den Ausübungspreis und mit dem Bezugsverhältnis multipliziert. Ein Beispiel: Ein Anleger möchte 10'000 Franken absichern, die er in den SMI investiert hat, bei einem aktuellen Stand von 9300 Punkten und einem Bezugsverhältnis von 500. Dann benötigt er 538 Optionen, um das Depot bei 9300 Punkten abzusichern (10'000/9300x500). Da Puts auch für erfahrene Anleger nicht ganz einfach zu verstehen sind, ist eine genaue Prüfung und ein Vergleich verschiedener Produkte angezeigt.

Stop-Loss-Auftrag

Für etwas geübtere Trader eignen sich Stop-Loss-Aufträge. Sie werden erst dann ausgelöst, wenn der Wertschriftenkurs eine bestimmte Schwelle (Trigger) berührt. Dieses Instrument wird genutzt, um mögliche Verluste einzugrenzen und eignet sich bei eingeschränktem Zugriff auf das eigene Portfolio.

Wenn Sie beispielsweise eine Wertschrift mit aktuellem Kurs bei 120 Franken gegen einen Absturz schützen möchten, dann setzen Sie einen Stop Loss bei 80 Franken. Sobald der Kurs diese Marke nach unten durchbricht, wird die Aktie "bestens" verkauft. Allerdings ist auch diese Strategie nicht ganz sicher. Wenn sich ein Kurs im freien Fall befindet (zum Beispiel Euro-Franken nach der Aufhebung des SNB-Mindestkurses), ist eine Preisbildung nicht möglich. Der Stop-Loss-Auftrag wird dann erst ausgeführt, wenn wieder ein stabiler Handel möglich ist – möglicherweise deutlich unter der angegebenen Schwelle.

Timing über alles

Bei aller Zweckmässigkeit solcher Produkte ist die effizienteste Art der Crash-Absicherung immer noch das rechtzeitige Kaufen und Verkaufen von Aktien. Auch hier kann die Volatilität ein wichtiger Anhaltspunkt sein. Ein hoher Wert der Volatilität weist auf einen unruhigen und unsicheren Markt hin, niedrige Werte lassen dagegen eine Entwicklung ohne grössere Kursschwankungen erwarten. Insofern dienen Indizes wie der VIX oder der VSMI als Masszahl für die "Angst" der Anleger. In der Vergangenheit war zu beobachten, dass die Volatilität besonders bei nachgebenden Aktienkursen stark anstieg (siehe Chart). Hingegen ging mit steigenden Aktienkursen fast immer ein Rückgang der Volatilität einher. Statistiker sprechen daher auch von einer negativen Korrelation zwischen VIX und S&P 500.

Sinkt also der VIX, während die Aktienkurse klettern, so liefert dies eine Bestätigung des Aufwärtstrends an den Börsen. Steigt dagegen der VIX, so ist dies ein Warnzeichen: In der Vergangenheit deuteten sich so häufig frühzeitig fallende Aktienkurse an.

Korrelation zwischen SMI (blau) und VSMI (grün), Quelle: UBS.