«Haben erhofftes Wachstum nicht erreicht»

Sonova-Chef Lukas Braunschweiler sagt im cash-Video-Interview, weshalb das Umsatzziel im vergangenen Jahr nicht erreicht wurde und ob der Einstieg ins Implantate-Geschäft ein strategischer Fehler war.
18.05.2016 11:59
Von Pascal Züger, Stäfa
Lukas Braunschweiler, CEO von Sonova.
Bild: cash

Sonova konnte im Geschäftsjahr 2015/16 die Erwartungen nicht erfüllen. Man wuchs 5,8 Prozent, was unter der eigenen Guidance von plus 6 bis 8 Prozent lag. Zur ursprünglichen Zielsetzung vom letzten Jahr fehlen dem Hörsystem-Hersteller ungefähr 40 Millionen Franken Umsatz.

"30 Millionen des fehlenden Umsatzes stammen aus dem Implantat-Geschäft, welches in der ersten Jahreshälfte nicht gewachsen ist", sagt CEO Lukas Braunschweiler im cash-Video-Interview. Die restliche Lücke im Wachstum erklärt sich Braunschweiler mit dem Geschäft von Costco in der zweiten Jahreshälfte, welches weniger wuchs, als man sich vorgenommen hatte. Costco ist eine US-Einzelhandelskette, welche seit April 2014 mit Produkten von Sonova beliefert wird.

Sonova stieg im Jahr 2009 - damals unter CEO Valentin Chapero - in das Geschäft mit Hörimplantate ein, indem man die Advanced Bionics Corporation für rund eine halbe Milliarde Dollar erwarb. Das US-Unternehmen gehörte zu den Marktführern in der Entwicklung und Herstellung der sogenannten Cochlea-Implantate, welche direkt in die Hörschnecke operiert werden.

Implantate-Geschäft als Sorgenkind

Die Erwartungen an dieses Geschäft waren gross, konnten jedoch bisher nicht erfüllt werden. War der Einstieg ins Implantate-Geschäft rückblickend etwa gar ein Fehler? "Strategisch war es ganz sicher ein richtiger Entscheid", meint Braunschweiler. Weltweit hätten bereits rund 400‘000 Menschen ein Hörimplantat und der Markt wachse weiter, bei gleichzeitig nur drei Anbietern.

Was man jedoch kritisieren könne, so Braunschweiler weiter, sei die prognostizierte schnelle Ausbreitung des Geschäfts. "Wir haben in den letzten Jahren sicherlich nicht das Wachstum erreicht, welches wir uns ursprünglich erhofften."

Im Geschäftsjahr 2015/16 verzeichnete Sonova im Cochlea-Implantate-Segment einen Umsatzrückgang von 2,4 Prozent, konnte aber - nach einem schlechten ersten Halbjahr - immerhin in der zweiten Jahreshälfte wieder in sämtlichen Regionen etwas wachsen.

Zurückhaltender Ausblick

Die Guidance für das laufende Jahr fällt für viele Anleger enttäuschend aus. Anstatt dem von Experten erwarteten Umsatzwachstum von 6 bis 8 Prozent, bei einem Wachstum der operativen Marge (EBITA) um 8 bis 12 Prozent, geht man bei Sonova von einem Wachstum des Umsatzes zwischen 4 und 6 Prozent sowie einem Wachstum der operativen Marge von nur 3 bis 7 Prozent in Lokalwährungen aus.

Dieser verhaltene Ausblick könnte auch der Haupttreiber für den heutigen Fall der Sonova-Aktie sein: Stand Mittwoch-Mittag fiel diese im heutigen Handel bisher um ganze 8 Prozent.

Braunschweiler jedoch spricht von einem Jahr, in dem man breitbandig wachsen wolle. Sowohl bei den Implantaten, als auch bei den Hörgeräten. Zwei Effekte würden das Wachstum im Hörgeräte-Bereich aber etwas bremsen: Zum einen könne es wegen der Ankündigung des Audionova-Kaufes im Markt ein Gegenwind geben, da unabhängige Anbieter neue Konkurrenz befürchten könnten, zum anderen würden Sonova in den ersten 9 Monaten im Vorjahresvergleich etwa 15 bis 18 Millionen Franken fehlen, da im vergangenen Januar das italienische Retail-Business verkauft wurde.

Was sich Sonova-CEO Lukas Braunschwiler von der Übernahme von AudioNova erhofft, und  ob der Anschluss zur Konkurrenz im Bereich der drahtlosen Technologie etwas verpasst wurde, sehen Sie im cash-Video-Interview.