Halbleiterzulieferer - Nimmt Comet der Opposition den Wind aus den Segeln?

Der Halbleiterzulieferer Comet schneidet 2018 besser ab, als Analysten befürchtet hatten. Weil auch die Dividendenkürzung nicht ganz so einschneidend ausfällt, legt die Aktie kräftig zu.
11.02.2019 16:13
Von Lorenz Burkhalter
Das Logo der Comet Gruppe.
Das Logo der Comet Gruppe.
Bild: ZVG

Der Halbleiterzulieferer Comet blickt auf ein schwieriges Geschäftsjahr zurück. Mit 436,4 Millionen Franken liegt der Umsatz zwar nur leicht unter Vorjahr. Nichts desto trotz bricht der operative Gewinn (EBITDA) im Jahresvergleich um 40 Prozent, der Reingewinn sogar um gut 65 Prozent ein.

Sowohl der Jahresumsatz als auch der operative Gewinn (EBITDA) bewegen sich damit am oberen Ende der im November letztmals nach unten angepassten firmeneigenen Zielvorgaben. Während die diesbezüglichen Analystenerwartungen übertroffen werden, bleibt der Reingewinn hinter letzteren zurück.

Das Unternehmen beantragt eine um 20 Prozent tiefere Jahresdividende von 1,20 Franken je Aktie. Analysten waren bisweilen von gerademal 0,46 (UBS) bis 0,80 Franken (Zürcher Kantonalbank) ausgegangen. Beobachter sehen darin denn auch einen Versuch, den oppositionellen Aktionären um den Vermögensverwalter Veraison den Wind aus den Segeln zu nehmen. Ähnliches vermuten sie bei den rückblickend eher tief angesetzten Zielvorgaben.

Nach einem Vorstoss bis auf 90,90 Franken gewinnt die Comet-Aktie an der Schweizer Börse SIX zur Stunde noch 2,2 Prozent auf 89,50 Franken. 

Unsicherheit bleibt hoch

Wie die Bank Vontobel schreibt, liegt das vorläufige Jahresergebnis trotz einer starken Verlangsamung in der Halbleiterindustrie insgesamt über den Erwartungen. Dass der Verwaltungsrat eine Dividende zu Lasten des einbezahlten Kapitals vorschlägt, führt die Zürcher Bank auf eine solide Cashflow-Generierung, eine verbesserte Eigenkapitalquote sowie eine reduzierte Nettoverschuldung zurück. Vontobel rechnet zwar mit einer schwierigeren ersten Jahreshälfte, hält aber trotzdem an der Kaufempfehlung sowie am Kursziel von 115 Franken fest.

Zurückhaltender gibt sich die Zürcher Kantonalbank. Sie sieht das Jahresergebnis nur kurzfristig für eine leichte Entspannung sorgen, sei auf notwendige Strategieanpassungen bis dato doch verzichtet worden. Der Zürcher Kantonalbank zufolge könnte sich dies nach dem Ausscheiden von Hans Hess aus dem Verwaltungsrat unter Umständen ändern. Sie zählt die Fokussierung der Geschäftsfelder zur Kernaufgabe von Hess' Nachfolger. Angesichts der hohen Unsicherheiten wird die Comet-Aktie weiterhin nur mit "Marktgewichten" eingestuft.

Ähnlich tönt es seitens von Baader-Helvea, wobei auf die unsicheren Aussichten im laufenden Jahr sowie auf den Zwist mit oppositionellen Aktionären angespielt wird. Bei Baader-Helvea wird nicht ausgeschlossen, dass auch Letzteres das Tagesgeschäft in Mitleidenschaft ziehen könnte. Das Anlageurteil lautet deshalb wie bis anhin "Hold" mit einem Kursziel von 95 Franken.

Geht der Machtkampf in die nächste Runde?

Auf Druck der oppositionellen Grossaktionäre um den Vermögensverwalter Veraison tritt der langjährige Verwaltungsratspräsident Hans Hess an der kommenden Generalversammlung zurück. Darüber, wer Hess in seiner Funktion beerben soll, herrscht allerdings Uneinigkeit.

Während Comet den deutschen Physiker Christoph Kutter zur Wahl aufstellt, möchten die oppositionellen Grossaktionäre den früheren VAT-Group-Chef Heinz Kundert an der Spitze des Verwaltungsrats installieren.

Doch nicht nur in dieser Personalie, auch bei der zukünftigen Geschäftsstrategie geht das Unternehmen auf Konfrontationskurs mit Veraison. Der Vermögensverwalter fordert eine Verschlankung von vier auf drei Geschäftseinheiten. Davon will man beim Unternehmen selber aber partout nichts wissen.

Seit Januar ist bekannt, dass Veraison den Anteil an Comet auf 10 Prozent aufgestockt hat. Die Forderungen des für seine aktive Einflussnahme bei Unternehmen berüchtigten Vermögensverwalters scheinen auch bei Pictet & Cie auf offene Ohren zu stossen. Die Genfer Privatbank hält gut 5 Prozent der Stimmen. Beim Halbleiterzulieferer mit an Bord ist auch der Camox Master Fund. Letzterer spielte beim Verkauf der einstigen Swissair-Tochter Gategroup nach China eine tragende Rolle.

Angesichts dieser geballten Opposition sehen Beobachter den Machtkampf in die nächste Runde gehen. Mit der grosszügigen Jahresdividende und dem nicht ganz so katastrophalen Zahlenkranz nehme das Unternehmen den Aktionären um Veraison allerdings etwas den Wind aus den Segeln, so lautet der Tenor.