Handel Schweiz warnt vor Jobverlusten durch Digitalisierung

Jedem zweiten Handelsunternehmen in der Schweiz fehlt laut einer Studie des Branchenverbands Handel Schweiz das digitale Know-how, um der Konkurrenz im Online-Handel Paroli bieten zu können.
21.09.2016 11:04
Ein Lastwagen von Coop@home ist für die Auslieferung bereit.
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Bild: ZVG

Daher sieht der Verband 250'000 Arbeitsplätze bedroht.

Gemäss der Studie treiben zwar nahezu alle der befragten Handelsunternehmen die Kundenbindung auf digitalem Weg voran, doch beinah ebenso viele haben Schwierigkeiten bei der Umsetzung digitaler Projekte. Dies, weil vor allem technische Voraussetzungen, Wissen und Fachkräfte fehlten, wie der Verband am Mittwoch mitteilt.

Nahezu die Hälfte der befragten Unternehmen fühlt sich durch branchenfremde Anbieter bedroht. So tauchten etwa ausländische Direktanbieter plötzlich auf und machten sich in Märkten breit, führt Kaspar Engeli, Direktor des Verbandes Handel Schweiz, bei der Präsentation der Studie aus. Aber das sei ja genau das Merkmal der Digitalisierung und des Internets: "Jeder hat jederzeit die Möglichkeit, sehr rasch in jeden beliebigen Markt einzusteigen", so Engeli.

Digitalisierung sehr präsent

Zudem sieht jedes zweite Unternehmen die digitale Konkurrenz wie Amazon als Bedrohung. Dies korreliere mit der Tatsache, dass 77% der Firmen diese Plattformen nicht nutzen. "Das Unbekannte als latente Bedrohung", fasst Engeli die Einstellung zahlreicher Händler zusammen.

Die Studie zeigt auch, dass das Thema Digitalisierung im Handel zwar sehr präsent ist, die Umsetzung von digitalen Strategien aber meist an aufwendigen internen Abstimmungen scheitert. Laut Studie sind 96% der 3'700 befragten Unternehmen überzeugt, dass die Digitalisierung das Handelsgeschäft verändert; 91% treiben daher gerade Projekt zur digitalen Kundenbindung voran. Diese Vorhaben umgesetzt haben jedoch gerade mal 59% der Befragten.

"Neun von zehn Unternehmen haben Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Digitalisierung", fasst Engeli zusammen. "Dabei ist das Wissen über die Möglichkeiten der Digitalisierung ebenso zentral wie die Auseinandersetzung mit dem eigenen Geschäftsmodell und dem Mehrwert für Kunden."

Individuelle Lösung

Laut Engeli gibt es aber keine pauschalen Rezepte, um bei der digitalen Evolution mitzuhalten. Jede Firma sei selbst gefordert, geeignete Lösungen umzusetzen.

Beim Detailhändler Volg etwa setze man stark auf Themen wie Frischeprodukte für den täglichen Bedarf, führte Ferdinand Hirsig, Leiter Division Detailhandel/Energie bei der Fenaco, bei der Vorstellung der Studienergebnisse aus. Man mache sich die Digitalisierung dabei vor allem bei der Logistik zunutze. So seien etwa die Kassen der einzelnen Filialen durch ein neues Kassensystem mit der Zentrale vernetzt.

Der Werkzeug-Händler Brütsch/Rüegger Tools habe dagegen schon Ende der 90er Jahre als einer der ersten seiner Branche auf Digitalisierung gesetzt, betont der Geschäftsführer Martin Wirth. "Digitalisierung ist der Lebensnerv" der Gruppe. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben europäischer Branchenführer bei der elektronischen Bestellabwicklung.

(AWP)