Hedgefonds-Pleite - Der Zusammenbruchs von Archegos weckt Datenappetit bei der EZB

Die Europäische Zentralbank erfragt bei den von ihr beaufsichtigten Banken derzeit genauere Daten zu ihrem Geschäft mit Hedgefonds.
13.04.2021 18:45
Der Sitz der Europäischen Zentralbank in Frankfurt, im Vordergrund die Flösserbrücke über den Fluss Main.
Der Sitz der Europäischen Zentralbank in Frankfurt, im Vordergrund die Flösserbrücke über den Fluss Main.
Bild: imago images / Marcel Lorenz

Die Folgen des Zusammenbruchs von Archegos für die besonders exponierten Banken haben bei den Frankfurter Aufsehern neuen Datenappetit geweckt, heisst es bei mit der Situation vertrauten Personen.

Das Interesse der Aufsicht richtet sich dabei naturgemäss auf Banken mit einer signifikanten Prime Brokerage wie etwa Deutsche Bank oder BNP Paribas, sagten die Personen. Nach ausserordentlichen Ereignissen für die Branche wie dem Fall Archegos seien solche Nachforschungen Standard, hiess es weiter.

Die EZB wollte sich zu dem Thema ebenso wenig äussern wie die genannten Banken.

Der Kollaps von Archegos, formell ein Family Office, das praktisch aber wie ein Hedgefonds agierte und vor allem auf hoch gehebelte Aktienwetten setzte, könnte alles in allem zehn Milliarden Dollar (8,4 Milliarden Euro) Verluste im Bankensektor auslösen, haben Analysten von JPMorgan errechnet. Alleine die Schweizer Credit Suisse erwartet einen Abgang von 4,4 Milliarden Franken (4 Milliarden Euro) aus diesem Engagement im ersten Quartal. Auch die japanische Nomura Holdings musste bluten.

Ohne grössere Verluste davongekommen

Im Gegensatz dazu scheinen Banken aus der Eurozone im wesentlichen ohne grössere Verluste davongekommen zu sein. Die Deutsche Bank, die auch ein milliardenschweres Exposure hatte, konnte es in letzter Sekunde noch ohne namhaften Verlust losschlagen, wie Bloomberg bereits berichtete.

Die Wetten von Archegos wurden über die Prime Brokerages einer Reihe von Investmentbanken platziert. Auf diesem Weg borgte sich Archegos letztlich massiv Fremdkapital, um seine Gewinne damit zu vervielfachen. Als die Wetten begannen schief zu laufen und die Banken Nachschussforderungen stellten, konnte das Family Office diese nicht mehr bedienen. Die Banken wiederum waren gezwungen, die von Archegos gegebenen Sicherheiten in einen fallenden Markt hinein abzuverkaufen.

Prime Broker sind auf Bankdienstleistungen für Hedgefonds spezialisiert, denen sie etwa Geld oder Wertpapiere leihen - ein lukratives aber riskantes Geschäft, in dem nicht alle Institute vertreten sind. Banken wie Barclays, BNP Paribas, Credit Suisse, Societe Generale oder UBS haben in dem Bereich 2019 Erträge von zusammen vier Milliarden Dollar erwirtschaftet, hat JPMorgan errechnet.

(Bloomberg)

 
Aktuell+/-%
Deutsche Bank N11.298-1.60%
BNP Paribas A55.80-0.04%
JPMorgan Chase Rg158.54-1.66%
EUR/USD1.2136-0.12%
CS Group N9.062-1.29%
Nomura Hldg Rg
EUR/CHF1.0983+0.02%
Barclays Rg1.800-2.94%
Societe Generale25.25-1.50%
UBS Group N13.625-3.23%