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Heisser Kandidat für ein Kursfeuerwerk

Gegen Logitech laufen grosse Wetten. Das könnte sich für die Aktie als Vorteil erweisen. Hauchen ihr schon bald aggressive Deckungskäufe neues Leben ein?
12.10.2015 00:55
Von Lorenz Burkhalter
Hat das Unternehmen wieder auf den rechten Weg gebracht: Logitech-Chef Bracken Darrell.
Hat das Unternehmen wieder auf den rechten Weg gebracht: Logitech-Chef Bracken Darrell.
Bild: cash

Aus Sicht eines Leerverkäufers waren die letzten Jahre keine einfachen. Es bedurfte schon einer feinen Nase, um mit Wetten auf rückläufige Kurse Geld zu verdienen.

Der grösste Feind des Leerverkäufers ist der sogenannte "Short Squeeze". Dieser Begriff aus dem angelsächsischen Sprachgebrauch steht für aggressive und den Aktienkurs antreibende Eindeckungstransaktionen.

Aktuellstes Beispiel ist Sulzer. Als am Montag das Ergebnis des Pflichtangebots seitens des russischen Milliardärs Viktor Vekselberg bekannt wurde, schoss die Aktie des Industriekonzerns innerhalb weniger Minuten um knapp 6 Prozent auf 103,40 Franken nach oben. In den darauffolgenden zwei Tagen liessen von Panik geprägte Deckungskäufe den Kurs in der Spitze sogar bis auf 113,50 Franken klettern.

Das weckt den Appetit auf mehr. Es überrascht daher nicht, dass im hiesigen Berufshandel eine Jagd nach Aktien mit einer vergleichbaren Ausgangslage entbrannt ist. Als wahrscheinlichster Kandidat für einen "Short Squeeze" nach dem Vorbild von Sulzer wird Logitech genannt.

Wiedergewonnene Innovationskraft

Unter dem neuen Chef Bracken Darrell sind Logitech in den vergangenen zwei Jahren im zuvor darbenden Tagesgeschäft Fortschritte gelungen. Branchenkennern zufolge hat der in Lausanne beheimatete Peripheriegerätehersteller zur alten Innovationskraft zurückgefunden. "Bei Logitech herrscht mittlerweile die Kultur eines Startup-Unternehmens", so ist zu hören.

Das ist auch nötig, ist das Geschäft mit Peripheriegeräten für PCs, Tablet-PCs und Smartphones doch hart umkämpft. Mit innovativen und in Rekordzeit auf den Markt gebrachten Produkten lässt sich für die Anbieter aber immer noch gutes Geld verdienen. Das hat Logitech in den letzten Quartalen eindrucksvoll unter Beweis gestellt und die Analystenerwartungen mehrere Male hintereinander ziemlich deutlich übertroffen.

Fahren mit angezogener Handbremse

Der Aktie selber half das nicht. Seit gut zwei Jahren befindet sie sich in einer Seitwärtsbewegung zwischen 10,50 und 15,50 Franken. Am Freitag näherten sich die Kursnotierungen erstmals seit Mitte September wieder der wichtigen charttechnischen Marke von 13,60 Franken. Das wiederum sorgte bei den Leerverkäufern für Nervosität. Schliesslich sitzen diese auf Wetten in der Grössenordnung von knapp 13 Prozent aller ausstehenden Titel. Das ist zwar kein Rekord, liegt der Spitzenwert doch bei gut 18 Prozent. Allerdings reicht das völlig aus, um bei einem Sprung über 13,60 Franken einen "Short Squeeze" loszutreten.

An möglichen Impulsen fehlt es bei Logitech jedenfalls nicht. Die UBS Investmentbank erwartet beispielsweise in zehn Tagen ein weiteres überzeugendes Quartalsergebnis und rechnet mit weiteren Fortschritten im Turnaroundprozess. Ausserdem wird das Unternehmen selber nach der Veröffentlichung des Zahlenkranzes das Aktienrückkaufprogramm wieder aufnehmen können. Eine Attraktion bleibt aus Anlegersicht auch die grosszügige Dividendenpolitik. Sofern der Dollar nicht wieder an Boden verliert, errechnet sich eine Rendite von 3,8 Prozent. Wobei die Dividende nur den Anlegern vorenthalten bleibt, die sich mindestens bis Mitte September nächsten Jahres binden.