«Herr Staub, haben Sie den Erfolg teuer erkauft?»

Vontobel-CEO Zeno Staub äussert sich im Video-Interview zu den überraschend guten Semesterzahlen der Bank. Und er sagt, wieso er vorsichtig in das zweite Halbjahr blickt.
31.07.2013 14:33
Von Pascal Meisser
Zeno Staub im Video-Interview.
Bild: cash

Für Aufsehen sorgte vor allem der rekordhohe Neugeldzufluss von 8,3 Milliarden Franken. Damit übertraf die Zürcher Privatbank nicht nur die Vorjahreszahlen, als ihr 5,3 Milliarden Franken zuflossen, sondern auch Konkurrentin Julius Bär. Diese hatte vor einer Woche einen verlangsamten Neugeldzufluss von 3,4 Milliarden Franken bekanntgegeben. Mit einer Wachstumsrate von 17 Prozent liess Vontobel Konkurrenten wie Credit Suisse oder EFG International weit hinter sich.

"Die Neugelder kommen gut verteilt aus unseren Zielmärkten", sagt CEO Zeno Staub im Video-Interview. Vor allem aus den für Vontobel wichtigen europäischen Märkten wie Deutschland, Grossbritannien und Italien, aus den USA sowie dem asiatisch-pazifischen Raum stiessen neue Kunden hinzu.

Alleine 7,4 Milliarden Franken an Neugeldzufluss verbuchte das Asset Management für sich. Vor allem die "Quality Growth"-Boutique in New York unter Leitung des Star-Fondsmanagers Rajiv Jain zog erneut bedeutende Geldbeträge von institutionellen Anlegern an.

Deutlich höherer Personalaufwand

Am gestiegenen Gewinn und den höheren Neugeldzuflüssen partizipieren auch die involvierten Kundenberater und Fondsmanager – und das nicht zu knapp. Alleine in der Vermögensverwaltung ist der Personalaufwand in den letzten zwölf Monaten um über 50 Prozent angestiegen, obwohl der Personalbestand im gleichen Zeitabschnitt von 286 auf 272 Mitarbeitende gesunken ist. Aber auch im Private Banking und Investment Banking ist eine ähnliche Entwicklung zu beobachten. Hat sich die Bank Vontobel den Semestererfolg etwa teuer erkauft?

Staub sieht dies nicht so. "Die höheren Lohnkosten stehen im Zusammenhang mit der extremen Entwicklung des Kommissions- und Dienstleistungssaldos, das um 26 Prozent gestiegen ist. Unser Personalaufwand um 17 Prozent gestiegen. Das ist ein vernünftiges Verhältnis", so der Vontobel-CEO im Gespräch mit cash. Gruppenweit bewegt sich die Cost-Income-Ratio bei relativ hohen 78,5 Prozent.

Schwierigeres zweites Halbjahr

Staub geht davon aus, dass sich die gute Entwicklung im ersten Semester im weiteren Jahresverlauf nicht im gleichen Tempo fortsetzen wird. "Man hat im Juni gesehen, auf welch dünnem Eis sich die Finanzmärkte bewegen. Kurzfristig gehe ich von einer Beruhigung aus, weil die Notenbankpolitik wieder akkommodierender ist." Insgesamt werde die zweite Jahreshälfte anspruchsvoller, zumal noch offen sei, inwiefern die Juni-Schwankungen das Investorenvertrauen getrübt hätten.

Vontobel registriert weiterhin eine träge Kundenaktivität. "Die durchschnittliche Cash-Quote liegt noch immer bei 25 Prozent", sagt Staub. Trotz der guten Börsenstimmung sehe er die für Bullenmärkte typischen tradingorientierten Umsätze nicht. "Kundenaktivitäten beschränken sich auf Umschichtungen, beispielsweise von cash und Long Bonds von etablierten Staatsemittenten hin zu Aktien oder allenfalls Corporate oder High Yield Bonds", so Staub.

Im Video-Interview äussert sich Staub ausserdem zum Thema Übernahmen und zur Rolle von Vontobel im US-Steuerstreit.