Hertz: «Vertraut den Experten nicht blind»

Noreena Hertz, illustre britische Ökonomin, warnt im cash-Video-Interview davor, sich immer auf die Meinung von Experten zu verlassen und erklärt, wieso Anleger keine Bilder von Unterwäschemodells anschauen sollten.
08.06.2015 00:40
Von Pascal Züger
Die britische Wirtschaftswissenschafterin und Buchautorin Noreena Hertz im Interview mit cash.
Bild: cash

Was haben die Finanzkrise 2007, das Aufkommen der Terrorzelle Isis, der Fall der Berliner Mauer 1989 und die Ölkrise von 1973 gemeinsam? All diese Ereignisse kamen sehr überraschend - und sie wurden von Experten nicht vorhergesagt.

Experten und Sachverständige spielen im Alltag eine grosse Rolle. Wir müssen täglich wichtige Entscheidungen treffen - und verlassen uns dabei oft auf Kenner des entsprechenden Themenfelds. Aber eine zu grosse Abhängigkeit von Experten schränkt ein und kann gefährlich sein. "Vertraue Experten nicht blind, sondern lass dein Gehirn an", rät deshalb die britische Ökonomin und Buchautorin Noreena Hertz im cash-Video-Interview am Rande des Swiss Economic Forums von Ende letzter Woche.

"Dopamin-Schub wie beim Sex"

Vor allem der Finanzbereich ist anfällig dafür, dass sich oft auf Meinungen von Finanzexperten verlassen. Sei es der Finanzberater des Vertrauens, die Meinungen von Analysten oder Tipps von Anlage-Gurus wie "Börsen-Gott" Warren Buffett. Noreena Hertz rät, hier keinesfalls bloss auf die Meinung eines einzelnen zu hören, sondern sich mehrere Stimmen einzuholen.

Ein Problem sei auch, so Hertz weiter, dass "wir auf Meinungen hören, die verstärken, was wir uns bereits in den Kopf gesetzt haben; Denn hören wir eine Meinung, die wir selbst vertreten, so löst dies in uns ein Dopamin-Schub aus, den wir auch erleben, wenn wir Schokolade essen, Sex haben oder uns verlieben".

Dabei seien es gerade umgekehrt Meinungen, die von der eigenen abweichen, die unser Denken herausfordern und zu einer optimaleren Entscheidung verhelfen würden.

Was Investitionsentscheidungen beeinflusst

Niemand trifft Entscheidungen, die vollständig von äusseren Einflüssen isoliert sind. Und es sind nicht nur Expertenmeinungen, die unsere Meinungsbildung leiten. Die Beeinflussung kann auch auf ganz andere Art und Weise stattfinden. Das Verrückte daran: Oftmals merken wir es nicht einmal.

Eine Studie hat beispielsweise gezeigt, dass Entscheidungen über Aktienkäufe von der Farbe des Papiers, auf der die Information über die Aktie geschrieben ist, abhängen. Anleger kaufen die exakt gleiche Aktie eher, wenn die Information auf einem grünen anstatt einem roten Papier geschrieben ist.

Und auch den Anblick einer hübschen Frau kann die (Investitions-)Sinne trüben: Probanden einer anderen Studie wurde entweder ein Bild eines Steines oder eines Victoria's Secret Modells gezeigt. Teilnehmer, die das Bild des Unterwäschemodells anschauten, trafen im Anschluss schlechtere Investitionsentscheidungen.

Noreena Hertz erklärt im cash-Video-Interview ausserdem, mit welchen Problemen sie im Alltag zu kämpfen hat und wie sie diese bewältigt.

Das Interview mit Noreena Hertz fand am Rande des Swiss Economic Forums von Ende letzter Woche in Interlaken statt.