Hier droht Gefahr für die Banken

Ein Analyst warnt davor, dass das Derivatgeschäft den Banken über den Kopf wächst. Zu den 15 aktivsten Instituten zählt auch eine der beiden Schweizer Grossbanken.
20.06.2014 08:16
Von Lorenz Burkhalter
Einigen Banken scheint das Derivatgeschäft über den Kopf zu wachsen.

Alleine schon beim Anblick dieser Zahl stockt einem der Atmen: 730'000 Milliarden Dollar. So hoch beziffert die Berenberg Bank den Nominalbetrag aller weltweit ausstehender Derivate. Davon entfallen dem verantwortlichen Analysten zufolge nicht weniger als 728'000 Milliarden Dollar auf gerade mal 15 Banken entfallen.

Dagegen machen die auf 10'800 Milliarden Dollar geschätzten bereinigten Bruttorisiken einen geradezu überblickbaren Eindruck. Doch entspricht diese Zahl sage und schreibe 70 Prozent der jährlichen amerikanischen Wirtschaftsleistung oder dem zehnfachen Eigenkapital der genannten Banken unter einem Stressszenario.

Was hat das Ganze mit der Credit Suisse zu tun?

Das mit Abstand grösste Engagement weist Goldman Sachs auf, gefolgt von der Deutschen Bank mit gerade mal einem Drittel des Betrags der Amerikaner. Unter den 15 Banken ist auch die Credit Suisse zu finden, allerdings nur "unter ferner liefen".

Nichtsdestotrotz mahnt der Analyst zur Vorsicht, würden die Bruttoaktiven aus dem Derivatgeschäft das Eigenkapital unter einem Stressszenario bei der Grossbank doch um das 21-fach überragen. Selbst um Gegenparteien und Absicherungen bereinigt entspreche das Engagement nach US GAAP noch immer 121 Prozent des besagten Eigenkapitals. Ausserdem macht der Analyst eine Differenz von 3,2 Milliarden Franken zwischen den Derivatverpflichtungen und den dafür bestimmten Aktiven aus, was seinen Berechnungen zufolge 7,5 Prozent des Eigenkapitals entspricht.

Auffällig sei, dass insbesondere die europäischen Banken am stärksten von Erträgen aus dem Derivatgeschäft abhängig seien, welche unter einem Stressszenario am schlechtesten beim Eigenkapital abschneiden würden. Zu diesen Banken zählt neben Crédit Agricole, Deutsche Bank und Société Générale auch die Credit Suisse. Bei allen vier Banken rechnet der Analyst mit einer Rückabwicklung von Derivatgeschäften und damit verbundenen Folgen für den Gewinnbeitrag aus diesem Bereich.