Hier haben Investoren aufgestockt

Mehrere Investoren haben Aktien von an der Schweizer Börse kotierten Firmen dazugekauft. cash nimmt Beteiligungsveränderungen von vier Firmen unter die Lupe und sagt, ob ein Einstieg für Anleger sinnvoll ist.
12.09.2014 01:01
Von Frédéric Papp
Entgegen den Erwartungen hat Financier Martin Ebner bei Galenica wieder zugekauft.
Entgegen den Erwartungen hat Financier Martin Ebner bei Galenica wieder zugekauft.
Bild: cash

Es gibt viele Gründe, weshalb Investoren bei Firmen ihre Aktienanteile aufstocken. Die meisten erachten eine Aktie als unterbewertet und setzen auf künftige Kursgewinne. Dazu zählen vor allem Fondsgesellschaften und Banken. Das Gros der Marktbeobachter geht denn auch von weiter steigenden Aktienpreisen aus. Seit Anfang August befindet sich der Swiss Markte Index (SMI) in einer Aufwärtsbewegung.

Nicht selten wollen Investoren aber auch auf die Strategie eines Unternehmens Einfluss nehmen. Sie kaufen schrittweise und möglichst heimlich Aktien zu, um sich zum Beispiel in den Verwaltungsrat wählen zu lassen. So geschehen bei der Immobiliengesellschaft Züblin, welche vom russischen Investor Viktor Vekselberg quasi geentert wurde.

Spätestens aber bei Erreichung der Drei-Prozent-Schwelle muss sich der Investor gegenüber der Gesellschaft und der Schweizer Börse (SIX) outen. Dies schreibt das Bundesgesetz über die Börsen und den Effektenhandel vor. Dies gilt im Weiteren für die Stimmrechtsanteile von 5, 10, 15, 20, 25, 33, 50 und 66 Prozent.

Für risikotolerante Anleger sind beide Fälle Indizien, aber kein Garant für künftig steigende Kurse. In folgenden vier an der Schweizer Börse kotierten Unternehmen haben Investoren ihre Aktienanteile seit Anfang August angehoben.

Gategroup: Das Genfer Bankhaus Pictet hat diverse hauseigene Fonds mit Gategroup-Aktien versorgt. Die SIX meldete am 9. September eine Beteiligung von 5 Prozent, nachdem im November letzten Jahres die Drei-Prozent-Schwelle erreicht worden war. Die Aktie verteuerte sich innerhalb der letzten zwei Wochen um gut 4 Prozent auf 23,50 Franken und notiert damit in etwa gleich hoch wie im letzten November. Zwischenzeitlich lag der Kurs hingegen bei 29 Franken.

Die Kursausichten des Airline-Zulieferers für die kommenden Monate sind laut Schätzungen der Analysten intakt. Die Kursspannen reichen von 26 bis 30 Franken. Allerdings sollten Anleger zuwarten, bis sich die Krise in der Ukraine gelegt hat. Denn macht der russische Präsident Wladimir Putin mit seinem Überflugverbot ernst, könnte dies Gategroup empfindlich treffen.

Galenica: Beim Pharma- und Drogerieunternehmen überrascht Grossaktionär Martin Ebner mit einer Aufstockung. Neu hält er seit dem 9. September wieder 15 Prozent und festigt damit seine Position als zweitgrösster Aktionär. Mitte August hat er seinen Anteil von 15,8 auf 14,94 Prozent reduziert, nachdem bekannt wurde, dass sich Galenica in die zwei Geschäftszweige Pharma und Medikamentenhandel aufteilen will. Der Markt ging davon aus, dass Financier Ebner nun Kasse macht. Denn die nächste meldepflichtige Schwelle liegt bei 10 Prozent.

Ebner hatte im Sommer 2011 die Drei-Prozent-Schwelle erreicht und baute in den kommenden drei Jahren den Anteil sukzessive aus. In diesem Zeitraum kletterte die Aktie von 430 auf bis zu 957 Franken im letzten März. Derzeit notieren die Titel bei 845 Franken. Doch offenbar hält Ebner mit der jüngsten Mini-Aufstockung Galenica die Stange. Laut Marktbeobachtern wird die Zweiteilung der Berner Gesellschaft in einen Pharma- und einen Medikamentenhandelsteil einen deutlichen Mehrwert für die Aktionäre schaffen.

Kuoni: Die schwachen Halbjahreszahlen des Reisekonzerns und der Ausblick enttäuschten die Anleger – das Minus seit dem 21. August beträgt satte 17 Prozent. Und seit Januar fiel der Aktienwert gar um ein Drittel. Schweizer Reisebüros spüren die internationale Konkurrenz aus dem Internet. Erschwerend kommen diverse geopolitische Spannungen hinzu. Frustverkäufe dürfen somit auch in nächster Zeit weiter auf dem Aktienkurs lasten.

Umso mehr erstaunt die Aufstockung des britischen Assetmanagers Schroders auf 3,8 Prozent, nachdem am 21. August die SIX den Schwellenwert von drei Prozent meldete. Kuoni ist angesichts der moderaten Bewertung (KGV 2015 von 11) zwar attraktiv, doch sollten Anleger – ähnlich wie bei Gategroup – abwarten, bis die geopolitischen Brandherde abklingen.

Kardex: Die Londoner Investmentbank JP Morgan ist schon seit Sommer 2013 mit rund 3 Prozent am Lagerlogistiker beteiligt. Am 12. August hat die Bank das Engagement nun auf 5,2 Prozent erhöht und sich damit vor der Credit Suisse als zweitgrösster Aktionär etabliert. Am Donnerstag wurde bekannt, dass die Credit Suisse ihr Kardex-Engagement ebenfalls leicht von 3,2 auf 3,6 Prozent verstärkte.

Seit Anfang August gewinnt die Aktie stetig an Höhe: Rund 10 Prozent beträgt mittlerweile das Kursplus. Dazu beigetragen haben auch die starken Halbjahreszahlen. Gut möglich, dass die beiden Bankhäuser aufgrund der attraktiven Bewertung ihre Engagements erhöhten. Für das laufende Jahr weist Kardex ein KGV von 14 sowie ein EV/Ebitda von rund 7 und ein EV/Ebit von gut 8 aus. Damit ist die Bewertung deutlich tiefer als der Durchschnitt aller Schweizer Industrieaktien.

Meyer Burger: Im August gab es auch Veränderungen im Aktionariat von Meyer Burger. So nistete sich die Investmentgesellschaft Franklin Templeton Ende August mit gut 3 Prozent beim Solarzulieferer ein. Wenige Tage zuvor erhöhte auch die australische Platinum International Fund ihr Engagement um 2 auf 5,13 Prozent. Neu ist auch Lancaster Investment Management mit gut 3 Prozent dabei. Augenfällig ist zudem eine Meldung der SIX vom 20. August mit einer gut 10-prozentigen Erwerbsposition der UBS am Meyer Burger. Noch im Juli lagen diese unter drei Prozent.

Allerdings sollten Anleger das Engagement der UBS nicht missdeuten. Denn hinter diesen Erwerbspositionen stecken Derivate. So hat die UBS kürzlich einige Call-Warrants auf Meyer Burger herausgegeben. Offenbar stecken im Markt Erwartungen steigende Kurse. Zu wünschen wäre es der Aktie, die seit letztem März über 50 Prozent an Kurswert einbüsste. Dafür bräuchte es eine merkliche Verbesserung der Auftragslage des Solarzulieferers.

Laut Marktbeobachtern zeichnet sich eine Angebotsknappheit bei den Solarpaneelen ab, nachdem zwei Jahre zuvor Überkapazitäten herrschten. Ob sich damit aber die Auftragslage bei Meyer Burger substanziell verbessert, wird sich zeigen. CEO Peter Pauli liess bei der Präsentation der Halbjahreszahlen durchblicken, dass eine weitere Kapitalerhöhung nicht auszuschliessen sei. Insofern bleibt ein Einstieg für Anleger ein Hochrisikogeschäft.