Hier steigt das nächste Übernahme-Fieber

Noch ist die Übernahmewelle in einem wichtigen Sektor nicht auf Europa übergeschwappt. Es ist jedoch nur eine Frage der Zeit, bis auch hier grössere Übernahmen und Zusammenschlüsse bekannt gegeben werden.
12.06.2014 07:59
Von Lorenz Burkhalter
Gilt als potenzieller Jäger im europäischen Chemiesektor: Der amerikanische Gigant DuPont.
Gilt als potenzieller Jäger im europäischen Chemiesektor: Der amerikanische Gigant DuPont.
Bild: Bloomberg

Das Übernahmekarussell gewinnt immer mehr an Fahrt. Seit Sommer 2012 wurden weltweit Firmentransaktionen im Gegenwert von 2‘900 Milliarden Dollar bekanntgegeben, ein Grossteil davon in den letzten Wochen und Monaten.

Nur bei den europäischen Chemieherstellern blieben grössere Übernahmen oder Zusammenschlüsse bisweilen aus. Und das obschon die Branche als stark fragmentiert gilt. Mit anderen Worten: Unzählige Anbieter machen sich gegenseitig das Leben schwer. Gleichzeitig drängen immer mehr Unternehmen aus den Schwellenländern in den Markt und sorgen so für einen immer intensiveren Wettbewerb.

Während sich amerikanische Firmen reihenweise zusammenschliessen, zögern ihre europäischen Mitbewerber noch. Es dürfte allerdings nur eine Frage der Zeit sein, bis die Übernahmewelle auch Europa überrollt.

BNP Paribas nennt mögliche Übernahmekandidaten

Für kommende Woche lädt BNP Paribas zu einer Investorenkonferenz zum Thema Chemieindustrie. An der Konferenz werden den Teilnehmern die Geschäftsleitungsmitglieder von nicht weniger als neun führenden Chemieunternehmen Rede und Antwort stehen. Dabei dürfte die Übernahme- und Fusionstätigkeit ein zentrales Thema sein.

In einer Vorabinformation nennt die französische Grossbank deshalb nicht nur mögliche Übernahmekandidaten, sie sagt auch, welche Rivalen als Käufer in Frage kommen.

DSM werde seit je her als Ziel gehandelt, so die verantwortlichen Analysten. Nicht zuletzt der geringen Synergien zwischen den verschiedenen Geschäftsbereichen wegen sei das niederländische Unternehmen gefordert. DSM sei genauso verletzbar geworden wie Croda. Croda wiederum überzeuge genauso wie Elementis mit einem für einen Käufer interessanten Firmenportfolio.

Den Aktionären winken attraktive Übernahmeprämien

Mögliche Interessenten machen die Analysten bei den amerikanischen Chemieherstellern aus. DuPont verfüge über Barmittel im Umfang von 9 Milliarden Dollar, Dow Chemical über 6 Milliarden Dollar, LyondellBasell über 4,5 Milliarden Dollar und Monsanto über gut 4 Milliarden Dollar. Da ein Teil dieser Barmittel ausserhalb der USA liegen, macht man bei BNP Paribas auch steuerliche Aspekte für Übernahmen in Europa geltend.

Nicht zuletzt deshalb könnten amerikanische Unternehmen tief in die Tasche greifen. Im Fall der drei genannten europäischen Ziele DSM, Croda und Elementis halten die Analysten ein um bis zu 30 Prozent über den aktuellen Kursen liegendes Angebot für denkbar.

Die Aktionäre dürfen den Champagner vermutlich schon jetzt kühlstellen, ist es doch nur eine Frage der Zeit, bis im europäischen Chemiesektor die Übernahme-Party steigt.