Hörgerätehersteller - Sonova bezüglich Zielvorgaben im Rückstand - Aktie taucht

Sonova wächst kräftig, aber nur dank Zukäufen. Beim organischen Umsatzwachstum und beim Gewinn enttäuscht der Hörgerätehersteller. Die zuvor feste Aktie steht unter Verkaufsdruck.
13.11.2017 14:53
Von Lorenz Burkhalter
Firmen-Fahnen beim Hauptsitz von Sonova in Stäfa.
Firmen-Fahnen beim Hauptsitz von Sonova in Stäfa.
Bild: ZVG

Gut eine Woche ist es her, seit die Aktie von Sonova bei 181,60 Franken auf den höchsten Stand in der Firmengeschichte kletterte. Doch obschon Gewinnmitnahmen die Kursnotierungen seither etwas zurückfallen liessen, errechnet sich seit Jahresbeginn noch immer ein sattes Plus von 40 Prozent.

Zu viel, wenn man bedenkt, dass der Weltmarktführer für Hörgeräte in der ersten Hälfte des Fiskaljahres 2017/18 den Umsatz aus eigener Kraft nur um 5 Prozent steigern konnte. Doch nicht nur beim organischen Wachstum, auch beim operativen Gewinn (EBITA) werden die Analystenerwartungen zu Wochenbeginn ziemlich deutlich verfehlt.

Zum Vergleich: Während von der Nachrichtenagentur AWP befragte Experten von 255,2 Millionen Franken ausgegangen waren, erzielte das Unternehmen aus Stäfa nur einen "normalisierten" operativen Gewinn (EBITA) von 240,5 Millionen Franken.

An der Schweizer Börse SIX fällt die Sonova-Aktie zur Stunde noch um 4,8 Prozent auf 164,60 Franken. Die Tagestiefstkurse liegen gar bei 156,20 Franken.

Der für Bernstein Research tätigen Medizinaltechnikanalystin zufolge liegt der Zahlenkranz sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn etwas hinter den Erwartungen zurück. Enttäuscht zeigt sie sich insbesondere in Bezug auf das organische Umsatzwachstum. Als bremsend habe sich dabei das Nordamerikageschäft erwiesen, so schreibt sie in einem Kommentar.

Bereits Rückstand auf die Jahresprognosen

Die Expertin führt die Wachstumsflaute in Übersee auf eine Neuausrichtung des dortigen Vertriebsnetzes zurück. Für den schwächer als erwartet ausgefallenen operativen Gewinn (EBITA) macht sie hingegen den verwässernden Effekt aus der Übernahme von AudioNova sowie den Verlust im Geschäft mit Hörimplantaten verantwortlich.

Nach den ersten sechs Monaten hat der Hörgerätehersteller bereits Rückstand auf die firmeneigenen Zielvorgaben für das gesamte Jahr. Angestrebt wird ein Plus von 10 bis 12 Prozent beim Umsatz sowie eines von 10 bis 14 Prozent beim operativen Gewinn (EBITA), beides in Lokalwährungen.

Die Bernstein-Analystin begrüsst zwar, dass Sonova an den Jahresprognosen festhält. Allerdings wirft sie die Frage auf, ob die Zielvorgaben nach der durchwachsenen ersten Jahreshälfte überhaupt noch erreicht werden kann. Deshalb lautet das Anlageurteil für die Aktie weiterhin nur "Market Perform". Das Kursziel wird mit 150 Franken angegeben.

Ziemlich hohe Markterwartungen

Ihr Berufskollege von der UBS Investmentbank stösst sich hingegen am eher schwachen Abschneiden im Retail-Geschäft. Er weist darauf hin, dass der Sonova-Rivale William Demant erst kürzlich vergleichbare Probleme einräumen musste.

Dem Experten zufolge liegen die Konsenserwartungen für das Fiskaljahr 2017/18 sowohl in Bezug auf das Umsatz- als auch auf das Gewinnwachstum am ganz oberen Ende der firmeneigenen Zielvorgaben. Mit einem 12-Monats-Kursziel von 140 Franken rät er deshalb gar zum Verkauf der Aktie.

Für den Autor eines Kommentars aus dem Hause Morgan Stanley ist die Erreichbarkeit der Zielvorgaben vom kommerziellen Erfolg neuer Produkte abhängig. In diesem Zusammenhang gibt sich der für J.P. Morgan tätige Medizinaltechnikanalyst ziemlich ernüchternd. Er zeigt sich von den kurz vor der Markteinführung stehenden neuen Produkten wenig beeindruckt. Auch aufgrund der überdurchschnittlich hohen Bewertung und des dadurch zusehends ungünstigen Chancen-Risiko-Verhältnisses stuft er die Aktie nur mit "Neutral" und einem Kursziel von 147 Franken ein. Bei Morgan Stanley lautet das Anlageurteil "Equal-weight" bei einem Kursziel von 160 Franken.