Hörgerätehersteller - Stapelt Sonova bei den Zielvorgaben absichtlich tief?

Eine Ergebnisenttäuschung bleibt bei Sonova zwar aus. Allerdings wartet der Hörgerätehersteller mit eher konservativen Zielvorgaben fürs neue Jahr auf. Als Folge davon gerät die Aktie unter Verkaufsdruck.
22.05.2018 11:34
Von Lorenz Burkhalter
Hörgeräteproduktion von Sonova.
Hörgeräteproduktion von Sonova.
Bild: ZVG

Der Sonova-Zahlenkranz für das am 31. März abgelaufene Geschäftsjahr dürfte bei den Aktionären nicht so recht Freude aufkommen lassen. Denn während das Jahresergebnis des Hörgeräteherstellers aus Stäfa auf den Stufen operativer Gewinn (EBITA) und Reingewinn etwas besser als erwartet ausfällt, bleibt es beim Umsatz dahinter zurück. Das gilt insbesondere für das organische Wachstum.

Gar für Enttäuschung sorgen die Zielvorgaben für das neue Jahr. Der Weltmarkführer strebt ein organisches Umsatzwachstum zwischen 3 und 5 Prozent und einen um 6 bis 9 Prozent höheren EBITA an. Analysten waren von einem Wachstum von 4 bis 6 Prozent beim Umsatz und von 7 bis 11 Prozent beim EBITA ausgegangen.

Das erweist sich an der Schweizer Börse SIX im frühen Handel als Belastung für die Sonova-Aktie. Zur Stunde verliert sie noch 1,2 Prozent auf 160 Franken. Die Tagestiefstkurse liegen gar bei 157,60 Franken.

Schwaches Wachstum, etwas bessere Margen

Nach einer Wachstumsverlangsamung in der zweiten Jahreshälfte habe das Unternehmen die eigene Zielbandbreite beim organischen Umsatzwachstum verfehlt, so schreibt etwa Bernstein Research.

Die US-Investmentbank räumt zwar ein, dass die Zielbandbreite beim EBITA dank Margenverbesserungen eingehalten werden konnte. Das reiche jedoch nicht aus, um über die enttäuschenden Vorgaben für das neue Jahr hinwegzutrösten. Bernstein Research stuft die Sonova-Aktie wie bis anhin mit "Market Perform" und einem Kursziel von 150 Franken ein.

Ebenfalls enttäuscht von der Umsatzentwicklung in der zweiten Jahreshälfte zeigt man sich bei der UBS Investmentbank. Der Grossbank zufolge überwiegen die negativen Aspekte leicht, was insbesondere für den vorsichtigen Ausblick gilt. Bei der UBS Investmentbank lautet das Anlageurteil "Neutral" mit einem 12-Monats-Kursziel von 150 Franken.

MainFirst Bank mit einer feinen Nase

Versöhnliche Töne schlagen die Zürcher Kantonalbank sowie die Bank Vontobel an. Während die Bank Vontobel dem Unternehmen eine gute Arbeit auf der Kostenseite attestiert, macht die Zürcher Kantonalbank in Bezug auf den Ausblick keine Überraschungen aus. Beide Banken schätzen die Sonova-Aktie aber weiterhin nur neutral ein. Ins selbe Horn bläst Notenstein La Roche. Die Privatbank erhöht das Anlageurteil von "Reduce" auf "Hold" und veranschlagt neu ein Kursziel von 155 (zuvor 125) Franken.

Fein raus ist der Medizinaltechnikanalyst der MainFirst Bank. Er hatte vergangene Woche vor einem durchwachsenen Jahresergebnis und schwächlichen Zielvorgaben für das neue Geschäftsjahr gewarnt und die Aktie von Sonova konsequenterweise von "Outperform" auf "Neutral" heruntergestuft.

Der Analyst rechnet beim Weltmarktführer mit Verzögerungen bei der Einführung neuer Produkte. Seines Erachtens droht das neue Geschäftsjahr deshalb zu einem weiteren Übergangsjahr zu werden.

Unklar sei, ob Sonova nicht absichtlich tiefstaple und die eher konservativen Zielvorgaben letztendlich übertreffe, so verlautet aus dem Handel. Diese Meinung vertritt auch die bekannte Medizinaltechnikanalystin bei Kepler Cheuvreux. Sie glaubt, dass sich der neue Konzernchef einen Leistungsausweis beim Übertreffen der eigenen Ziele aufbauen will.

Als unbestritten gilt im Berufshandel hingegen, dass der Weltmarkt- und einstige Technologieführer seit einigen Quartalen schlechter als die wichtigsten Rivalen abschneidet.