Höhere Zinsen helfen dem Dollar nicht mehr länger

Eigentlich sollte der Zinsaufschlag dem Dollar gegenüber dem Euro helfen. Trotz Spekulationen um eine nächste Leitzinserhöhung tut er das aber nicht. Die UBS-Ökonomen erklären, wieso dem so ist.
16.09.2016 08:30
Von Lorenz Burkhalter
Hier werden die Zinsentscheide gefällt: Gebäude der US-Notenbank in Washington, D.C.
Hier werden die Zinsentscheide gefällt: Gebäude der US-Notenbank in Washington, D.C.
Bild: iNg

Ob eine Währung beliebt ist oder nicht, hängt nicht zuletzt auch von der Verzinsung ab. Denn für gewöhnlich investieren Anleger dort, wo sich gute Renditen erzielen lassen.

Dem amerikanischen Dollar half dieser Umstand in den vergangenen Wochen aber herzlich wenig. Weder der Renditeanstieg bei Anleihen mit einer langen Laufzeit, noch die wiedererwachten Spekulationen einer weiteren Leitzinserhöhung durch die Federal Reserve Bank konnten den Greenback aus seiner Lethargie befreien.

Geht es nach den Ökonomen der UBS Investmentbank, wird sich daran so schnell auch nichts ändern. Zum einen deshalb, weil sie am "langen Ende" der Zinskurve nicht mit noch höheren Zinsen rechnen, zum anderen aber auch weil der jüngste Renditeanstieg nicht von den Vereinigten Staaten ausgeht.

Handelsgewichteter Dollar hat den Gipfel hinter sich gelassen

Den Experten zufolge war ein Renditeanstieg in Europa und Japan Auslöser für jenen am amerikanischen Anleihenmarkt. Anders als bei uns in Europa sei der Anstieg am "langen Ende" der Zinskurve in New York nicht von Dauer, so lautet ihr Urteil.

Auch zum Franken bewegt sich der Dollar schon seit Monaten seitwärts, Quelle: cash.ch

Was die handelsgewichtete Entwicklung des Dollars anbetrifft, so sehen die Ökonomen den Gipfel bereits hinter dem Greenback liegen. Gegenüber den Währungen anderer führender Wirtschaftsnationen rechnen sie mit einem nachlassenden Dollar, insbesondere gegenüber dem Euro.

Verwirrspiel der amerikanischen Notenbank

Das überrascht, liegt die rechnerische Wahrscheinlichkeit für eine Leitzinserhöhung durch die amerikanische Notenbank anlässlich ihres Treffens vom Dezember doch noch immer bei 50 Prozent. Bis vor wenigen Wochen galt ein Zinsschritt als wenig wahrscheinlich.

Allerdings haben Anleger gelernt, die Spekulationen rund um eine mögliche Leitzinserhöhung mit Vorsicht zu geniessen. Denn schon seit Monaten betreibt die amerikanische Notenbank jeweils um einen Entscheid herum ein Verwirrspiel: Zuerst schwören ihre als restriktiv bekannten Vertreter die Märkte auf einen Zinsschritt ein. Reagieren diese verstimmt, melden sich dann gemässigtere Vertreter zu Wort und besänftigen die Gemüter wieder.

In Expertenkreisen erklärt man sich die teilweise sehr unterschiedlichen Aussagen mit den verschiedenen Positionen innerhalb der amerikanischen Notenbank. Jeder Gouverneur versucht in der Öffentlichkeit seinen eigenen Standpunkt klarzumachen, so heisst es in diesem Zusammenhang. Gab es früher innerhalb der amerikanischen Notenbank nur zwei Lager, das der Vertreter einer restriktiven Zinspolitik und jenes der Vertreter einer lockeren Zinspolitik, so kommt mit den Unentschlossenen neu ein drittes hinzu.