Hohes Kursziel - Überflieger Straumann vor einem weiteren Kursschub?

Mehr als ein Jahr lang riet Bank of America Merrill Lynch zum Verkauf der Straumann-Aktie. Jetzt vollzieht die US-Investmentbank überraschend eine 180-Grad-Wende und rät mit abenteuerlichen Kursprognosen zum Einstieg.
06.09.2017 08:32
Von Lorenz Burkhalter
Unter Konzernchef Marco Gadola wuchs Straumann in den letzten Jahren kräftig.
Unter Konzernchef Marco Gadola wuchs Straumann in den letzten Jahren kräftig.

Mit einem Kursplus von 55 Prozent seit Jahresbeginn steht der Dentalimplantatehersteller Straumann an der Schweizer Börse weit oben auf der Gewinnerliste. Darin noch nicht enthalten ist die den Aktionären Mitte April ausbezahlte Dividende. Damit lässt die Aktie den um 13 Prozent höheren Swiss Performance Index weit hinter sich zurück.

Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KVG) von 35 auf Basis der nächstjährigen Konsenserwartungen ist die Aktie denn auch kein Schnäppchen mehr. Zweistellige Wachstumsraten, wie sie das Unternehmen aus Basel in den letzten Jahren regelmässig erzielte, haben aus Anlegersicht eben ihren Preis.

Das hält die Autorin einer Unternehmensstudie aus dem Hause Bank of America Merrill Lynch allerdings nicht davon ab, eine 180-Grad-Wende zu vollziehen. Nachdem sie die Straumann-Aktie seit Juli letzten Jahres mit "Underperform" zum Verkauf empfohlen hatte, stuft sie diese nun überraschend um zwei Stufen auf "Buy" herauf.

Einstieg in die Kieferorthopädie weckt Wachstumsfantasien

Kräftig nach oben geht es auch für das Kursziel. Nach einer Erhöhung der zukünftigen Gewinnschätzungen um bis zu 18 Prozent lautet es neu 715 (bisher 393) Franken.

Beeindruckender Höhenflug der Straumann-Aktie seit September 2012 (Quelle: www.cash.ch)

Zuversichtlich stimmt die für die amerikanische Investmentbank tätige Analystin vor allem der kürzlich bekanntgegebene Vorstoss in den Markt für Kieferorthopädie. 150 Millionen Dollar lässt sich Straumann diesen Schritt kosten.

Ein Klacks, wenn man bedenkt, dass Experten das Marktvolumen auf jährlich 8 Milliarden Dollar schätzt. Kann Straumann der Konkurrenz über die nächsten zwei Jahre Marktanteile von bis zu 20 Prozent abjagen, traut man der Aktie bei der Bank of America Merrill Lynch sogar einen Vorstoss in die Nähe von 1'000 Franken zu.

Frühere Grossaktionäre haben das Nachsehen

Das Unternehmen würde dann nicht nur mehr mit einem KGV von 35, sondern gar mit mehr als dem Fünfzigfachen des für das kommende Jahr erwarteten Gewinns bewertet.

Egal ob diese doch sehr optimistischen Annahmen eintreffen oder nicht: Frühere Grossaktionäre haben jetzt schon ganz klar das Nachsehen.

Die wichtigsten Kennzahlen auf einen Blick:

Kennzahl 2017* 2018*
Org. Umsatzwachstum 14,7 Prozent 11,8 Prozent
operative Marge (EBIT) 25,9 Prozent 26,9 Prozent
Kurs-Gewinn-Verhältnis 41,3 35,3
Dividendenrendite 0,7 Prozent 0,7 Prozent

(Quelle: Bank of America Merrill Lynch, Schätzungen)

So finanziert Straumann die strategischen Firmenübernahmen in der Kieferorthopädie (ClearCorrect) und in der digitalen Zahnmedizin (Dental Wings, Rapid Shape) mit dem Verkauf von 432'665 Titeln aus dem Eigenbestand. Diese hatte Straumann im August 2016 im Zuge einer Beteiligungsreduktion durch Singapurs Staatsfonds GIC zu je rund 376 Franken erworben.

Wie seit wenigen Stunden bekannt ist, wurden diese Titel von Dienstag auf Mittwoch zu je 600 Franken bei neuen Investoren platziert.

GIC war 2012 mit der Übernahme eines bis dahin von Firmengründer Thomas Straumann gehaltenen Aktienpakets mit 14 Prozent beim Basler Unternehmen eingestiegen. Kostete die Straumann-Aktie damals knapp 100 Franken, sind es heute mehr als 600 Franken.