WEF 2016

«Iberdrola-Aktie ist wie ein Zufluchtsort»

Eine steigende Aktie hat Iberdrola zur grössten Energieversorgungsfirma Europas gemacht. CEO und VR-Präsident Ignacio Sanchez Galán äussert sich im cash-Interview am WEF zu seiner Firma und zum Wachstum in Spanien.
20.01.2016 14:46
Interview: Daniel Hügli, Davos

cash: Herr Sanchez Galán, wie geht es Ihrem Unternehmen im neuen Jahr?

Ignacio Sanchez Galán: Wir sind weltweit Leader bei den erneuerbaren Energien. Und Iberdrola ist jetzt, gemessen an der Börsenkapitalisierung, das grösste Energieversorgungsunternehmen Europas. Unsere Aktie legte im letzten Jahr 20 Prozent zu und gehört in diesem Jahr zu den besten Performern im Sektor. Die Iberdrola-Aktie wirkt für Investoren wie ein Zufluchtsort. Unsere Tochtergesellschaft in den USA ist in New York kotiert und weist eine Börsenkapitalisierung von 12 Milliarden Dollar auf. Wir sind in Spanien, Portugal, Deutschland und den USA aktiv. In Grossbritannien sind wir sogar der grösste Produzent von Windenergie. In Mexiko ist Iberdrola das grösste privat gehaltene Unternehmen.

Dann spielt der Heimmarkt Spanien keine so grosse Rolle mehr für Iberdrola?

Das Volumen des Konzerns stammt noch zu 30 Prozent aus Spanien. Der Hauptteil des Umsatzes stammt also aus dem Ausland. 

Was war für Iberdrola wichtig in der Firmengeschichte?

Dass wir schon vor einigen Jahrzehnten wichtige Schritte hin zu erneuerbaren Energien gemacht haben. In den letzten 50 Jahren haben wir insgesamt 30 Milliarden Dollar investiert. Heute stecken wir sehr viel Geld in die Digitalisierung. 

Wie beurteilen Sie den Zustand der spanischen Wirtschaft?

Wirtschaftlich geht es dem Land sehr gut. Die Wirtschaft wird 2015 wohl zwischen 3 bis 3,5 Prozent gewachsen sein. Die Erwartungen für 2016 wurden diese Woche vom Internationalen Währungsfonds auf 2,7 Prozent erhöht. Das ist eine der höchsten Wachstumsraten in der Europäischen Union. Unsere Wirtschaft hat sich in den letzten Jahren enorm erholt. Ich führe dies vor allem auf unsere sehr konkurrenzfähige Industrie und Exportgüter zurück. Auch der boomende Tourismus hat viel zur Erholung beigetragen. Ebenso profitieren wir vom tiefen Erdölpreis, da Spaniens Industrie recht stark vom Import von Rohmaterialien wie Erdöl abhängt.

Weshalb sind die Aktienmärkte seit Wochen so nervös? Ist das bloss wegen China?

Ich glaube, da kommen viele Dinge zusammen. Da sind einmal viele Bedenken wegen der generellen Stabilität, das Wachstum in einigen Ländern, die Preise der Rohwaren und politische Entwicklungen.

Worauf müssen wir bei Iberdrola in den nächsten Monaten besonders achten?

Ende Februar präsentieren wir in London unseren langfristigen Investitionsplan für die verschiedenen Länder, in denen wir aktiv sind.